Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Die Pässe, bitte schnell

Foto: Fakt

Flexenpass, Flüela, Furka, Hochtannbergpass und Silvretta heißen sie. Eine Reise wert sind sie - fast ohne Grenzkontrollen fand auto motor und sport-Redakteur Jörn Pugmeister bei seiner Vorausfahrt zur Silvretta Classic Rallye Montafon 2008.

17.06.2008 Yörn Pugmeister Powered by

"In jenem Jahr, in dem sie in der Holzfällerhütte wohnten mit dem großen, viereckigen Kachelofen und wo sie auf Matratzen schliefen, die mit Buchenblättern gefüllt waren…" Ernest Hemingway lässt den delirierenden Jäger Harry in seiner Kurzgeschichte "Schnee auf dem Kilimandscharo" zurückreisen in eine Vergangenheit, die seine eigene war. In eine Gegend, die der Dichter liebte, in der er zwei Winter verbrachte, Ski fuhr, pokerte, soff und an seinem Roman "Fiesta" schrieb: Das Montafon und seine Berge.

Hemingway fuhr vor 84 Jahren mit dem Zug. Ein Käfer Cabriolet von vor über 30 Jahren, freundliche Leihgabe der "Autostadt" in Wolfsburg, ist heute gerade recht, nostalgische Vergangenheit in der Gegenwart zu erleben. Die Berge in Vorarlberg stehen noch wie zu jenen Zeiten, als Rätoromanen und Walser Rodungen in die großen Wälder schlugen. Ihre Siedlungen waren klein, zerstreut an den Hängen und in den Flusstälern.

Phänomenales Alpen-Panorama auf der Silvretta-Hochalpenstraße

Gut befahrbare Straßen verbinden heute auch die kleinsten Weiler. Plankengesicherte Pässe führen über viele Höhen. Das schönste Panorama auf Berge und Almen bietet zweifellos die Silvretta-Hochalpenstraße, gebaut 30 Jahre nach den Hemingways Holidays. Sie kurvt 22 Kilometer bergauf und endet am Silvretta-See, auf dem Kapitän Stefan Schindelecker in der Sommersaison mit seinem holländischen Grachtenboot kreuzfährt.

Reizvoll ist es, von Partenen aus dem Kurs der Silvretta Classic Rallye zu folgen. Eine Stärkung im Partener Hof vor dem Start empfiehlt sich: Gerstensuppe mit Liebstöckel vielleicht oder ein Cordon Bleu, gefüllt mit Sura Kees – saurem Käse, einer Spezialität des Montafon.

Von der Passhöhe am Silvretta-See geht es hinunter bis Galtür, weiter durch das Paznaun-Tal nach Landeck. Von dort über Pfunds in die Schweiz und zu den romantischen, alten Dörfern Sent, Scuol und Guarda im Unterengadin, in denen heute noch rätoromanisch gesprochen wird. Es folgt der leicht zu befahrende Flüelapass, der über 28 Kilometer ins Pratigau und nach Davos führt. Auf diesem Pass herrscht meist wenig Verkehr, denn nach Eröffnung des Vereina-Tunnels verkehren dort fast nur mehr Postautobusse sowie im Sommer eine Postkutsche von Davos zum Hospiz auf der Gipfelhöhe.

Vorbei an der längsten Treppe Europas

Nächstes Ziel der Reise sollte Vaduz sein, seit 1719 Hauptstadt des kleinen Fürstentums Liechtenstein mit nicht mehr als 5.000 Staatsbürgern. Im ganzen, 17 Quadratkilometer großen Land, wohl verstanden. Nach wenigen Kilometern geht es - wie schon bei der Einreise in die Schweiz ohne aufwendige Grenzkontrollen bei Ruggell - vorbei an Feldkirch zurück nach Vorarlberg.

Die Talstraße an der Ill entlang ins Montafon ist in den Sommermonaten mitunter stark befahren - bietet aber mit den 4.000 Stufen der Europa-Treppe bei Partenen einen besonderen sportlichen Höhepunkt: Beim Internationalen Treppencup von 2007 rannte Benedict Bier aus Völklingen die 700 Höhenmeter der längsten Treppe Europas in 26 Minuten hoch.

Für Nicht-Rekordsüchtige empfiehlt sich eine ruhige Fahrt in den Bregenzerwald. Über Bings, Dalaas und Stuben und den Flexenpass - mit einer Pause in Lech vielleicht - gelangt man von Warth aus zum Hochtannbergpass und auf die Bregenzer "Käsestraße". Dort riecht es keineswegs nach Milchprodukten - die werden in modernen Anlagen im Tal oder traditionell auf den Almen hoch am Berg produziert - sondern nach Waldgrün und nach Wasserfällen. Im "Wirtshaus zum Gämsle" in Schoppernau jedoch kann man einschließlich vieler Käse auch alle anderen Spezialitäten der Region genießen.

Eine lohnende Reise über viele Pässe, immer auf den Spuren der Silvretta Classic. Denn neben seltenen, klassischen Autos trifft man auf ganz einzigartige Landschaften, in denen viele gastfreundliche Menschen heute noch ihre Traditionen leben. Obwohl sie längst nicht mehr auf mit Buchenblättern gefüllten Matratzen schlafen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk