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Die Schwachstellen des Mercedes W 124

Rostroter Bereich

Mercedes W124, Frontansicht Foto: Manfred Pollnow 16 Bilder

Selbst das Langzeitauto Mercedes W 124 hält nicht ewig. Vor allem jüngere Mercedes ab Baujahr 1992 leiden unter heimtückischem Rostbefall. Marode Hinterachsaufnahmen sind dabei der schlimmste Befund. Ein 220 E offenbart exemplarisch die brisantesten Rostherde.

18.10.2013 Alf Cremers Powered by

Der W 124 wirkt gepflegt. Ein Mercedes 220 E von Juni 1993, noch vor der zweiten Modellpflege mit klassischer Kühlerattrappe statt des sogenannten Plakettengrills, bei dem der Stern à la S-Klasse W 140 etwas unmotiviert aus der Haube wächst. Der Lack glänzt, die Ausstattung imponiert, das Interieur in schwarzem Karostoff strahlt sauber, das Kundendienstheft trägt bis 220.000 Kilometer alle Stempel.

Wasserbasislackschon vor Mopf2

Doch schon vor Mopf 2, wie die letzte Modernisierung des elfjährigen Dauerbrenners W 124 bei Insidern heißt, kam offenbar Wasserbasislack zum Einsatz. Hier im damals sehr modischen Farbton Almandinrot. Dieses damals neue, umweltfreundliche Lackierverfahren zeigt heftige Spätfolgen, die sich nach zehn bis zwölf salzigen Wintern in außergewöhnlichem, aber auch zwiespältigem Rostbefall vieler Karosseriepartien auswirken.

Während die hinteren Radläufe als typische Rostherde älterer Mercedes W 124-Modelle bei unserem Exemplar fast verschont blieben, schlug die braune Pest gnadenlos bei den Türen auf Höhe der Sacco-Bretter, bei den vorderen Kotflügelspitzen und im Bereich von Kofferraumklappe und Heckpartie zu.

Seltsamerweise blieb auch das Stehblech im Motorraum unter dem Waschwasserbehälter vom Rost unberührt. Auch der Sockel der B-Säule am Schweller und die oft angenagten kreisrunden Verstärkungsbleche um die Dämpferbein-Aufhängung und die Schraubenfeder-Aufnahmen waren ohne Befund - sowohl bei der Inspektion vom Motorraum als auch von den vorderen Radhäusern aus.

DOHC-Vierventiler mit 220.000 km läuft einwandfrei

Der Mercedes 220 E fuhr sich erstaunlich gut. Das Fahrwerk straff, die Bremsen zupackend, die Lenkung nahezu spielfrei. Motor und Automatikgetriebe funktionierten bis auf einen defekten Thermostat, der sich über die schlechte Heizwirkung mitteilte, trotz der hohen Laufleistung von 252.000 Kilometer einwandfrei.

Der DOHC-Vierventiler mit 150 PS, von konservativen W 124-Fans gerne verschmäht, lief durchzugsstark, kultiviert und sparsam. Mit Gebrauchtteilen in Almandinrot wurde wegen des gepflegten Zustands eine Reparatur des Mercedes 220 E erwogen. Ob man nun Bremsen, vordere Querlenker und die hinteren Fahrwerksbuchsen der Raumlenkerachse erneuert oder Blechteile ersetzt, bleibt sich vom Arbeitslohn her gleich. Lediglich ein klackendes Rupfen im Bereich der Hinterachse fiel auf, das sich bei forschem Anfahren bemerkbar machte.

Späte W 124 rosten heimtückisch im Verborgenen

Auf der Hebebühne stellte sich dann heraus, dass weder die Hardyscheibe noch ein verschlissener Silentblock der Übeltäter war. Viel schlimmer, die rechte vordere Hinterachsaufnahme war nur noch rostiger Blätterteig - heftig auf Zug beansprucht, führte die Achse ein Eigenleben. Bei der linken Aufnahme war der Unterbodenschutz stark vom Rost unterwandert.

Dennoch waren diese erschreckende Diagnose sowie ein perforierter Vorderachsträger ein Killerkriterium für die Sanierung. Merke: Vor allem späte W 124er rosten gern heimtückisch im Verborgenen. Also kein Kauf ohne genaue Inspektion auf der Hebebühne. Auch wenn der Lack noch so glänzt.

Kampf gegen den Rost

Einen durchgerosteten Vorderachsträger muss man komplett erneuern, er darf nicht geschweißt werden. Harmloser ist ein anderer typischer Rostmangel beim W 124 im vorderen rechten Radhaus. Ohne Werkzeug lässt sich der Waschwasserbehälter rechts im Motorraum rechts anheben, darunter kommt oft Blätterteig zum Vorschein, weil sich bei verstopftem Ablaufloch oder undichtem Innenkotflügel Straßenschmutz einnistet, der stets gut gewässert wird. Punktschweißen mit dem Mig-Mag-Elektroschweißgerät beseitigt den Rostherd nachhaltig. Reparaturstellen anschließend feinschleifen und mit Zinkstaubfarbe streichen, Schutzwachs nicht vergessen. Innenkotflügel korrekt befestigen.

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