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Dirk Johaes Klassiker-Blog

"Diese Autos werden uns überleben"

Dirk Johae Blog, Bar Parco, Mille Miglia Foto: Hans-Peter Seufert 10 Bilder

"Zur Mille Miglia sage ich nichts, das ist selbsterklärend", dachte ich. Aber dann habe ich einige Reaktionen gelesen und mich über die Scheinheiligkeit mancher Mille-Kritiker geärgert.

23.05.2014 Dirk Johae Powered by

Aufhänger ist der schwere Unfall der beiden Sixt-Söhne, die mit ihrem Mercedes-Benz 300 SL bei Viterbo auf der dritten Etappe der Mille Miglia von Rom nach Bologna mit einem entgegenkommenden Auto einer unbeteiligten Italienerin zusammengestoßen sind.

Unter dem Deckmäntelchen

Mit dem Problem, dass Teilnehmer Regeln ignorieren und das Deckmäntelchen "Oldtimerrallye" zum Rasen nutzen, haben einige Veranstalter zu kämpfen. Das gibt es nicht nur bei der Mille Miglia und nicht erst seit letzter Woche. In der Szene ist bekannt, welche Fahrer zum Kreis der Auffälligen gehören.

Ein Veranstalter hat letztlich nur eine Möglichkeit zu reagieren, falls Worte nicht helfen: der Ausschluss auffälliger Fahrer und künftig die Ablehnung der Nennung.

Sachsen statt Mille

Ich habe mir in diesem Jahr die Mille Miglia gespart und bin stattdessen nach Sachsen gefahren. Richtig erfrischend fand ich den Besuch bei der 1.  ADAC Sachsenring Classic: Motorsport der Abteilung "bodenständig" und eine lebendige Geschichtstour durch den Automobilsport der DDR. Das hat richtig Spaß gemacht.  Vielen Dank an die Fahrer wie zum Beispiel die Ex-Meister Heinz Siegert, Heiner Lindner, Helga Heinrich oder Sprecherlegende Lutz Weidlich für ihre schönen Geschichten. Ein paar davon beschreibe ich in der Motor Klassik-Ausgabe 9.

Leider konnte Ellen Lohr auf dem Sachsenring nicht ihre Mercedes-C-Klasse aus der DTM-Saison 1994 fahren: Beim Restaurieren wurde der Sicherheitsschaum im Tank nicht ausgetauscht. Wenn dieses Material altert, löst es sich auf und verstopft die Benzinleitung. Zum Glück lief das silberne DTM-Auto wenigstens am Trainingstag mit dem Besitzer am Steuer, so dass ich den Klang des hochdrehenden V6-Motors noch einmal hören konnte. Das erinnert mich an das Jahr, als ich bei Wige mein Volontariat absolviert habe und unter anderem von der DTM berichten durfte. Damals wurde Ellen Lohrs Teamkollege Klaus Ludwig Meister mit dem Klasse-1-Mercedes.

Ellen Lohr schwärmte

"Ich wäre das Auto so gerne nochmal gefahren", sagte Ellen Lohr und fügte an: "Aber das Team hat mir versprochen, dass ich bei einer anderen Gelegenheit fahren darf." Dann strahlte sie über das ganze Gesicht und schwärmte von ihrem 20 Jahre alten DTM-Auto: "Ein Rennmotor mit 12.000 Umdrehungen".  Rundenzeiten, Höchstgeschwindigkeiten oder die Performance sind von historischen Rennautos sind selbst für Fahrerprofis zweitrangig.

Auch unter den historischen Rennpiloten, die bei den prestigeträchtigen Rennen in Monaco oder Goodwood um die Spitzenplätze kämpfen, gibt es einsichtige Teilnehmer wie Paddins Dowling zum Beispiel. Mit seinem ERA Type B von 1936 zählt er zu den schnellsten Piloten in den archaischen Monoposto der 30er Jahre: "Wir glauben, dass wir Helden sind. Aber das sind wir nicht", sagt Dowling und schickt gleich hinterher: "Diese Autos werden uns überleben." Na ja, die meisten zumindest.

"Bar Parco" heißt mein wöchentlicher Blog. Die Bar gibt es tatsächlich. Sie ist in der in der Mille Miglia-Stadt Brescia zu finden und liegt an der Via Rebuffone unweit der Start- und Zielrampe an der Viale Venezia. An jedem Freitag stelle ich mir vor, dort zur Einstimmung ins Wochenende einen Espresso zu trinken.

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