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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Man spricht Deutsch bei Aston Martin

Aston Martin Logo Foto: Arturo Rivas

In Tagen wie diesen muss man als Redakteur verdammt flexibel sein: Thema A geht nicht? Wir brauchen noch mindestens ein englisches Auto in der nächsten Ausgabe? Kein Problem. Da habe ich Thema B und C, vielleicht sogar noch D, wobei man B und D gut zu einem Zweier-Fahrbericht koppeln könnte. Oder sollen wir lieber C mit einem rassigen Italiener kombinieren?

26.07.2013 Dirk Johae Powered by

So ähnlich geht es mir auch mit der heutigen Bar Parco-Ausgabe. Eigentlich wollte ich Walter Röhrls Zitat aufgreifen, in dem er engstirnige Motorsport-Funktionäre als "Krautköpfe" bezeichnet. Aber dann las ich gestern aktuell auf Twitter und bei den Kollegen von sport auto, dass Mercedes-AMG künftig Aston Martin mit V8-Motoren sowie Elektronikteilen beliefern will. Deutsche Kraftmeier-V8 im "englischen Ferrari"? Muss das sein? Offenbar kann die britische Markenikone nur mit den technischen Herzen und Seelen aus Germany überleben: Ein häßlicher Tintenfleck im Tagebuch zum 100jährigen Jubiläum der Firma. 1913 gründeten Mr. Martin und Mr. Bamford ihre Firma in London, die sie im Jahr darauf in Aston Martin umtauften. Die 100 Jahr-Feier und das Wiederaufleben des mythischen DB5 als Dienstwagen von James Bond in "Skyfall" verdecken, dass die Geschichte der englischen Sportwagen-Marke eine Tradition voller Brüche ist. Allein von 1913 bis 1946 wechselte x-mal die Führung der Firma.

Zwei in einem

Ab 1947 sorgte der Traktor- und Getriebebauer David Brown zumindest mal für zweieinhalb Jahrzehnte der Kontinuität. Und auch die Zusammenarbeit mit einem deutschsprachigen Partner hat bei Aston Martin seit dieser Zeit eine Tradition: Ab 1950 arbeitete der ehemalige Entwicklungsingenieur und Rennleiter der Auto Union, Professor Robert Eberan-Eberhorst in der Entwicklung von Aston Martin. Der in Wien geborene und in Dresden von Ferdinand Porsche entdeckte Konstrukteur hatte großen Anteil zum Beispiel an den Rennsportwagen bis hin zum DBR1. Dieser offene Dreiliter-Renner verschaffte der britischen Marke mit dem Le Mans-Sieg 1959, den Roy Salvadori und Carroll Shelby herausfuhren, weltweites Ansehen. Von diesem Image zehrt sie bis jetzt. Auch an der Entwicklung der früheren erfolgreichen Rennsportwagen DB3 und DB3S, die heute regelmäßig bei den wichtigen Oldtimerrennen von Le Mans bis Laguna Seca eingesetzt werden, hatte von Eberan-Eberhorst einen entscheidenden Anteil.

Aber die Verpflichtung von kundigem Personal, die für eine Marke die Technik entwickeln, wirkt in dem globalisierten Markt 2013 wie old school. Heute kaufen die Firmen lieber gleich fertige Module und bauen sie in einem Rutsch in ihre Autos ein – Hauptsache, die Hülle stimmt. Wenigstens das Markenemblem auf der Karosserie erinnert noch an die glorreiche Tradition.

Immerhin haben unsere künftigen Motor Klassik-Kollegen es durch den heutige Techniktransfer dann in 20 oder 30 Jahren etwas leichter: Der Fahrbericht über den ersten Aston Martin mit Mercedes-AMG V8 deckt dann mit nur einem Auto gleich zwei Länder ab sowie zwei, ja eigentlich drei traditionsreiche Marken. Das sollte dem anglophilen Leser genauso passen wie dem Freund deutscher Technik. Und stand nicht Aston Martin in den Glanzzeiten mit dem magischen Doppel-B Brown und Bond auch für italienisches Design? Signora, einen Espresso bitte...         

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