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20 Jahre Corrado

20 Jahre VW-Corrado - Treffen am Nürburgring

Foto: Michael Schröder 17 Bilder

Der Corrado feiert 20. Geburtstag. Ein guter Grund für die Szene, sich zu feiern. Rund 650 Autos kamen dann auch zur großen Party im September, die auf dem Zeltplatz am Nürburgring gefeiert wurde. Der klar erkennbare Trend unter den Gästen: Bloß keinen Corrado im serienmäßigen Originalzustand!

09.03.2009 Michael Schröder Powered by

Der Leistungsprüfstand kennt keine Gnade. Und die Wahrheit tut bisweilen weh. Sehr weh sogar. Da hat man nächtelang geschraubt und gebastelt, hunderte, wenn nicht tausende von Euro vom Gehalt abgezwackt, damit der Wagen 250, 300, vielleicht sogar 350 PS an die Vorderräder stemmt. Um vor der Clique endlich einmal richtig Gas geben zu können. Zum Beispiel während der großen Party zum 20. Geburtstag des VW-Renners am Nürburgring, zu der unter anderem der Corrado Club Deutschland e. V. eingeladen hatte.

Und nun das! Nix 300 PS. Nicht einmal 250 Pferdestärken (nicht wenige hatten bei ihren Autos vorab auf so viel Kraft getippt). Zu den potentesten Corrado an diesem Wochenende zählen ein G 60 mit knapp 212 PS sowie ein VR6 mit 226. Durchaus tolle Werte, keine Frage. Die dennoch bei einigen Fahrern für arg nachdenkliche Gesichter sorgen. Der Unterhaltungswert am Prüfstand ist auf jeden Fall enorm.

Subwooferstemmen, Nockenwellenball und G-Lader-Weitwurf

Ansonsten ist Unterhaltung eher Nebensache. Wer ein schillerndes Treffen wie die rauschenden Golf-Partys am Wörthersee in Kärnten erwartet hatte, ist fehl am Platz. Was nicht zuletzt am Austragungsort für diese Veranstaltung gelegen haben dürfte - der eher unübersichtlich angeordnete Campingplatz am Nürburgring.

Dessen steile und teils arg zerschundenen Waldwege sind mit Sicherheit ein prima Terrain für die Offroad-Fraktion, zumal an den Tagen zuvor heftige Regenfälle über die Eifel niedergegangen waren (im September dort eher die Regel als die Ausnahme). Viele Corrado-Fahrer sind schon dankbar, wenn sie überhaupt ihr Zelt im dichten Busch erreicht haben, ohne gleich Spoiler und Schürzen aufsammeln zu müssen. Wer dann notgedrungen lange Zeit mit Putzen und Polieren beschäftigt ist, denkt nicht mehr ans Flanieren. Und schon gar nicht an Burnouts oder Beschleunigungsrennen.

Die Veranstalter haben ohnehin anderes mit den Gästen vor: "Subwooferstemmen" zum Beispiel (einen Subwoofer möglichst lange in der Waagerechten halten). Oder Nockenwellenball (ein Ball muss möglichst schnell mit Hilfe einer Nockenwelle über einen Hindernisparcours getrieben werden). Und dann natürlich noch der der G-Lader-Weitwurf. Drei Versuche pro Kopf - am Ende des Tages markieren 14,8 Meter die Bestmarke.

Eine Gruppe der Piloten scheint für die Dramatik dieser Sportarten nicht sonderlich zugänglich zu sein. Sie ist in Feierlaune, sucht nach mehr Action, fragt nach der Party, die doch ganz bestimmt irgendwo stattfinden muss.

Der Macher ist auch dabei: Karmann-Chefkonstrukteur Willy Schwebe

Rund 650 Corrado rollen zur Geburtstagsfeier in die Eifel - Kennzeichen aus halb Europa. Skandinavien ist erstaunlich stark vertreten, ebenso Holland, Belgien, England und Frankreich. Drei Handvoll polnischer Corrado zuckeln über das Gelände, fünf kommen gar aus Russland (dorthin geht auch der Preis für die weiteste Anreise), und an einem findet sich ein amerikanisches Nummernschild.

Prominentester Gast ist der ehemalige Karmann-Chefkonstrukteur Willy Schwebe. Er war von 1942 bis 1988 maßgeblich an nahezu allen Entwicklungen der Firma aus Osnabrück beteiligt. Dazu zählen Autos wie ein Käfer Cabriolet, ein BMW-Coupé 2000 CS oder ein Triumph TR 6. Und natürlich der Scirocco. Der Corrado gilt als Schwebes Abschlussarbeit bei Karmann. Nach eigener Aussage auch als sein liebstes Produkt. Logisch, dass alle andächtig lauschen, als Schwebe über seine Zeit bei Karman plaudert.

Später wandert der vielseitige Konstrukteur über das Gelände des Campingplatzes. Seine wachen Augen scheinen nach einem Auto im lupenreinen Originalzustand Ausschau zu halten. Eben so, wie es die Werkshallen in Osnabrück einst verlassen hat. Die Szene scheint das anders zu sehen: Die angereiste Flotte präsentiert sich in allen nur denkbaren Umbau- und Tuningstufen. Darunter einige wirklich toll zurechtgemachte Wagen. Versehen mit chromglänzenden Motorräumen, wattstarken HiFi-Anlagen und aufwendigen Lackierungen - einige erscheinen so dreidimensional, dass man glaubt, darin verschwinden zu können.

Aus Dänemark: 670 PS-Corrado für 300.000 Euro

Eine Gang aus Ludwigsburg dagegen schwört auf ihre "Ratten". Einer ihrer Corrado tritt in Camouflage-Lackierung an, ein anderer, rechtsgelenkt und frisch für kleines Geld bei Ebay ersteigert, trägt den Union Jack auf den Wagentüren und Alu- Boxen auf einem Dachgepäckträger. Auffallen. Klar. Und jede Menge Spaß mit dem Auto haben. Die Welt sei schon ernst genug, und schon macht das nächste Bier die Runde. Sympathisch, diese Jungs.

Der Corrado von Philipp aus Dänemark wirkt dagegen wie einer aus einem anderen Universum. In seinem Auto stecken vier Jahre harte Arbeit, nach eigenen Angaben würde sich der Wert des Fahrzeugs umgerechnet inzwischen auf 250.000 bis 300.000 Euro summieren. Ein stolzer Betrag, auch angesichts der Tatsache, dass der dänische Staat Autos und Ersatz- wie Zubehörteile mit einem Steuersatz von 180 Prozent belegt. Der Mann könnte dennoch längst einen schicken 911er fahren.

Will er aber nicht. "Dieser Corrado ist mein Lebenswerk", erklärt der blonde Däne, der den Wagen bisher mehrmals komplett zerlegt hat, damit er so aussieht wie heute.

Im Halbstundentakt öffnet Philipp für eine staunende Menge die Flügeltüren sowie die Motorhaube, trennt mit einem Hebel den Schalldämpfer vom Krümmer und treibt die Maschine im Stand bis kurz vor den roten Bereich. Anerkennendes Nicken rundum - eine startende Concorde fiele kaum weniger auf.

Vermutlich würde dieser Corrado den Überschall-Jet beim Sprint über die Startbahn auch noch locker abhängen: "Bei 1,4 bar Ladedruck stehen rund 670 PS an", erklärt Philipp und präsentiert ein Leistungsdiagramm. Ob er sich dennoch dem Prüfstand stellen würde? Aber sicher, sehr gern sogar. Nur der Weg bis dorthin sei für das extrem tiefer gelegte Auto einfach zu schlecht. Aha.

Nichts von alledem würden Doreen und Dirk Melzian aus Brome bei Gifhorn ihrem Corrado antun. Keine Schraube würden sie verändern, nichts. Ihr Auto sieht tatsächlich so aus, als sei es erst vorgestern vom Band gefallen. Und wirkt in aller Unscheinbarkeit an diesem Ort so exotisch wie eine Palme am Nordpol.

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