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Dirk Johaes Klassiker-Blog

“Bar Parco”

Mille Miglia Café Foto: Dirk Johae 39 Bilder

"Bar Parco" ist ein kleines Café in Brescia, dem Start-und-Ziel-Ort der Mille Miglia, an der Via Rebuffone in Brescia. Am Tag des Mille Miglia-Starts hört man dort aus der Ferne das "Test, Test, uno due tre..." von der Tonprobe an der Startrampe in der Viale Venezia.

07.06.2013 Dirk Johae Powered by

Bei einem Espresso für einen schlanken Euro kann man sich dort in der ruhigen Zeit zwischen der Abnahme in der Stadt und dem Start zurücklehnen, um über die Dinge des Lebens zu sinnieren: Ein Zufluchtsort, nah genug dran am Geschehen, aber weit genug weg, um dem Trubel zumindest für ein paar Minuten zu entfliehen. Genau aus diesem Gefühl heraus entstehen die Blogtexte: Geschichten von unterwegs, interessanten Menschen und spannenden Autos, betrachtet abseits und mit Abstand von der Heftproduktion und jenseits aller Formate - wie bei einem gerade abgeschalteten Motor, der beim Abkühlen noch so schön knistert.

"Was fährst Du" ist eine der häufigsten fragen

"Bar Parco" kenne ich seit meiner ersten Mille Miglia im Jahr 1995. Damals war ich ein junger Fernsehredakteur und versuchte, drei Kamerateams zu dirigieren, um am Ende einen Film für das Magazin "Faszination Oldtimer" zu erstellen. Seit dieser Zeit habe ich die berühmteste Oldtimerrallye der Welt verfolgt, mal aus der Nähe, mal aus der Ferne.

Im letzten Jahr durfte ich die Mille Miglia zum ersten Mal selbst fahren. Ich war näher dran, als je zuvor. Unser Leser Andreas Buchner, mein Beifahrer im letzten Jahr, ist übrigens ein Jahr nach unserer Fahrt im rechtsgelenkten BMW 328 immer noch völlig begeistert. Sein Enthusiasmus macht die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

In diesem Jahr musste ich alle enttäuschen, die mich nach meinem Auto für die Mille Miglia gefragt haben: "Was fährst Du?" - Nichts, ich bin als Reporter dabei, habe ich geantwortet. Mein Plan, mit einem DKW 3=6 von Audi Tradition zu starten, hatte sich zerschlagen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ist, mit einer verhältnismäßig leistungsschwachen Limousine die Tausend Meilen zu bestreiten. Eine echte Herausforderung muss das sein, mit wenig PS weit hinten im Starterfeld zurechtzukommen.

Deutsches mit Goliath GP700 am Start

In den 50er Jahren bildeten die Tourenwagen-Teams die größte Gruppe im Starterfeld. Da gab mir ein Kollege den Tipp, dass ein deutsches Team mit einem Goliath GP700 ausrücken würde. Man muss eben auch Glück haben: Ein kleines Auto, weiter hinten im Starterfeld und zwei nette Teilnehmer, wie sich in Brescia herausstellte. So kam die Geschichte vom Goliath und seinen beiden Mille-"Davids" Robb Horton und Heinz Gerngross in die aktuelle Ausgabe von Motor Klassik.

Aber ein wenig ungewohnt war es schon, etwas abseits in der Bar Parco zu sitzen und nicht mitten im Trubel des Teilnehmer-Essens im Mille-Miglia-Museum stehen. "Was fährst Du?" - so als wäre es ganz selbstverständlich, in einem der 415 Autos zu sitzen. Bin ich jetzt ein schlechter Redakteur? Schreibe eine schlechtere Geschichte? Es ist eine andere Geschichte, die den kleinen Autos gewidmet ist, den heimlichen Stars jeder Mille Miglia. Als ich 1995 zum ersten Mal dabei war, bekam eine Iso Isetta entlang der Strecke den meisten Applaus. Vielleicht wäre das eine Idee für 2014: die Mille mit einer Isetta fahren...

Veranstalter will kein "Spielzeug für Reiche"

Den neuen Veranstaltern würde das wahrscheinlich sehr gefallen: "Wir wollen verhindern, dass die Mille Miglia zum netten Spielzeug für Reiche wird", hat mir Marco Makaus erzählt. Er ist als Geschäftsführer bei die Mille Miglia verantwortlich und betont: „Die Mille Miglia gehört weder mir, noch Ihnen oder allein jemand anderem: Sie gehört der Allgemeinheit."

So wie auch der Nürburgring mit seiner Tradition der Allgemeinheit gehört, und hoffentlich nicht künftig einem Privatinvestor, der den Ring zu seinem privaten Spielplatz macht. Beim Layouten einer Geschichte haben wir kürzlich ein Bild von Willi Bergmeisters VW Scirocco aus der Saison 1975 in die engere Auswahl genommen, welches ihn an der Box des Nürburgrings zeigt. "Kennst Du eigentlich noch den alten Ring, warst Du damals mal dort?", fragte Raoul Rainer. Ich brauchte nur zu nicken:"Da beneide ich Dich", antwortete er.

Der gute alte Ring

An 1976 erinnere ich mich besonders gut: Beim Freitagstraining zum deutschen Grand Prix habe die sensationellen Autos wie den sechsrädrigen Tyrrell oder die Ferraris von Niki Lauda und Clay Regazzoni gesehen, stand auf dem Hügel am Ende der Start-Ziel-Geraden und versuchte auf der gegenüberliegenden Seite in der Boxengasse den rot-weiß-gestreiften Helm von Rolf Stommelen auszumachen. Dann Umzug an die lange Rechtskurve vor dem Pflanzgarten, wo Hans-Joachim Stuck im Jägermeister-March so schön driftete wie kein anderer.

Als ich damals an dem Zaun nur wenige Meter von der Strecke entfernt stand, hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich nicht nur regelmäßiger Zaungast am Nürburgring werde, sondern später einmal bis in die Schaltzentralen wie Startaufstellung, Boxen oder Rennleitung vordringen darf. Was ist das für eine interessante und vielschichtige Welt voller Geschichten!

So, jetzt müssen wir aber los - wir sollten rund eine Stunde vor dem Start am Fotografenplatz sein, um eine gute Position zu haben. Dann bis nächste Woche.

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