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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Alles über Fehler suchende Krautköpfe

Ralley Monte Carlo, Walter Röhrl Foto: Michael Orth, McKlein 39 Bilder

Er ist wieder da: Der Walter Röhrl, der kein Blatt von den Mund nimmt, der seine Meinung klar und ohne Diplomatie-Fesseln äußert: „Ein Fahrer entscheidet auf der Strecke in einer Hundertstelsekunde, was er macht. Und dann sitzen da hinterher ein paar Krautköpfe und suchen stundenlang nach irgendwelchen Fehlern.“

02.08.2013 Dirk Johae Powered by

In diesem Fall sind die „Krautköpfe“, die Sportkommissare des DTM-Rennens in Nürnberg. Sie hatten den schnellsten Fahrer disqualifiziert, weil sein Vater ihn nach dem Rennen noch im Parc Fermé mit Wasser übergossen hat. Warum Mathias Ekström ausgeschlossen wurde und dieser Ausschluss auch nach der Berufung Bestand hat, können Sie bei den Kollegen von auto motor und sport nachlesen.

Und egal, ob Walter Röhrl in diesem Fall Ihrer Meinung nach Recht hat, oder nicht: Er äußerte eine klare Haltung. Endlich traut sich mal einer, steckt seinen Kopf aus der allgegenwärtigen, benebelnden Chill-Cloud und bringt seine Meinung auf den Punkt: „Das ist unverhältnismäßig und Irrsinn.“ Viel zu lange schon weht der Kochdunst aus den Kohl-Küchen über die Rennstrecken, und das weltweit. Nehmen wir nur als Beispiel das gefährliche Reifen-Pokern in der Formel 1, aber auch das bemühte Ableiern von staubtrockenen Statistikdaten von Sportkommentatoren.

Kohliger Marketing-Mief weht durch alle Bereiche der unserer Welt

Aber, und jetzt wird es für die Nicht-Motorsportler unter Ihnen wieder interessant, der kohlige Marketing-Mief weht durch alle Bereiche der unserer Welt. Immer weniger haben den Mut zu einer eigenen Meinung. Einer, der sich das wie Walter Röhrl noch traut, ist einer unserer Fotografen, nennen wir ihn Hansi Mayer. Fahrten von und zu den Terminen wie zuletzt zur Ennstal Classic geben oft Gelegenheit zu eifrigen, kontroversen und manchmal auch anstrengenden Diskussionen: „Ein Auto muss nicht unbedingt schön sein,“, meint Hansi. „Aber das Design muss eine klare Aussage haben.“ Eine klare Aussage: Und schon sind wir mittendrin in der Debatte über den Bangle-7er von BMW, die erste Serie des Fiat Multipla „Nuova“, das Rücklichtdesign von VW, das zur Charakterlosigkeit glatt gezogene Außendesign der zweiten Cayenne-Baureihe, das wir gerade vor uns besichtigen können.

Eine klare Aussage: Wie Röhrls Kritik rütteln mich Hansis deutliche Worte aus dem tiefen Plüschsofa der ausgewogenen Meinungen. Warum werden Meinungen heute so lange abgeschliffen, bis sie als kleine und glattpolierte Kieselsteinchen ins Tal der beliebigen Meinungen kullern? Weil wir für ein klares Wort zurechtgewiesen werden oder anderen auf die Füße treten? Weil sie den Geschäftsbetrieb stören? „Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen, und kein Opernhaus“, äußerte Springer-CEO Matthias Döpfner.

Klare Aussagen nur willkommen, wenn sie Quote bringen

Klare Aussagen sind nur noch willkommen, wenn sie der Quote oder der Auflage, also allein dem wirtschaftlichen Erfolg nutzen - da aber auch gnadenlos. So waren Röhrls Aussagen ein gefundenes Fressen für „Bild“, die den zweifachen Weltmeister zum Geschehen in Nürnberg zitierte. Dem Boulevardblatt geht es ausschließlich ums Geschäft, nicht um die Sache. Auch so eine Unverhältnismäßigkeit unserer Tage: Eine Meinung muss ihre Funktion erfüllen wie zum Beispiel ein Rennwagen. Auch der Begriff des „Krautkopfs“ hat diese Aufgabe erfüllt.

Walter Röhrl soll jedenfalls einen Anruf von seinem ehemaligen Fahrerkollegen Hans-Joachim Stuck in dessen Funktion als Vorsitzender des Deutschen Motor Sport Bundes bekommen haben. Den Inhalt kann man sich denken. Dabei hatte Stuck beim Goodwood Festival of Speed noch von der Zeit „mit Walter“ geschwärmt, als die beiden es im Rundstrecken-Quattro den „anderen so richtig gegeben haben“. So schnell ändern sich die Zeiten.

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