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DriftChallenge 2006

Gusenbauer gewinnt

Foto: 101 Bilder

Der Meister der sport auto-Yokohama-DriftChallenge 2006 heißt Werner Gusenbauer. Nach vier Läufen erklomm er den Gipfel – doch die Luft wird dünner und die Konkurrenz stärker.

09.01.2007 Markus Schönfeld Powered by

Rhythmische und elegante Bewegungen eines Körpers, die durch musikalische Untermalung eine ästhetische Wirkung entfalten, werden im Allgemeinen als Tanz bezeichnet. Der im Folgenden beschriebene Sport ist allerdings nicht mit einem herkömmlichen Standard- oder lateinamerikanischen Tanz vergleichbar, sondern besser als der sprichwörtliche Tanz mit dem Teufel beschrieben. Es ist der Tanz eines Autos mit seinem widerspenstigsten Partner – dem instabilen Fahrzustand. Übernimmt dieser die Regie, ist die Karosse einem Dreher und einer unsanften Landung abseits der Tanzfläche schutzlos ausgeliefert.


Es existiert nur eine Möglichkeit, ihn zu beherrschen: Der Fahrer muss dem Wagen bei voller Aufmerksamkeit die nahezu masochistische Behandlung aufzwingen, die er verlangt. Gelingt das vollendet, werden außen Stehende durch kreischendes Reifengejaule und schreiende Motoren schnell von dem verzaubert, worum es hierbei letztlich geht – der Faszination des Driftens. Dass die Mehrheit der Motorsportfans dieser unkonventionellen Form der Fortbewegung längst erlegen ist, beweist die Popularität der beim alljährlichen Tuner-Grand Prix abgehaltenen DriftChallenge. Seit sieben Jahren begeistert diese Veranstaltung die Besucher und verwandelt die Sachskurve am Hockenheimring in eine Arena des professionellen Querfahrens.

So bestaunten am 3. Juni diesen Jahres rund 25 000 Besucher das Spektakel. Auch die ständig wachsende Zahl der Teilnehmer unterstreicht die Anerkennung dieser Disziplin und die Notwendigkeit einer richtigen Meisterschaft. Die sport auto-Yokohama-DriftChallenge 2006 gab Interessierten nun zum ersten Mal die Möglichkeit, nicht nur in einem einzigen, sondern in vier Läufen ihr Können zur Schau zu stellen. Das Angebot wurde grenzüberschreitend dankend angenommen.Fahrer aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg, Italien, Österreich, Ungarn, Polen, Slowenien und der Schweiz traten am Nürburg-, Salzburg- und Hockenheimring gegeneinander an.

Dabei galt es, bestimmte Kurvenkombinationen im größtmöglichen Driftwinkel, also mit maximalem und konstantem Übersteuern zu durchfahren – und das Auto dabei möglichst elegant von einer Richtung in die andere umzusetzen. Der Fokus am Hockenheimring lag auf der Sachskurve und der folgenden Links-Rechts-Kombination. 62 Teilnehmer stellten mit ihren eigenen Autos dieser Herausforderung und der kritischen Jury. Beschränkungen für die Fahrzeuge gab es nicht, alles war erlaubt. Allerdings empfehlen sich für die ausgeprägte Quertreiberei genügend Leistung und idealerweise ein gesperrter Heckantrieb.

Solche Voraussetzungen werden offenbar am besten von der Marke BMW erfüllt. Speziell die M-Modelle, die serienmäßig über viel Leistung, ein Sperrdifferenzial und Hinterradantrieb verfügen, sind bei den Startern sehr beliebt und dominieren das Feld. Umso kurioser erscheint die Tatsache, dass der Gewinner der Meisterschaft, Werner Gusenbauer, Mercedes fährt. Sein von MKB umgebauter CL 55 AMG leistet 620 PS und bringt ebenfalls ein gesperrtes Hinterachsdifferenzial mit. Schon beim ersten Lauf am Nürburgring stellte Gusenbauer sein Können unter Beweis und sicherte sich den ersten Platz und 35 Punkte. Auch beim dritten Lauf am Salzburgring erntete er die volle Punktzahl. Doch die Konkurrenz schlief nicht. Luka- Marko Groselj aus Slowenien fuhr den zweiten Platz der Meisterschaft ein, obwohl er in der Eifel nicht einmal dabei war.

Den vierten Lauf in Hockenheim gewann Groselj dafür mit einer beeindruckenden Vorstellung. Immer wieder zauberte er in seinem auffälligen BMW E36 mit vier Zusatzscheinwerfern grandiose Driftwinkel auf den Asphalt der Sachskurve. Anschließend setzte er den Dreier in der folgenden Kurvenkombination butterweich um. Altmeister Gusenbauer gelang dieses Manöver ebenso makellos, doch hatte er seine Mühe, den Zwei-Tonnen- CL mit Automatikgetriebe und 800 Newtonmeter Drehmoment um den Parcours zu zirkeln: „Das verlangt hundertprozentige Konzentration. Zwei Mal landete ich fast im Kiesbett.“ Die Zuschauer begeisterten vor allem der bollernde Sound und die enorme Geschwindigkeit des silbernen Dickschiffs, das am Ende der Kurvenkombination mit rekordverdächtigen 150 km/h driftend über die Strecke donnerte. Im anschließenden Tandemdrift zeigten Groselj und Gusenbauer noch einmal im Synchrontanz, welch ästhetische Reize diese „schräge“ Sportart zu bieten hat. Dies sicherte ihnen den ersten Platz in der Wertung Tandemdrift.

Dass die Kunst des Driftens nicht notwendigerweise eine Frage exorbitanter Motorleistung sein muss, bewies Geza Kalbantner in einem Lada mit 120 PS. In Hockenheim erreichte der Ungar Platz 12 in der Einzelwertung und den zweiten Platz im Tandemdrift an der Seite von Adorjan Szeles im BMW 328i. Andreas Diepolder und Axel Rauscher konnten im BMW-Doppel (siehe Foto) den dritten Platz ergattern. Eine ebenso spektakuläre, jedoch für die Gesamtwertung weniger relevante Disziplin der Driftchallenge trägt den Namen Best of Show. Ob beleuchtete Unterböden, offene Türen oder rotes Bengalfeuer – Hauptsache, das Publikum ist begeistert. Als König dieser Disziplin erwies sich in diesem Jahr einmal mehr Werner Gusenbauer. Sein aufwendig präparierter CL trägt im Heck jede Menge Feuerwerkstechnik, die vom staatlich geprüften Pyrotechniker Harald Wockelen aus der Ferne gesteuert wird.

Bei der abendlichen Schrägfahrt ließen die beiden es zum Abschluss der Meisterschaft dann richtig krachen. „Beim ersten Knall dachte ich, die Heckscheibe hätte sich verabschiedet – so gewaltig rumste es“, konstatierte Gusenbauer. Doch trotz aller Showeinlagen und optischer Reize dieser Veranstaltung sind die Ernsthaftigkeit und die Schwierigkeiten dieses Sports nicht zu übersehen. Jeder der hier erwähnten Fahrer kann auf einen ausgeprägten Erfahrungsschatz im Motorsport zurückgreifen, der die Beherrschung eines Autos im instabilen Fahrzustand voraussetzt. Auch Werner Gusenbauer fing schon früh mit dem Motorsport an und fährt immer noch in der BF Goodrich Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring.

Der gebürtige Österreicher ist ausgebildeter Fahrinstruktor, baute die Mercedes-Fahrprogramme auf und leitet jetzt unter anderem das sport auto-Drifttraining am Hockenheimring. In intensiven Tageskursen können Teilnehmer mit gestellten und speziell umgebauten Mercedes Sportcoupés das Fahren im instabilen Zustand erlernen und sich am Ende des Tages bei einer Mini-Driftchallenge in der bewässerten Sachskurve bewähren. Wer das Driften lieber mit dem eigenen Auto perfektionieren will, kommt beim sport auto-Driftraining am Sachsenring auf seine Kosten. Hier führt Rallye-Ass Uwe Nittel Regie. Er sorgt dafür, dass bei entsprechender Begabung der bewässerte Kurs am Nachmittag zur Gänze im Drift absolviert wird. Die Teilnahme an den Trainingskursen garantiert natürlich noch nicht den Sieg bei der nächsten DriftChallenge im Jahr 2007. Doch gibt sie einen Vorgeschmack auf die Leidenschaft, die die Akteure dieser noch jungen Motorsportart verbindet.

Vor allem aber zeigt ein solches Training, dass für das Fahren im instabilen Fahrzustand und für einen kontrollierten Drift absolute Fahrzeugbeherrschung erforderlich ist.

Und noch eines stellen die Teilnehmer eines sport auto-Drifttrainings regelmäßig fest: Wer sein Auto einmal zum kontrollierten Tanz aufgefordert hat und mit seinem Partner einmal den perfekten Drift erfahren hat – der wird von der Faszination dieses Sports schwer wieder loskommen.

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