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Dieter Zetsche

"Spüren Trendwende"

Foto: Daimler-Chrysler

Chrysler-Chef Dieter Zetsche äußert sich im Interview mit auto motor und sport über Produktivität, Rabatte und Rücktritt.

23.09.2003

In Kürze kommen mit dem Chrysler 300C und dem Sportstourer Dodge Magnum zwei Upperclass-Modelle auf den Markt, die mit neuem Styling und Abkehr vom Frontantrieb die Trendwende bei Chrysler einleiten sollen. Machen Sie jetzt Mercedes Konkurrenz?

Zetsche: Wir wollen und müssen überzeugende Produkte
bringen, und wir nutzen die Kompetenz des großen Konzerns. Aber es geht nicht darum, nur auf Teiletausch zurückzugreifen, vielmehr bedienen wir uns beim Knowhow: In Sachen Heckantrieb hat Mercedes eine über 100-jährige Erfolgsgeschichte.

Nachholbedarf wird Chrysler auch bei der Produktivität nachgesagt.

Zetsche: Wir hatten zwar die rote Laterne, sind aber jetzt
mit einem hohen Tempo unterwegs. 2007 werden wir dort stehen, wo jetzt der Beste steht. Und das ist derzeit Nissan. Bis dahin werden wir auch die Auto-Produktionszeit auf unter 30 Stunden gedrückt haben. Jetzt sind wir bei 37.

Wie verträgt es sich mit dem Qualitätsanspruch, wenn Entwicklungszeit und -aufwand im Verhältnis pro Auto weiter reduziert werden?

Zetsche: Wir waren ja bisher im internationalen Vergleich nicht schlecht, aber wir haben uns Ziele gesetzt, deutlich effektiver zu werden. Das ist schon daran zu erkennen, dass wir unserer Modellpalette sieben weitere Neuheiten hinzugefügt und zugleich das Budget konstant gehalten haben.

Toyota hat im August erstmals beim Marktanteil Chrysler in den USA überholt. Das kann man doch bei der Offensivkraft Toyotas als Menetekel ansehen.

Zetsche: Im gesamten Jahr liegt Chrysler mit einem Vorsprung
von rund 15 Prozent vorne - Daimler-Chrysler als Konzern erst recht. Aber ich verstehe, dass man einem solchen Umstand leicht etwas Symbolhaftes anhängen kann und dass er gut für Schlagzeilen taugt. Größe ist nicht der entscheidende Faktor. Das zeigt ja auch, dass Größere nicht unbedingt erfolgreicher sein müssen. Wir wollen nicht durch noch mehr Incentives und Marktanteilskauf mehr Volumen schaffen, sondern durch überzeugende Produkte für profitables Wachstum sorgen. Und da sind wir im nächsten Jahr mit unseren neuen Produkten auf einem sehr guten Weg.

Rechnet man auf jeden verkauften Chrysler einen Rabatt von 1.000 Dollar drauf, macht das im Jahr einen gigantischen Minderertrag von 2,5 Milliarden Dollar aus.

Zetsche: Wären es nur 1.000 Dollar, wären wir profitabler als jedes andere Autounternehmen auf der Welt. Die tatsächlichen Zahlen liegen leider deutlich darüber ...

... im Durchschnitt weit über 4.000 Dollar ...

Zetsche: So ungefähr. Als entscheidendes Maß muss man
sich die Veränderungen über die Jahre ansehen. Der Kern des Problems ist, dass die Nettopreise deutlich zurückgehen. Wir haben unsere Kosten signifikant reduziert, aber die Erosionen im Markt sind so heftig, dass sie das heutige Geschäftsumfeld verursacht haben.

Chrysler offeriert aber ständig neue Formen von Nachlässen.

Zetsche: Es kann doch gar nicht um die Frage gehen: Incentives
ja oder nein. Es wird keine Welt mehr ohne Incentives geben, auch in Europa nicht. Hier werden sie nur anders genannt. Es geht immer nur um die Größenordnung. Und dabei muss man sich Produkt für Produkt ansehen. Ein Auto am Ende seines Lebenszyklus kann im Wettbewerb ohne Incentives nicht mehr bestehen. Und bei neuen Produkten hat man mit geringeren Incentives wenigstens die Möglichkeit, im Markt zu bestehen.

Haut die Rabatt-Inflation nicht bei den Leasing-Rücklckläufern die gesamten Restwerte zusammen?

Zetsche: Die Incentive-Politik ist für die Restwerte alles andere
als förderlich. Aber wir bei Chrysler haben in den letzten Monaten eine Trendumkehr zu verzeichnen. Wir spüren das besonders bei neuen Modellen wie dem Pacifica und dem Crossfire, mit denen wir unlängst auf den Markt kamen.

Wäre es nicht überlegenswert, dass Chrysler im Land der Light Trucks ganz auf die Herstellung von Personenwagen verzichtet und nur noch das Truck-Programm ausbaut?

Zetsche: Das ist keine Strategie für uns. Gerade das Pkw-Angebot hat bei Chrysler eine lange Tradition, und außerdem leistet es einen Deckungsbeitrag für die Fixkosten. Der Wettbewerb bei den Light Trucks wird wahrscheinlich genau so intensiv werden wie bei den Pkw. Unsere Strategie kann nicht Rückzug bedeuten, sondern Offensive.

Obgleich die Perspektiven auf dem amerikanischen Markt nicht sonderlich ermutigend sind, hoffen Sie immer noch für dieses Jahr auf "einen leichten Gewinn". Wenn Ihnen das trotz allem nicht gelingt, treten Sie dann zurück?

Zetsche: Ich habe viel Freude an den Erfolgen, die wir erzielt haben. Ich habe aber auch Stehvermögen, um Rückschläge einstecken zu können. Wenn man am Ende dann doch erfolgreich ist, wird die Befriedigung umso größer sein.

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