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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Gesetz gegen Doping

Foto: Dirk Johae 33 Bilder

Tour de France, Leichtathletik-WM, leistungssteigernde Mittel bei Sportler in den 70er Jahren auch in Westdeutschland: Anlässe zur Entrüstung über Doping im Sport gibt es genügend. Na klar, ein Bundesgesetz soll Doping verbieten, am besten mit einem drakonischen Strafen-Katalog ausgestattet. Sie sind doch auch dafür, oder?

16.08.2013 Dirk Johae Powered by

Andererseits ist ein Anti-Doping-Gesetz reine Augenwischerei, wenn der Missbrauch nicht scharf genug kontrolliert werden kann. Nehmen Sie zum Beispiel den Motorsport, um genauer zu sein: den historischen Motorsport. Hier gibt es eigentlich gleich zwei Regelwerke: ein unausgesprochenes Gentleman Agreement, das man bei der Technik den Renn-Oldies keine illegalen leistungssteigernden Mittel einsetzt, sowie die festgeschriebenen Regeln im Sportgesetz. Proteste gegen die Technik der Autos von Mitbewerbern sind eigentlich verpönt.

Doping bei historischen Autos

Was aber, wenn ein Mitstreiter sein Auto offensichtlich dopt? Beim OGP wäre ein solcher Protest beinahe vorgekommen: Allein die Formalie der verspäteten Einreichung verhinderte möglicherweise einen Skandal.

Es ging um den Jaguar C-Type aus dem Starterfeld des Abendrennens, der im Training locker die Zeiten des fast zehn Jahre jüngeren Ferrari "Breadvan" erzielte. Doch ich will gar nicht diesen speziellen Fall brandmarken. Doping ist bei historischen Autos aller Art an der Tagesordnung, und zwar in großem Stil. Das beschränkt sich nicht allein auf die Rennerei.

Wir wollen ja alle unseren Spaß. Da darf es manchmal gleich ein größerer Motor für den Klassiker sein oder ein verbreitertes Fahrwerk nach aktuellem Geschmack. Ein nicht synchronisiertes Getriebe ist zu unbequem: Das neuere, synchronisierte Schaltwerk sieht doch keiner. Was ist schon dabei? Außerdem schont es den Geldbeutel und ist viel sicherer im heutigen Straßenverkehr. Wenn ich dann noch gleich ein Fünfganggetriebe einbaue, kann mein Vorkriegsklassiker sogar weniger Benzin verbrauchen. Was ist daran schlecht?

Das macht doch jeder

Besonders begeistern mich Weisheiten wie: "Das haben die früher auch schon so gemacht." Selbst historische Autos aus der einen oder anderen Werkssammlung werden gedopt - und sei es mit einer anderen Farbe als der Originallackierung, weil die noch in der Sammlung fehlte. Solche Klassiker entfernen sich vom technischen Kulturgut zum Vehikel für eine Leistungs-Gesellschaft, in der sich immer mindestens ein Grund findet, warum die allgemeinen Regeln in dem speziellen Fall nicht gelten. Den vielen Zuschauern bei den verschiedensten Veranstaltungen und den Klassiker-Fans insgesamt aber wird so fortwährend ein X für ein U vorgemacht. Und Doping zum Wettbewerbsvorteil ist schlicht und einfach unfair, egal ob es um die goldene Ananas oder um Meisterschaftspunkte geht.

Wie im Leistungs- und Breitensport wird jedoch ein schärferes Gesetz gegen das Dopen von Oldtimern nicht helfen. Helfen kann nur die ehrliche Begeisterung für die Autos, ihre Geschichte, ihre Technik, ihre Kultur. Das ist meine Art des "Doping": Die ständige Suche nach überraschenden Geschichten, nach seltenen, waschechten Autos und interessanten Menschen, deren Geschichten mich mitreißen, weil sie mich neugierig machen.

Wie zum Beispiel mein Besuch Anfang der Woche in einer deutschen Großstadt. Leider kann ich noch nicht viel verraten. Nur das: Es geht um ein fast 80 Jahre altes Auto, das in seinem unverfälschten Zustand wahrscheinlich einzigartig ist. Außerdem spielt eine historische Schiffswerft eine Rolle. Die ganze Geschichte gibt es in einer der nächsten Ausgaben von Motor Klassik.

Eins noch: Wie mein Beispiel zeigt, kann es nur ein böses Gerücht sein, dass der Motor Klassik-Redakteur für diese gerade beschriebene Form des Dopings das Motorpresse-Archiv aufsucht. Nach einer Tasse Espresso in der Bar Parco geht es übrigens gleich weiter nach Zwickau zur Sachsen Classic.

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