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Drift Challenge 2013

Smoking Skills in Hockenheim

Drift Challenge 2013, Uwe Sener, BMW 328i Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

Sie rauchen gern, sie rauchen oft, sie rauchen stark. Über 50 Drifter liefen für die Drift Challenge der sport auto High Performance Days in Hockenheim aus der Spur, stellten sich quer und qualmten dabei. Was will man mehr?

06.09.2013 Michael Orth Powered by

Oliver Harsch überrascht gegen den Seriensieger

Der Mann parkt. Der Mann steigt aus. Der Mann tanzt. Er springt um sein Auto, den Helm in der Hand, die Arme wild schwenkend. Dann klopft er dem BMW aufs Dach, ausgelassen, und schlägt ihm sanft gegen die Tür, als hätte er da ein treues Pferd, das gerade über sich hinausgewachsen ist – und nicht einen alten E30, dem Kabelbinder die Stoßstangen zusammenhalten wie dicke Nähte Frankenstein den Schädel.

Nur wenige Minuten zuvor hatte sich Oliver Harsch in seinen Wagen gesetzt und war zum Start gerollt, um neben seinem Gegner Aufstellung zu nehmen. Der macht im ersten Halbfinallauf zur sport auto Drift Challenge in Hockenheim genau das, was alle erwartet hatten: Er lässt Harsch keine Chance. Dann aber, im zweiten Durchgang, als Harsch schnell und in weitem Bogen den ersten Drift ansetzt, passiert, was niemand erwartet hatte: Remmo Niezen, der Seriensieger, patzt.

Und er patzt auch im folgenden Rerun, muss einen Drift abbrechen und ist raus. „Ich habe ihn seit sechs Jahren nicht verlieren sehen“, überschlägt Oli Harsch sich beinahe, „keine Sekunde habe ich gedacht, dass ich gegen Niezen eine Chance hätte. Aber ich war gut drauf, und er musste mal einen Fehler machen, weil ich natürlich auch in die Trickkiste gegriffen habe. Das war Herzklopfen und Gänsehaut und Wahnsinn.“

So lange quer wie möglich

Der Wahnsinn hatte begonnen, als am Freitag um neun die ersten Drifter ihre Autos an der Einfahrt zum Ostkurs aufreihen, alle brutal laut, manche mit einem Sturz an den weit herausragenden Vorderrädern, als hätte es ihnen die Traggelenke abgeknickt. „Je mehr Lenkwinkel du hast, desto mehr Driftwinkel kannst du fahren – so einfach ist das“, sagt Uwe Sener, während die 311 Kompressor-PS seines BMW 328i so langsam auf Temperatur kommen. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken, und ganz allmählich trocknen die letzten Pfützen vom Asphalt vor der Mercedes-Tribüne.

Drei liegende Pylonen weisen schräg in den ersten langen Linksbogen, in dessen Scheitelpunkt zielt eine Lichtschranke. „Ich sehe euch ab den Pylonen“, hatte der Juror Andy Jaenen im Fahrerbriefing erklärt, „und sobald ich euch sehe, sollte das Auto quer stehen. Vollgas ist mir da wichtiger als die beste Linie. Speed gibt Extrapunkte, denn der bringt die bessere Show fürs Publikum.“

Jaenens Wort ist Gesetz. Jeder hört zu – der Mann wird später alles sehen, alles hören, alles wissen, alles beurteilen. Ihm entgeht nichts. „Am Kurvenausgang will ich eure Scheinwerfer sehen, und zwar möglichst lang, bevor ihr umsetzt in den nächsten Drift.“

Die ersten beiden Durchfahrten passiert von alldem nichts. Zahm rollen alle durch die vier Kurven, schwänzeln hier mal brav mit dem Heck, lassen es dort ein Stück ausbrechen. Warm werden, sehen, wie der Teer so ist. Und dann los. Hochbeschleunigen auf Autobahnrichtgeschwindigkeit, kurz mit einem Flick anpendeln und dann Fahrtrichtung Fahrzeugflanke. Nach ein paar Minuten schon steht der Reifendunst vor den Bäumen an der Parabolika, und der Geruch von verbranntem Gummi zieht die Ränge der Tribüne hoch.

Reifensätze, die sonst 10 000 Kilometer halten, sind hier nach zehn Minuten runter.

Reifenwechsel im Akkord

Während sich auf der Strecke einer nach dem anderen an sein Limit herantastet – Markus Militzer im E36 M3, Lars Verbraeken im Turbo-M3 mit über 500 PS, Mirek Duda im Nissan 200 SX, Ralf Spanehl in seinem 6er-BMW mit M60-V8, die Hountondji-Driftbrothers –, rappeln hinter der Tribüne die Wagenheber von Auto zu Auto, und die Schlagschrauber knattern pausenlos die Radbolzen los und wieder fest. Jochen Reich, der nicht mit seinem V8-Commodore angerückt ist, sondern mit einem weitgehend seriennahen, neuen Camaro, streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht. Hat er Spaß? „Ja“, sagt er, „aber zu wenig Reifen dabei.“

Soll das eine Entschuldigung sein? Gilt nicht. Nach dem freien Training zieht sich eine etwa zwei Wagen breite, schwarze Spur aus Gummi schwungvoll durch die Kurvenfolge: die Ideallinie. Vergleichsweise einfach wäre es, auf ihr zu fahren. Ihr präzise rutschend zu folgen, ist etwas anderes. Aber auch genau das, worauf es in den drei Einzel- und den KO-Läufen der Twinbattles ankommt. Und so dicht, wie die ersten zehn nach der Qualifikation beieinanderliegen – nur acht von 100 Punkten trennen sie –, so dicht rücken sie sich hinterher in den Paarläufen aufs Blech. „Je dichter dran, desto besser. Außerdem passiert dann bei Berührungen weniger“, sagt Matt Carter kurz vor dem Finale.

Carter hatte mit seinem 600-PS-Skyline zuvor so eng am M5 des Luxemburgers Rohan van Riel gehangen, dass man versucht war, eine Abschleppstange zwischen den Autos zu vermuten. Und auch gegen den kurz zuvor noch auf und neben der Strecke wild tanzenden Oliver Harsch kam der Engländer, im normalen Leben Maler und Dekorateur, nicht aus dem Tritt.

Verdienter Sieger bei der Drift Challenge

Dass er ein würdiger Champion der Drift Challenge bei den sport auto High Performance Days ist, unterstrich er übrigens am Folgetag. Mit schwarzen Gummistrichen, natürlich. Die Big Entry Challenge der besten 16 Drifter des Wochenendes, ausgefahren vor den vollen Tribünen in der Sachskurve, konnte Matt Carter mit Platz zwei beenden.

Die Top-Acht der Drift Challenge 2013

Matt Carter - Nissan Skyline R32
Oliver Harsch - BMW E30 M5
Remmo Niezen - BMW E30 M3-V8
Rohan van Riel - BMW M5 Widebody
Uwe Sener - BMW 328i Kompressor
Markus Militzer - BMW E36 M3
Rene Portz - Nissan Skyline R33
Jörg Stoll - BMW E30 3.6

Die besten 32 aus dem Qualifying treten dann zur Twinbattle an. Hier driften jeweils zwei Fahrer im KO-System gegeneinander. Danach die übriggebliebenen 16, 8 und dann 4. Die beiden Verlierer der Top 4 fahren dann im Kleinen Finale um Platz 3, die Gewinner der Top 4 gehen ins Finale und kämpfen um Rang 1.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft