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Die Silvretta Classic im Toyota Corolla AE86

Unter Underdogs

Silvretta Classic 2013, Toyota und Skoda, Jens Dralle Foto: Thomas Kurz 15 Bilder

Toyota und Skoda kommt in der Klassiker-Szene ein Stellenwert zu, der irgendwo zwischen freundlicher Toleranz und offener Ignoranz pendelt. Bei der Silvretta Classic erkämpften sich vier Fahrzeuge der beiden Marken mit einer Mischung aus drehzahlreichem Fahrstil und spektakulärer Optik den Jubel der Zuschauer.

09.07.2013 Jens Dralle Powered by

Journalisten-Taxi bei der Rallye Monte Carlo 1984

Giftend spuckt vor uns der Toyota Corolla TE71 blaue Wölkchen aus seinem Auspuffrohr aus, sprotzelnd, bei jedem Gangwechsel. Jörg am Steuer gibt Gas, die VW Samba-Busse und Jaguar E-Types dieser Welt sind gerade nicht da, die Silvretta Hochalpen-Straße dafür umso mehr.

Die Route ist bekannt, schraubt sich übersichtlich auf die Bieler Höhe hinauf. Isolde Holderied auf dem Beifahrersitz stellt daher die Wegpunkt-Ansagen vorrübergehend ein, doktert bereits an der nächsten Wertungsprüfung herum. Unser Corolla AE86 schnorchelt und röhrt zwar nicht ganz so pulsbeschleunigend wie jener der Kollegen, doch der Sound passt schon. Und: Das hinterradgetriebene Coupé kämpfte sich 1984 werbewirksam als Journalisten-Taxi über die Rallye Monte Carlo.

Natürlich kommt es bei einer Klassiker-Rallye erst in zweiter, nein, dritter Linie auf die Geschwindigkeit an, und auch die üblichen Tempolimits gelten weiterhin – an die wir uns strikt halten, natürlich. Doch die beiden Japaner fixen vor allem Kurven an, stecken unter ihrem Blech doch beste Fahrwerkstechnik und ein 45-prozentiges Sperrdifferenzial.

Toyota-Vierzylinder dreht bis 7.200/min

Zugegeben, Leistung quillt nicht gerade aus jeder Fuge des Achtziger-Jahres-Blechs, doch die knapp 160 PS machen im AE86 ganz ordentlich Alarm. Das modifizierte 4A-GE-Triebwerk plärrt wie ein Salon voller Spielautomaten in Tokio, dreht aber gerne bis 7.200/min hoch. Bei den Gleichmäßigkeitsprüfungen verhält es sich dagegen mustergültig ausgeglichen, wie ein moderner Einspritzmotor eben. Verglichen mit den meisten anderen Teilnehmern ist der Vierzylinder eben genau das.

Vitézlav und Frantisek beispielsweise werden von einem 1,3-Liter-Motor terrorisiert, der im Heck ihres Skoda 1000 MB Rallye den Aufstand probt. Aberwitzige 90 PS gewinnen leicht den Kampf gegen 800 Überrollkäfig-bewehrte Kilogramm Lebendgewicht, die beeindruckende Batterie an Zusatzscheinwerfern sorgt vermutlich für guten Grip der Vorderräder.

Frantisek ist begeistert: "Wir sind das erste Mal hier dabei und freuen uns vor allem über die spektakuläre Streckenführung". Die Lautstärke, in der er das in einer Pause erzählt, lässt auf einen nicht zu unterschätzenden Lärmpegel im Innern der Limousine schließen.

1958er Skoda-Flunder mit 92 PS

Josef redet dagegen nicht so viel, was vor allem daran liegt, das sein Englisch und mein Tschechisch noch nicht einmal dazu ausreichen, einen Kaffee zu bestellen. Nikita, sein Co-Pilot aus Russland, plaudert dagegen gerne. Einer von nur zwei jemals hergestellten Fahrzeugen sei ihr Skoda 1100 OHC, 92 PS stark, nur 550 Kilogramm schwer.

Obwohl offen, geht es im Sportwagen wohl ziemlich heiß her. "Der Auspuff verläuft unterhalb des rechten Schwellers, das wird ziemlich warm. Und am Kopf ist es kühl, eine interessante Erfahrung", sagt Nikita. Josef gibt aber schon wieder Gas, und als die beiden davon röhren, wehen seine Haare und der Schnäuzer synchron im Fahrtwind. So geht das nach jeder Zeitkontrolle, die beiden Skoda starten vor uns, legen sich die Fans schon mal zurecht.

Zwei Toyota im Formationsflug

Auf einer Woge von Sympathien für Randgruppen hinfort getragen, toben die Fans noch, wenn die beiden Toyota im Formationsflug die Pässe hochbraten. Auf dem Furkajoch jubelt Isolde: "Das ist ja wie bei der Monte!" Sie muss Höllenqualen leiden auf dem Beifahrersitz, wo sie doch selbst 6 Mal die Damenwertung der Monte gewonnen hat.

Aber gut, ich hatte anstandshalber vorher gefragt, doch sie lehnte ab. Jetzt darf also ich am Dreispeichenlenkrad kurbeln, Servo-frei, versteht sich. Das 1,6-Liter-Triebwerk hat sich über das Gaspedal in meinem rechten großen Zeh festgebissen, will ständig gefordert werden.

Wirklich fordernd dagegen: Die Schalensitze. Ich bin einfach zu fett für einen Rallye-Piloten, vielleicht ist es aber auch Isoldes Rache. Sie rückt sich dagegen lässig in der Schale zurecht, die Stoppuhren im Anschlag, die nächste WP droht. Hoffentlich dauert das nicht zu lange - Jörg und Jürgen sind schon durch, der andere Corolla spuckt schon wieder laut sprotzelnd blaue Wölkchen aus.

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