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Dirk Johaes Klassiker-Blog

Typen-Kunde

Dirk Johae Foto: Arturo Rivas 19 Bilder

Hans-Joachim Stuck sichert meinen Arbeitsplatz. Ein Gespräch oder ein Interview mit ihm liefert immer ein gesalzenes Zitat: Daraus ergibt sich meist eine gute Schlagzeile und manchmal einen Aufreger, bringt Auflage und weckt Emotionen.

08.11.2013 Dirk Johae Powered by

"Die werden den Jungs in Le Mans die Wadeln abfahren", hat Stuck vor rund 1.000 jubelnden Porsche-Anhängern bei der Sound Nacht im Museum gesagt. Es ging um die Erfolgsaussichten des Porsche Le Mans-Prototypen beim 24 Stunden-Rennen im nächsten Jahr. Größter Gegner der Zuffenhausener wird ja wahrscheinlich der Konzern-Bruder Audi aus Ingolstadt sein. Uih, dachte ich, das darf er doch eigentlich nicht sagen, zumindest wäre das die Haltung der Vertreter des "Er-ist-VW-Motorsport-Repräsentant"-Flügels.

Vogelwild und quer

"Ich bin kein Diplomat", meinte Stuck vor dem Ausspruch. Was für ein Glück! So wie er Rennauto fuhr, redet er auch: Begeisterung pur. Wenn er vogelwild und quer mit einem BMW-Tourenwagen oder im March-Monoposto angeflogen kam, haben die Leute auf der Tribüne gejubelt - und nachher die Zeitung mit den Bildern oder Postern gekauft, auf denen der Stuck vogelwild quer um die Ecken pfiff. Kurz: Ein Renn-Held mit hohem Unterhaltungswert. Menschen wie Stuck sichern meinen Arbeitsplatz, auch in der Klassik-Fraktion.

Wie ein Affe

Nächstes Beispiel: Ich schreibe gerade eine Geschichte für die kommende Ausgabe von Youngtimer über den Einsatz eines Audi Quattro (wir schreiben das immer groß) bei der "Rallylegend". In den unergründlichen Tiefen unseres Archivs habe ich beim Rallye-Goethe Herbert Völker nach einem knackigen Zitat zum Auto gesucht. Gefunden habe ich in Völkers Geschichte über die Rallye Monte-Carl 1984 ein Zitat von Walter Röhrl (wer hat da gestöhnt?) zum Audi: "Weil ich kein Drehmoment hab', hock' ich drin wie ein Affe und zittere: Komm' ich jetzt um die Ecke oder komm' ich nicht herum." Das bringt es auf den Punkt und veranschaulicht, dass der revolutionäre tolle Allradler auch seine Macken hat.

Kein großer Redner

Weil Stuck und Röhrl kein Blatt vor den Mund nehmen, habe ich auch künftig etwas zum Schreiben und die Fahrer bleiben uns nicht zuletzt durch ihre griffigen Äußerungen im Gedächtnis. Meo Costantini war aber kein großer Redner, eher ein Diplomat. Meo - wer? Ja, ich weiß: Bugatti-Kenner schlagen jetzt die Hände vor's Gesicht und haben gerade beschlossen, dass der Schreiber dieser Zeilen ein Idiot ist. Also, Meo Costantini (ohne "n" an dritter Stelle) ist mit seinem Namen Pate für ein neues Bugatti Veyron-Sondermodell, das dritte aus der Reihe "Les Légendes de Bugatti".

Targa Florio-Sieger

Costantini war ein 1889 in Venedig geborener Rennfahrer, der auf Bugatti zwei Mal in Folge die Targa Florio (1925 und 1926) gewann. Nach seiner aktiven Zeit war er Rennleiter bei der Marke. Nach dem Rückzug von Bugatti aus dem Grand-Prix-Sport wechselte Costantini zu Alfa Romeo und wurde Assistent von Star-Konstrukteur Vittorio Jano und später Wilfredo Ricart. "Viele Rennerfolge von Bugatti sind das Verdienst von Costantini", schreibt der englische Motorsporthistoriker David Venables in seinem Buch über die Renngeschichte der Molsheimer Equipe und fügt an: "Costantini ist wahrscheinlich einer der am meisten unterschätzten Rennfahrer aller Zeiten." Dank des Sondermodells steht der Unterschätzte jetzt im Rampenlicht und ich kann ein paar Zeilen über ihn schreiben.

Vom Sockel schubsen

Das Schreiben über eine Legende ist gestattet, wenn man sie in ein gutes Licht rückt. Schwierig wird es dagegen, wenn ein solcher Mensch vom Sockel gestoßen werden soll. Eine Legende, wie zum Beispiel der Designer Ferdinand Alexander Porsche, welcher als Schöpfer der 911-Form in allen Geschichtsbüchern steht. Eigentlich ist ja klar, dass ein Chefdesigner immer der Kopf eines Teams ist. Wie zum Beispiel ein Konstrukteur oder ein Firmenchef auch. Da ein Designer aber vielmehr als ein nüchterner Techniker oder ein mächtiger Gesamtverantwortlicher mit der emotionalen Seite eines Autos handelt, steht er viel exponierter in der Ahnenreihe. Das runde Jubiläum des Porsche 911 war jetzt der geeignete Anlass, mal mit dem Schubsen vom Sockel anzufangen. Die nötige Fallhöhe war erreicht und so machte sich der Mitarbeiter eines anderen Mediums ans Demontieren.

Neues in der Winterzeit

Diese einseitige Berichterstattung hätte ich gerne aufs Korn genommen: Aber ich habe dankend einen Hinweis beherzigt, das lieber nicht zu tun. Nicht alle gesalzenen Zitate sichern den Arbeitsplatz. Da jetzt in der Bar Parco die Winterzeit angebrochen ist und ich im warmen Innenraum meinen Espresso trinke, habe ich für die kommende Woche eine Neuerung ausgedacht: In loser Folge möchte ich ein Auto vorstellen, dass mich derzeit beschäftigt.

In der kommenden Woche lasse ich hier in der Bar in Brescia - sprachlich - den Porsche Carrera RSR an, der 1973 bei der Targa Florio gestartet ist. Das Auto und sein Fahrer Gijs van Lennep werden in der neuen Ausgabe von Motor Klassik vorgestellt. Aber es gibt noch einige Details und Anekdoten, die ich im Artikel nicht mehr unterbringen konnte. Also, amici, bis nächste Woche in Bar Parco.

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