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Die Skandalurteile der FIA

Foto: dpa

Der Fall Lewis Hamilton beim GP Belgien bewegt noch immer die Gemüter. Wir haben uns die umstrittene Zeitstrafe für den Silberpfeil-Piloten zum Anlass genommen, um noch einmal auf die wichtigsten FIA-Urteile zurückzublicken.

09.09.2008 Michael Schmidt Powered by

Die Strafe von Spa bestimmt auch zwei Tage nach dem Grand Prix immer noch die Schlagzeilen. Hamilton wird vorgeworfen, durch Abkürzen der Bus-Stop-Schikane im Duell mit Kimi Räikkönen einen Vorteil erlangt zu haben. Das ist laut Artikel 30.3 des Sportgesetzes ein Regelverstoß. Die Sportkommissare Nicholas Deschaux (Frankreich), Surinder Thatthi (Kenia) und Yves Bacquelaine (Belgien) stuften den Sieger des GP Belgien um 25 Sekunden und damit um zwei Plätze zurück. Rang drei statt Platz eins für den McLaren-Star. Felipe Massa bekam den Sieg in Spa geschenkt, und Nick Heidfeld rückte auf Platz zwei auf.

Die Experten sind sich einig. Das war ein Skandal. Hamilton hat Räikkönen vorbeigelassen. Er scherte deutlich hinter dem Ferrari wieder ein. Die FIA-Kommissare behaupten: Hamilton ging nicht genug vom Gas. Doch in den Regeln steht nicht, wie viel man vom Gas gehen muss und wann man den Gegner wieder angreifen darf. Das liegt im Ermessensspielraum der Funktionäre, und damit sind der Parteinahme Tür und Tor geöffnet. Die FIA behauptet, anhand von TV-Aufnahmen und Telemetriedaten klar nachweisen zu können, dass Hamilton den Vorteil des Abkürzens nicht vollständig an Räikkönen zurückgegeben habe.

Bei der Urteilsfindung spielte auch FIA-Lobbyist Alan Donnelly eine tragende Rolle. Die rechte Hand von FIA-Präsident Max Mosley ist seit diesem Jahr der Berater der Sportkommissare. Donnelly nahm sich zwei Stunden Zeit, Beweismaterial zu sichten. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Wurde da wieder mal Ferrari ein Geschenk gemacht. Die Strafe für Hamilton ist nicht das erste fragwürdige Urteil der Sportkommissare.

GP Spanien 1976: Sieger James Hunt wird disqualifiziert, weil sein McLaren um 2,5 Zentimeter zu breit ist. Später erhält Hunt seinen Sieg zurück. Die Sportbehörde wandelt die Disqualifikation des McLaren-Fahrers in eine Geldstrafe um.

GP Japan 1989: Alain Prost fährt Ayrton Senna in der Zielschikane ins Auto. Senna bringt seinen havarierten McLaren wieder in Gang, kürzt die Schikane ab, lässt sich an der Box den Frontflügel tauschen und gewinnt noch vor Alessandro Nannini. Ein paar Stunden später ist der Brasilianer seinen Sieg los, und Alain Prost wird dadurch Weltmeister. Dem damaligen FIA-Präsidenten Jean-Marie Balestre wird vorgeworfen für seinen französischen Landsmann Prost Partei ergriffen zu haben. Senna kritisiert die FIA, muss dafür 100.000 Dollar zahlen und sich öffentlich bei Balestre entschuldigen. Sonst hätte ein Lizenzverlust für die kommende Saison gedroht.

GP Japan 1990: Ayrton Senna begeht das Revanchefoul für die Kollision mit Prost im Jahr davor gleich beim Start. Der Brasilianer donnert dem Ferrari von Prost in der ersten Kurve mit 240 km/h ungebremst ins Heck. Der Doppelausfall macht Senna zum Weltmeister. Die FIA reagiert nicht. Senna gibt ein Jahr später zu, dass es Absicht war.

GP England 1994: Michael Schumacher wird disqualifiziert, weil er in der Einführungsrunde regelwidrig überholt und später die schwarze Flagge missachtet. Die Disqualifikation für das Rennen in Silverstone geht in Ordnung. Die zwei Rennen Sperre für Monza und Estoril sind übertrieben. So soll das WM-Duell mit Damon Hill spannend gehalten werden.

GP Belgien 1994: Michael Schumacher bekommt seinen Sieg aberkannt, weil die Bodenplatte seines Benetton zu stark abgenutzt ist. Benetton kann aber nachweisen, dass die starke Abnutzung durch einen Dreher in der Pouhon-Kurve zustande kam.

GP Japan 1997: Jacques Villeneuve wird für das Rennen gesperrt, weil er nach Meinung der Sportkommissare im Training eine gelbe Flagge nicht beachtet hat. Ein abgestelltes Auto am Streckenrand ist der Auslöser. Villeneuve behauptet, er sei vom Gas gegangen. Die Funktionäre sagen: Nicht genug. Außerdem sei Villeneuve ein Wiederholungstäter. Schon in Monza hatte er eine gelbe Flagge missachtet. Der Williams-Pilot nimmt unter Berufung am Rennen teil, wird später aber disqualifiziert. So bleibt das Titelrennen gegen Michael Schumacher offen bis zum Finale in Jerez.

GP Malaysia 1999: Die Ferrari von Sieger Eddie Irvine und Michael Schumacher werden wegen regelwidriger Leitbleche disqualifiziert. Eine Woche später sind die Ferrari-Piloten zurück in der Wertung. Das FIA-Berufungsgericht folgt der Argumentation von Ferrari, die sich auf Toleranzen bei den Bodenblechen der Leitbleche bei der Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln herausreden.

GP Italien 2006: Fernando Alonso wird die schnellste Trainingszeit gestrichen, weil er in der Qualifikation Felipe Massa behindert haben soll. Damit verliert er fünf Startplätze. Doch der Renault-Pilot fährt mit einem Abstand von mindestens 150 Metern vor Massa her.

GP Ungarn 2007: Die FIA-Richter bestrafen Fernando Alonso für eine teaminterne Fehde bei McLaren. Alonso verhindert durch zu langes Parken an der McLaren-Box, dass Teamkollege Lewis Hamilton seinen letzten Qualifikationsversuch innerhalb des Zeitlimits fahren kann. Der Spanier verliert fünf Startplätze. McLaren bekommt keine Punkte für die Teamwertung.

GP Frankreich 2008: Heikki Kovalainen wird fünf Plätze zurückgestuft, weil er Mark Webber in der Qualifikation behindert haben soll. Kovalainen hatte aber keine Chance auszuweichen, da neben ihm Kazuki Nakajima fuhr. Webber kam trotzdem eine Runde im K.O.-System weiter.

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