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Ebay-Auktion

Biete Porsche, möchte Stadion

Foto: ebay 8 Bilder

Was hat Fußball mit Porsche zu tun. Eigentlich nichts, außer dass beides vorzugsweise Männer interessiert. In dem Fall schon: Damit Kohle für den Stadionbau des VFB Oldenburg reinkommt, spendiert der Marketing-Chef des Vorhabens seinen Porsche 911 und versteigert ihn auf eBay.

25.01.2007 Powered by

"Tausche Porsche gegen Stadion" wäre vielleicht eine adäquatere Überschrift für die derzeitige Versteigerung eines "Porsche 911 Carrera 3,2 G-Kat (Arena Porsche)" bei eBay. Denn der Auktionserlös des 22 Jahre alten Sportwagens soll komplett in den Neubau einer Fußballarena für den VfB Oldenburg fließen.


Der Porsche soll das VFB-Vorhaben beschleunigen

Das klingt zunächst nach einer Witz-Aktion, ist allerdings sehr ernst gemeint. Der VFB, nach seinem Konkurs im Jahr 2000 nunmehr in der Niedersachsenliga aktiv, kickt seit dem Abriss seiner ursprünglichen Spielstätte Donnerschweer Stadion im ungeliebten städtischen Marschweg-Stadion. Wo die Bedingungen nicht optimal sind - so kann zum Beispiel keine Flutlichtbeleuchtung installiert werden, da sonst die Fahrer auf der nahe gelegenen Autobahn geblendet werden würden.

Um an alte Erfolge anzuknüpfen, soll ein neues Stadion für den ehemaligen Zweitligisten, den einst Rudi Assauer managte und wo Ex-Nationaltorhüter Hans Jörg Butt das Fußballspielen lernte, her. 20 Millionen Euro würde ein Neubau der ehemals als "Hölle des Nordens" bekannten Arena Donnerschweer kosten. Da Vereins- wie Stadtkasse allerdings gleichermaßen Tiefstände aufweisen, entschloss man sich, ungewöhnliche Wege gehen. Und bot dem Oldenburger Software-Unternehmen Ashampoo einen Deal an: Die Firma übernimmt auf eigene Kosten das Marketing des Projekts, im Gegenzug wird dann das Stadion nach ihr benannt.

Ein witziges Video, das für das Projekt wirbt und bei Youtube innerhalb kürzester Zeit zum meistgeschauten File Deutschlands wurde, reichte jedoch nicht. Um den Neubau bekannt zu machen, entschloss sich Ashampoo-Geschäftsführer Heinz-Wilhelm Bogena, seinen roten Porsche 911 Carrera zugunsten der Arena bei eBay zu verkaufen.


"Wir wollten zusammen alt werden"

Der 44-Jährige klickt nun "ungefähr alle Viertelstunde den Reload-Button", um bei eBay nach seinem Auto zu schauen. Fünf Jahre lang war das "rote Baby" in seinem Besitz, "und eigentlich habe ich immer gesagt, dass wir beide zusammen alt werden. Dass ich ihn nun versteigere, ist einfach ein Zeichen, wie ernst es uns allen mit dem Projekt ist."
Denn der gelernte Steuerberater möchte "die Sache zwar mit witzigen Ideen, aber eben auch seriös und bodenständig" durchziehen: "Falls wir sehen, dass die Arena nicht zu realisieren ist, bekommen alle, die Spenden auf das Treuhandkonto eingezahlt haben, ihr Geld zurück."

Nur der rote Porsche wäre dann für nichts und wieder nichts versteigert worden, was Bogena mit einem knappen "Tjoa, so wäre das dann", kommentiert.

Die große Autoliebe hatte vor fünf Jahren mit einer Probefahrt begonnen. "Mein Cousin hatte sich einen alten Porsche gekauft und ließ mich ans Steuer. Das Probefahren begann erstmal damit, dass ich das Zündschloss auf der rechten Seite suchte", lacht Bogena.
Als es dann schließlich losging, "war meine Leidenschaft sofort geweckt. Weil der Porsche 911 noch ein richtiges Auto ist, bei dem man das Gefühl hat, dass das Gaspedal mit dem Asphalt verbunden ist." Und das vom Fahrer mehr verlange als nur Pedal durchtreten, "denn moderne Sicherheitsssteme wie Airbags fehlen natürlich."

Kurze Zeit später hatte Bogena dann sein eigenes richtiges Auto, "ein KFZ-Meister bot einen an, ich fuhr hin, machte das Scheunentor auf und da stand er. "In Rot, was die Kaufentscheidung wohl erleichterte, denn Bogena ist in puncto Auto-Aussehen Traditionalist. "Mein anderes Fahrzeug ist ein Mercedes SL, mit silberner Karosserie und roten Sitzen, denn genau so wie die alten Modelle aus den Fünfzigern hat der Wagen auch in Neu auszusehen."

Dem Porsche Original-Leder spendiert

Technisch in sehr gutem Zustand, wurde der Porsche Carrera von seinem neuen Besitzer entsprechend aufgemöbelt: "Ich habe für die Sitze sogar Original-Leder gekauft und dies von einem Sattler einarbeiten lassen."

Der Motor wurde vor knapp 50.000 Kilometern generalüberholt, beziehungsweise "auf Null gesetzt", wie es der begeisterte Freizeitpilot Bogena nennt.

Trotz der uneingeschränkten Alltagstauglichkeit muss der Carrera nicht bei jeder Witterung auf die Straße: "Winter mag er nicht, nasse Straßen mag er nicht, alles, was an Wetter übrig bleibt, kann er gut leiden", sagt Bogena, außerdem "fühlt er sich bei langen Strecken auf der Autobahn so richtig wohl."

Bogena genieße "dieses Urgefühl des Autofahrens" beschreibt er seine Faszination für den Wagen: "Als ich ihn kaufte, wurde mir gesagt, dass ich kein Radio brauche, denn die Musik käme von hinten. Und wirklich, der Porsche hört sich an wie ein richtiges Auto, ab 140 km/h wird er richtig laut."

Wird es denn einen Abschieds-Ausflug mit dem roten Flitzer geben? "Nein", bedauert Bogena, "der Porsche steht jetzt vor einem Geschäft in der Oldenburger Innenstadt, um für den Stadionneubau zu werben." Dies sei die definitiv letzte Fahrt der beiden gewesen, an deren Ende sich der baldige Ex-Besitzer mit einem wehmütigen "So, alter Junge, das war´s" von seinem Fahrzeug verabschiedet habe. "Denn ich gehe davon aus, dass das Auto einen respektablen Preis erreicht, deswegen verkneife ich mir ab sofort jede weitere Spritztour - man muss das Schicksal ja nicht herausfordern."

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