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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Ein Enkelkind und die Porsche-Ursuppe

Porsche und Erwin Komenda Foto: Porsche AG 12 Bilder

Es wird Sie nicht überraschen, dass ich Pressekonferenzen langweilig finde, eine reine Zeitverschwendung, zumindest die PKs für Autojournalisten. Aber wenn man von der Redaktion geschickt wird, geht man halt hin. Am Dienstag habe ich auf diese Weise Frau Dr. Iris Steineck besucht. Ich kannte sie schon aus der Samstagsausgabe einer großen Stuttgarter Zeitung. Sie ist die Enkelin von Erwin Komenda, der von 1931 bis 1966 als Karosseriekonstrukteur für Porsche gearbeitet hat.

24.10.2014 Dirk Johae Powered by

Die Ärztin aus Wien hat als Vertreterin ihres Großvaters an die Porsche AG geschrieben. Ihr Opa sei der geistige Schöpfer der "Porsche-Linie“, der "Porsche DNA“, der VW-Käfer/New Beetle-Linie und des Porsche Wappens: "Nach dem deutschen Urheberrecht steht dem persönlichen Schöpfer eines Werkes das Urheberrecht zu“, meint Frau Dr. Steineck in ihrem Brief vom 24. September.

"Wer erfand den Porsche?"

Ja, Sie und ich denken gerade das Gleiche, vermute ich. Im Gegensatz zu Ihnen saß ich aber in dieser Pressekonferenz, zu der die Komenda-Enkelin eine ganze Heerschar von Journalisten in ein kleines Zimmer eines Stuttgarter Hotels gelockt hat: "Ich habe weitere Fakten zusammengetragen, über die ich Sie persönlich informieren möchte“, lautete ihr Versprechen in der Einladung. Dass die Pressekonferenz von jenem freien Mitarbeiter der Stuttgarter Zeitung moderiert wurde, der zur Rettung von Erwin Komedas Ehre eine ganze Seite auf der Wirtschaftsseite plus den Aufmacher ("Wer erfand den Porsche?“) bekam, ist ein Detail am Rande.

Also: Es gibt keine Neuigkeiten, die Minuten verrinnen und am Schreibtisch in der Redaktion warten Texte auf ihre Fertigstellung. Da habe ich angefangen, der Dame ein paar Fragen zu stellen, etwa die naheliegende nach dem Arbeitsvertrag ihres Großvaters und den darin festgehaltenen Vereinbarungen. Sie habe keinen Vertrag, habe ihn auch nicht von Porsche angefordert. Dann entgegnet sie: "Das ist aber auch nicht so wichtig!“ Vielmehr sei das Werk ihres Großvaters (die Porsche-Linie usw.) längst Kulturgut und Kunst, wofür andere Regelungen gelten. Auch Einwürfe wie den Hinweis auf Teamwork bei Porsche, auf eine ganze Gruppe von Mitarbeitern, die die Autos entwickelt haben, lässt sie nicht gelten.

In einer Reihe mit Nobelpreisträgern

Sie stellt Erwin Komenda in eine Reihe mit den Nobelpreisträgern Shuji Nakamura und Dr. Ernst Schrödinger sowie Leonardo da Vinci. Diskussionen erübrigen sich, bei der Wiener Dame beißt man auf Granit. Gerne kontert sie: "Sie haben meinem Vortrag nicht zugehört“. Sie stützt sich auf ein Buch des aus den USA stammenden Fachjournalisten Karl Ludvigsen, der inspiriert von einem frühen Porsche 356, welcher heute dem bekannten Sammler Jerry Seinfeld gehört, die "Porsche DNA“ ermittelt hat. Ein Zitat aus der kürzlich erschienenen deutschen Ausgabe: "Seinfelds entstand aus der Ursuppe der Marke, aus der die Porsche-DNA ihre bemerkenswerte Stärke bezieht." Hallelujah!

Doch zurück zur Pressekonferenz: Ganz dünn wird die Information auf die Frage, was denn nun passiere. Sie wolle, so verkündet die Komenda-Enkelin, erst die Reaktion von Porsche abwarten. In jedem Fall möchte sie die Anerkennung der Leistungen ihre Großvaters, wozu auch über 130 Patente gehörten: "Dabei geht es um viel Geld“, meint sie, ohne sich allerdings auf eine Summe festlegen zu lassen. Außerdem erwartet sie vom Unternehmen eine internationale Presseerklärung, in der die wahren Leistungen von Erwin Komenda gewürdigt werden. "Es geht mir um die Wahrheit“, betont Frau Dr. Steineck.

Darum geht es mir übrigens auch: In der kommenden Motor Klassik-Ausgabe bringen wir Licht ins Dunkel.

"Bar Parco" heißt mein Blog, in dem ich regelmäßig über meine Arbeit als Motor Klassik-Redakteur berichte: Diese Bar gibt es tatsächlich. Sie ist in der Mille Miglia-Stadt Brescia zu finden und liegt an der Via Rebuffone unweit der Start- und Zielrampe an der Viale Venezia. An jedem Freitag stelle ich mir vor, dort zur Einstimmung ins Wochenende einen Espresso zu trinken.

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