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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Schreiben wie Jeremy Clarkson?

Jeremy Clarkson Foto: istockphotos 4 Bilder

Ich komme nicht zur Ruhe. Liegt das vielleicht an dem Buch, das neben mir auf dem Tisch liegt? Von meinem Besuch in Goodwood in der vergangenen Woche habe ich mir das neueste Buch von Jeremy Clarkson mitgebracht.

19.07.2013 Dirk Johae Powered by

Der 53-jährige Engländer arbeitet als Moderator und Redakteur für das Fernsehmagazin „Top Gear“, das er mit einer Unterbrechung seit 1989 moderiert. Außerdem schreibt Clarkson Zeitschriften-Kolumnen: Die besten sind jetzt in dem dicken Buch „The Top Gear Years“ zusammengefasst, das in England auf der Bestseller-Liste steht. Bevor Sie Ihren Buchhändler oder sich selbst bei der Suche nach der deutschen Ausgabe nerven: Es gibt den Wälzer nur auf Englisch.

Was macht Jeremy Clarkson so populär?

Clarkson ist nicht nur der längste Mensch, der im britischen Fernsehen arbeitet, er ist vor allem eine Kultfigur. Zusammen mit seinen Mitstreitern setzte er mit dem Fernsehmagazin Top Gear neue Maßstäbe für den Autojournalismus. Als zum Beispiel Mitte der 90er Jahre "ams TV" entwickelt wurde, waren die Beiträge aus England ein wichtiges Vorbild. 2005 gewann Top Gear den Emmy für die beste Unterhaltungssendung. Clarkson ist das Gesicht des BBC-Magazins, das auch im weltweit ausgestrahlten Programm des Senders zu sehen ist.

Sogar meine 22-jährige Tochter kennt Jeremy Clarkson. Was ist also dran an dem Typen? Ich wühle mich durch die Texte des fast 500 Seiten dicken Schinkens, finde heraus, dass Clarkson Fan des Ford GT40 ist und vom Porsche 911 GT3 schwärmt. Wie in den Sendungen zelebriert er seinen Spaß am Autofahren und ist ein kompromissloser Verfechter des Autos. Aber das ist es nicht eigentlich, was Clarkson so populär macht.

Es sind vor seine Provokationen und seine Ironie, er schert sich nicht um politische Korrektheit und ist ironisch. Zur Einleitung der Sammlung der Texte aus den Jahren 1993 bis 2011 schreibt er: "Seien Sie nicht besorgt, wenn Sie mit dem, was ich gesagt habe, nicht einverstanden sind. Es ist gut möglich, dass ich mit mir selbst auch nicht einverstanden bin."

Sein Publikum liebt ihn für seine Verbalausfälle

Clarkson und seine Fernsehmitstreiter lieben die Provokation. Sie ist Bestandteil des Top-Gear-Konzepts und natürlich auch der Kolumnen. Über Michael Schumacher schrieb Clarkson 1994 zum Beispiel: "Als ich ihn traf, war ich ziemlich enttäuscht. Er ist mürrisch, ungeduldig und so gesprächig wie der Indianer in 'Einer flog übers Kuckucksnest'".

Die Einleitung: "Michael Schumacher ist ein Deutscher. Das bedeutet, dass er fett, laut, vulgär und im Besitz von einigen lächerlichen Kleidungsstücken sein sollte, zusammen mit absurder Gesichtsbehaarung." Clarkson äußert scheinbar ungefiltert, was er denkt. Es bekommen übrigens auch viele andere Volksgruppen ihr Fett weg. Damit hat er sich auch schon viel Ärger eingehandelt. Aber sein Publikum liebt ihn dafür.

Aber kann das allein der Maßstab sein? Unschlüssig blättere ich in dem Buch und lande wieder in den frühen Artikel aus den 90er Jahren: "Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis. Während unserer Mittagspause im Pub reden wir nie über Autos." Das müssten wir sofort bei uns in der Kantine einführen und Motorradthemen gleich einbeziehen!

Clarkson schreibt weiter. "Wir machen uns keine Gedanken darüber, mit welchem Auto wir am Abend nach Hause fahren. Wir mögen Autos, aber wir tragen keine Anoraks. Wenn Sie einen Anorak tragen, versuchen Sie es mit Autocar", rät er Lesern, die von einem Job als Autojournalist träumen. Mit "anorak" bezeichnen die Briten einen Daten-Nerd oder Statistik-Freak.

Ich will weiterlesen. Jeremy Clarkson hat zum Beispiel auch über den Trabant geschrieben, aber auch über den FSO Polonez, über "classic cars", Goodwood, Umweltschützer, Personalisierung sowie "Das Ende von allem". Für mich ist das Ende offen.

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