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Die Privatautos von Paul Pietsch

Der Fuhrpark des Verlegers

Paul Pietsch, Porträt, Porsche 911 Foto: Archiv 14 Bilder

Paul Pietsch, Rennfahrer, Verleger und Begründer der Motor Presse Stuttgart, wird 100. Viele privat genutzte Automobile begleiteten ihn durch die Jahrzehnte. Sein Sohn Peter-Paul fährt heute den Porsche Turbo seines Vaters und erinnert sich an dessen Fuhrpark der vergangenen 45 Jahre.

20.06.2011 Franz-Peter Hudek Powered by

Hier spürt man noch den alten Porsche-Geist, wenngleich nacktes oder lackiertes Blech inzwischen komplett durch mattschwarzen Kunststoff ersetzt wurde. Dieser Look kam aus dem Rennsport und verhinderte, dass Reflexionen im Cockpit den Piloten blenden. Die niedrige Sitzposition, der freie Blick nach vorn auf die Straße und die beiden Kotflügelenden sowie eine stattliche Instrumentensammlung vermitteln sogar etwas Le-Mans-Gefühl.

Sie machen deutlich, dass wir in einem Porsche 911 von 1976 sitzen, in einem ganz besonderen sogar. Erstens ist das ein Turbo aus der ersten Serie, der mit 260 PS locker 250 km/h lief und damit in die Liga der schnellen Ferrari und Lamborghini aufgestiegen war. Zweitens ist dieser goldene Porsche Turbo, in dem wir rund um Stuttgart unterwegs sind, eines der Lieblingsautos von Rennfahrer und Verlagsgründer Paul Pietsch.

Die Privatautos von Paul Pietsch: Der Fuhrpark des Verlegers 8:08 Min.

Erster Porsche Turbo fährt darf sich nun Oldtimer nennen

Er schätzte an dem Sportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen die hohe Alltagstauglichkeit im Verbund mit sportlichen Fahrleistungen aufgrund eines klugen, gewichtsoptimierten Fahrzeugkonzepts und prophezeite einmal: „Der Turbo wird bei mir noch zum Oldtimer.“ Das ist jetzt passiert.

Am Steuer sitzt Pietschs Sohn Peter-Paul, der den Wagen von seiner Mutter übernommen hat. Gelegentlich fährt er mit dem wie neu dastehenden Prachtstück zur Motor Presse Stuttgart. Dort arbeitet der 57-Jährige als Leiter der Geschäftsbereiche Motorrad und Luftfahrt und ist zudem Mitglied der Geschäftsleitung.

Während des kleinen Trips im Porsche Turbo erzählt Pietsch junior, was er über die Autos seines Vaters noch weiß. Das beginnt naturgemäß erst um 1965. Die bis dahin vom Vater erworbenen Alltagsautos durchlaufen wir daher im Renntempo und beginnen Ende der 20er Jahre mit einem DKW P15. „Den erhielt mein Vater von seiner Mutter geschenkt, damit er nicht mehr mit den gefährlichen Motorrädern unterwegs ist. Da gab es offenbar einige Unfälle“, berichtet Pietsch aus der Familienchronik.

Erstes Auto mit mageren 15 PS

Die schicke Roadster-Karosserie mit Bugatti-gleichem Bootsheck machte viel her, aber unter der imposanten Haube knatterten gerade mal zwei Zylinder und produzierten magere 15 PS. Es folgte daher ein großes viersitziges Cabrio aus dem Vorbesitz der Mutter, ein Horch 20/100 mit Gläser-Karosserie.

Zum Glück war Paul Pietsch nach der Auszahlung seines väterlichen Erbes bereits als Zwanzigjähriger in der Lage, sich seine Auto- Träume im Alleingang zu erfüllen. Das Kapital stammte aus einem einträglichen Bier-Großhandel. Hinzu kam die berufliche Nähe zur Auto Union, bei welcher der junge Rennfahrer 1935 als Werkspilot angestellt war. Bis zum Krieg war Pietsch deshalb stets top und international motorisiert: Packard-Cabrio mit Gläser-Karosserie, Horch 930 V, Ford V8-Limousine und ein damals sehr modernes, kompaktes Adler Trumpf Junior Cabrio. Nach dem Krieg stieg der Gründer von auto motor und sport, wie andere Erfolgsmenschen in der jungen BRD, die Hubraumleiter hoch: Fiat Topolino, VW Käfer, Mercedes 170, Mercedes 220 und ein herrschaftliches Mercedes 300 S Coupé, das 1953 angeschafft wurde und acht Jahre lang im Dienst stand. Fahrbericht Bugatti 35T von 1927.

Porsche überzeugte Paul Pietsch 1951 bei Testfahrt

Den ersten Porsche leistete sich der junge Verleger 1951 nach ausgiebiger Probefahrt – ein 1300 Typ 356 mit 44 PS und 150 km/h Spitze. Das schwarze Coupé war ein Testwagen, in dem Pietsch und seine Mitarbeiter 3.500 Kilometer absolvierten. Sein überzeugendes Fazit: „Das Fahren mit dem Porsche ist für Kenner ein Genuss, man möchte sagen: Endlich einmal ein Fahrzeug mit Rasse und Temperament!“

Es blieb nicht bei diesem einen Porsche. Es folgten ein silberner Super 90, ein brauner 911 S und schließlich der goldfarbene Turbo, in dem wir uns gerade über jene Autos unterhalten, an die sich auch Peter-Paul Pietsch erinnern kann. Zum Beispiel an die vier sportlichen Exoten, welche die grün-weiß-rote Periode seines Vaters bestimmten: nacheinander zwei Iso Rivolta mit bewährter GM-Technik aus der Corvette und im Anschluss zwei 4,4-Liter-Ferrari mit heißblütigen 12-Zylinder-Maschinen, einen 365 GT 2+2 sowie 365 GT/4 2+2 mit kantigem Stufenheck. Die Italiener versahen brav und unspektakulär ihre Fahrdienste – selbstverständlich das ganze Jahr über. Pietsch erinnert sich: „Mein Vater fuhr auch im Winter mit den Ferrari, die er wie auch unseren Porsche Turbo mit Winterreifen ausrüsten ließ. Die Ferrari, die ja sonst nur im Sommer oder im Süden gefahren werden, fielen auf den verschneiten Straßen im Schwarzwald schon etwas auf.“

Ferrari wurde auch im Winter auf Streusalz gefahren

Im Gegensatz zum bereits feuerverzinkten Porsche litt besonders der zweite Ferrari stark unter dem Streusalz und zeigte ziemlich früh rasanten Rostbefall an den Radläufen sowie am Schweller – womit die Ferrari-Episode endete. Dass noch vor den Ferrari zwischen 1966 und 1968 gleich zwei Iso Rivolta im Fuhrpark von Paul Pietsch auftauchten, hatte einen ernsten Hintergrund: Das erste, metallic-silberne V8-Coupé zerstörte Ehefrau Dolores auf einer Autobahnfahrt nach München, als sie wegen eines Reifenplatzers gegen die Leitplanke krachte. Der neue Iso kam in Hellbau und bewies, dass die eleganten Italiener mit der Ami-Technik in der Familie Pietsch trotz Unfall wohl gelitten waren. Turbo, Turbo, Turbo.

Geliebt wurden dagegen die Porsche. Dem goldfarbenen Turbo folgte 1979 das auf 300 PS erstarkte 3,3-Liter-Modell, wieder in Metallic- Gold. Ein Turbo vom Typ 964 aus dem Jahr 1990 war schließlich der letzte schnelle Porsche, der in Neustadt die schwarzweiß karierte Flagge hoch hielt.

Mercedes-Limousinen sorgten für Komfort im Fuhrpark

Für größere Transportaufgaben und längere Reisen warteten im Fuhrpark schwere Mercedes-Limousinen und -Coupés auf ihren Einsatz. Ein resedagrüner Mercedes 450 SEL 6.9 stand deshalb dem ersten Porsche Turbo zur Seite. Der hubraumstarken, 286 PS starken Limousine folgten die Mercedes-Modelle 500 SEL, 500 SEC und 560 SEC sowie schließlich ein majestätischer 600 SEC, womit der einstige Ferrari-Fahrer jetzt wieder mit zwölf Zylindern und immerhin 394 PS unterwegs sein konnte.

Und die Engländer? Bei der Rückschau auf die von Paul Pietsch privat genutzten Automobile fällt auf, dass sich darunter keine Engländer und auch – zumindest nach dem Krieg – keine Amerikaner befanden. Warum ist das so? Frage an den Sohn, der oft während gemeinsamer Schwarzwald-Touren in mitgebrachten Testwagen deren Vor- und Nachteile kennenlernen konnte. Peter-Paul Pietsch meint dazu, die Autos aus England, und dazu zählte auch Jaguar, seien in den Siebzigern qualitativ nicht ganz auf der Höhe der Zeit gewesen. Als es dann damit besser wurde, „hatte sich mein Vater bereits an die Autos aus Zuffenhausen und Sindelfingen gewöhnt“. Und für einen auffallenden Rolls-Royce oder Bentley sei der einstige Rennfahrer einfach nicht der Typ gewesen.

Keine Schwäche für Größe und Fahrverhalten amerikanischer Autos

Mit den Amerikanern verhielt es sich ähnlich. Hier waren es jedoch die schiere Größe und das oft gewöhnungsbedürftige, stark am Komfort orientierte Fahrverhalten, die dem Vater auf der Fahrt von Stuttgart in das im Schwarzwald gelegene Domizil wenig Freude bereitet hätten. Doch es gab eine Ausnahme: „Für den Oldsmobile Toronado mit Frontantrieb und seiner eigenständigen, relativ sachlichen Karosserie hatte sich mein Vater einmal ernsthaft interessiert.“

Spass an der Technik. Damit kommen wir neben den Kriterien Alltagstauglichkeit, Fahrverhalten und Motorleistung zu einer vierten wichtigen Größe, die für Paul Pietsch beim Autokauf wichtig war: die Technik. „Mein Vater wollte immer die neuesten Trends selbst ausprobieren. So war es mit dem ersten Porsche Turbo oder auch mit dem Oldsmobile“, erzählt sein Sohn. Deshalb hatte er sich einmal überlegt, mit dem Motorradfahren wieder anzufangen: „Die Honda-CB-Modelle mit den Reihenvierzylindern, speziell die Miniatur-Ausgaben mit 500 und später 350 Kubikzentimeter, gefielen ihm sehr.“ Doch er vertraute weiterhin lieber auf vier Räder.

Der Hundertjährige, der am 20. Juni seinen Geburtstag feiert, sitzt heute nicht mehr am Steuer. Zurückblickend war der Mercedes 300 S von 1953 sein Lieblingsauto. Damals hörte Paul Pietsch mit dem gefährlichen Rennsport auf, der ihm viele Krankenhausaufenthalte einbrachte. Das 1951 durch eine Fusion entstandene Fachblatt auto motor und sport gedieh dagegen prächtig. So war der Mercedes das Auto einer wichtigen Zeitenwende, an die sich der Verleger immer noch gern erinnert.

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