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Die Söhne deutscher Rennfahrerdynastien

In den Fußstapfen von Abt, Ludwig und Stuck

F3-Serie, Macao, Finale, Daniel Abt Foto: sportauto 9 Bilder

Die nächste Generation einst so bekannter Namen wie Stuck, Ludwig oder Abt steht in der Startaufstellung. Doch nicht immer sind bekannte Nachnamen hilfreich für den Nachwuchs - eine Geschichte über die Söhne des deutschen Rennsportadels.

06.09.2011 Bianca Leppert Powered by

Adel verpflichtet, besagt eine bekannte deutsche Redewendung. Luca Ludwig, Johannes Stuck und Daniel Abt tragen zwar kein Von und Zu im Namen, gehören aber zum hohen deutschen Rennfahrer-Adel. Die Crux mit der Verpflichtung kennen sie daher nur zu gut. Alle drei stammen aus Familien, die es im deutschen Motorsport zu etwas gebracht haben: Luca Ludwigs Vater Klaus wurde nach seinen DTM-Titeln und drei Le-Mans-Siegen nur noch König Ludwig genannt.

Hans-Joachim Stuck - Sohn des Bergkönigs Hans Stuck - war nicht nur DTM-Meister, sondern startete sogar in der Königsklasse Formel 1. Die Abt-Familie blickt seit drei Generationen auf Erfolge im Rennsport zurück. Die unzähligen verstaubten Pokale in den Wohnzimmer-Vitrinen sind eine Bürde, die für die jüngste Generation nicht immer leicht zu tragen ist. Als Luca Ludwig bei seinem ersten ADAC GT Masters Rennen im April 2009 mit seinem Teamkollegen Marc Hennerici auf Anhieb beide Rennen gewann, wurde er zum Held.

Mit dem Namen Ludwig kommt der Druck von ganz allein

Denn der junge Ludwig war noch völlig grün hinter den Ohren. Seine Rennstrecken-Erfahrung beschränkte sich auf ein paar VLN-Rennen auf einem BMW 335d gemeinsam mit seinem Vater. Die Mehrheit feierte ihn als neues Naturtalent, der die Gene seines Vaters geerbt haben musste. „Die Reaktion war wirklich gewaltig“, erinnert sich Luca. "Noch heute wundern sich die Leute." Ludwig fiel nach diesem Rennen ein großer Wackerstein vom Herzen.

Mit dem Namen Ludwig auf der Seitenscheibe muss niemand mehr Druck machen - der entsteht von allein. So, wie sich auch die Neider plötzlich meldeten: Kaum Erfahrung, aber auf Anhieb zwei Rennen gewinnen - da muss doch was faul sein? Es war nichts faul. Luca bekam nicht wie andere mit drei Jahren das erste selbstgebaute Kart vom Herrn Papa vor die Tür gestellt. Denn der konzentrierte sich noch auf seine eigene Rennkarriere. Den Weg in den Motorsport musste sich der Ludwig-Sprössling weitestgehend selbst ebnen. Erst mit 20 Jahren kam er auf die Idee, doch mal in den Job seines Vaters reinzuschnuppern.

Name allein macht noch keinen Rennfahrer

Vorher war ihm die Schule wichtiger. Dass der amtierende deutsche GT3-Meister entgegen des üblichen Trends seinen Motorsport-Einstieg als Senior bewerkstelligt hat, ist aber nicht allein seinem Namen zuzuschreiben. Natürlich hat ihm der Nachname die eine oder andere Tür geöffnet. Der Jura-Student legt jedoch großen Wert darauf, dass er sich um seine Sponsoren selbst kümmert. Sponsored by Daddy gilt nicht. 

Beim Einstieg hat ein Förderer mit der nötigen Finanzspritze nachgeholfen, heute unterstützt ihn auch sein Team Abt Sportsline. "Letztlich ist das Geld entscheidend", sagt Ludwig Junior. "Man bekommt durch seinen Namen vielleicht mehr Aufmerksamkeit und mehr Kontakte, aber der Name allein überzeugt nicht - sondern nur die Leistung." Die Medien vergleichen den 22-Jährigen gern mit seinem prominenten Vater. Auch wenn die Frisur tatsächlich erschreckend ähnlich ist, so mag der Junior diese Fragen gar nicht.

Fußball oder Motorsport?

"Mein Vater hat sowieso den Kürzeren gezogen", lacht Ludwig. "Denn er hat länger gebraucht, bis er seinen ersten Titel eingefahren hat. Doch der Vergleich hinkt, denn man kann die 70er oder 80er Jahre nicht mit der heutigen Zeit vergleichen." Johannes Stuck kennt die Vergleiche mit dem alten Herrn nur zu gut. Der ältere der beiden Söhne von Hans-Joachim Stuck kämpft seit Beginn seiner Motorsportkarriere damit, dass der Name seines Vaters spätestens im zweiten Satz fällt.

"Mir war aber immer klar, dass ich nicht der Striezel bin, sondern der Johannes. Ich habe meinen eigenen Kopf." Wie Ludwig war Stuck Junior ebenfalls ein Spätzünder in Sachen Motorsport. Er frönte zunächst dem Fußball. Sogar ein Fußballinternat in Parma stand zur Debatte. Doch erstens kommt es immer anders, und zweitens als man denkt. Johannes' Interesse für Motorsport war vor seiner ersten Saison im VW Lupo Cup in etwa so groß wie für Wasserballett.

Rennsport macht Johannes Stuck süchtig

Aber der damals 16-Jährige wollte es trotzdem ausprobieren - und kam wie die meisten nicht mehr davon los. "Vor meinem ersten Rennen war ich so aufgeregt, dass ich beim Vorstart nochmal aufs Dixie-Klo musste. Ich habe nur noch gehört wie die anderen schon losgefahren sind und bin hinterhergewetzt." Auch Rennfahrer mit dem Nachnamen Stuck sind eben nicht perfekt. "Nach der ersten Saison war ich froh, als es vorbei war", meint Johannes Stuck, fasst sich grübelnd ans Kinn, um grinsend nachzusetzen: "Aber zwei Tage später wollte ich unbedingt wieder im Rennauto sitzen."

Dass er es mit seinem Nachnamen Stuck ein wenig leichter hat als andere, weiß Johannes. Er ist sich wie Luca Ludwig jedoch bewusst, dass die Leistung zählt, wenn das Visier erst einmal heruntergeklappt ist. „Der Nachname öffnet Türen“, meint Johannes. "Aber es ist wurscht, ob du Stuck, Hinz oder Kunz heißt. Wenn du zu schlecht bist, schmeißen sie dich sowieso raus." Der Fallstrick: Ein Stuck, Ludwig oder Abt darf nicht schlecht abschneiden. Tut er es doch, ist die Häme im Fahrerlager noch viel größer.

Stuck macht Platz fünf bei den 24-Stunden

"Der größte Fluch ist, dass viele Leute denken, es ginge bei mir von selbst. Es sei alles programmiert und Papa macht schon. Dem ist aber nicht so. Ich muss mir alles selbst erkämpfen. Und ich bekomme keinen Sponsor, nur weil ich Ludwig heiße." Deshalb beobachtete Johannes seinen Karriereverlauf stets selbstkritisch. Vom Lupo stieg er in den Polo Cup auf und bestritt anschließend die Mini Challenge. Doch irgendwann musste der Schritt vom Spielzeugauto in einen echten Rennwagen folgen.

2006 war es so weit. Mit Schubert holte er auf einem BMW 120d den Klassensieg und den fünften Gesamtplatz beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring.  "Für diese Leistung wurde ich von allen Seiten gelobt. Und von da an wusste ich, dass ich in diesem Sport nicht fehl am Platz bin." Ob er mit diesem Sport auch seine Brötchen verdienen kann, soll sich in diesem Jahr zeigen. "Es wird ein Entscheidungsjahr", prophezeit Johannes.

Bei Misserfolgen wird der Helm an den Nagel gehängt

Wenn er mit seinem Bruder in der ADAC GT Masters Serie die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht, will sich der BWL-Student auf seine berufliche Karriere konzentrieren und das Cockpit räumen. „Es ist egal wie du heißt“, sagt Johannes. „Man wird eben nicht mit Helm und Anzug geboren.“ Bei Daniel Abt könnte man diesen Eindruck allerdings gewinnen. Der Sohn von DTM-Teamchef Hans-Jürgen Abt und Neffe von STW-Champion Christian Abt saß schon von klein auf im Go-Kart und durchlief das klassische Rennfahrer-Bootcamp.

Die Lust aufs Rennen fahren kam aber ganz von selbst, beteuert Daniel: „Mein Vater hat mich nicht dazu gedrängt.“ Das Küken sollte seinen eigenen Weg gehen. Spätestens beim Formel 3-Weltfinale in Macau Ende 2010 zeigte Daniel, dass er diesen Weg sehr weit gegangen ist. Im hochkarätigen internationalen Feld belegte er den dritten Platz im Samstagsrennen. Am Sonntag griff er sogar nach dem Sieg, faltete sein Auto aber nach einem Fahrfehler in die Leitplanken.

Der Name Abt bringt hauptsächlich Vorteile

Bei den Experten verschaffte er sich mit seiner Macau-Vorstellung jede Menge Respekt. Respekt, den er sich hart erarbeiten musste. Ständig wird er mit seinem bekannten Nachnamen konfrontiert. „In meinem ersten Formeljahr haben sich einige gedacht, der fährt nur wegen seines Namens. Das spürt man“, sagt Daniel. „Das war schon im Kartsport so.“

Daniel Abt musste sich erst von den Vorurteilen der anderen frei fahren. "Wenn die Erfolge stimmen, bekommst du Anerkennung. Ich musste mir mit meinen Erfolgen erarbeiten, dass man nicht nur den Namen Abt kennt, sondern auch meinen Vornamen Daniel." Mittlerweile sieht er die Bürde mit dem Nachnamen lockerer. Der Fachabiturient ist reifer und gelassener geworden. Seine Erfolge gaben ihm Selbstvertrauen. "Ich denke, die Vorteile des Namens überwiegen", fasst Daniel zusammen.

Keine Förderungen für Ludwig und Stuck - Abt mit starker Persönlichkeit

Die sieht er vor allem als Türöffner bei Sponsoren und den Kontakten der Firma. Sein Onkel Christian gab ihm am Anfang seiner Karriere Tipps oder setzte sich selbst bei Testfahrten ins Auto, um den Youngster voranzubringen. Harry Unflath, der dem Abt-DTM-Team Sponsoren beschafft, betreut ihn als Manager. Auch in der ADAC Formel Masters profitierte Daniel vom vertrauten Umfeld und der Rückendeckung im eigenen Familienteam. Zwar beschwor diese Konstellation wieder zweifelnde Stimmen, doch erstens holte Abt 2009 souverän den Titel, und zweitens fuhr er im Folgejahr im Formel 3-Cup bei einem fremden Team - und errang auf Anhieb den Vize-Titel. Leistung schlägt dummes Gerede.

Das unterstrich er mit dem Gewinn des Förderprogramms der Deutschen Post Speed Academy. Hier müssen sich Nachwuchsrennfahrer nicht nur auf der Piste beweisen, sondern auch im Umgang mit den Medien und als starke Persönlichkeit beeindrucken. Allerdings kann Daniel Abt von Glück reden, dass seine Verwandtschaft nicht in der Jury sitzt. Johannes Stuck oder Luca Ludwig geht es da anders - ihre Väter sind Jurymitglieder. Ein Fluch, der ihnen eine von wenigen Fördermöglichkeiten im deutschen Motorsport versperrt - aufgrund ihrer bekannten Väter.

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