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Edscha streicht 1.000 Jobs

Foto: Edscha

Der Autozulieferer Edscha will kurzfristig 1.000 Stellen abbauen - rund jeden siebten Arbeitsplatz. Mehrere Werke könnten geschlossen werden.

15.08.2005

"Wir haben zu viele Werke und müssen daher so schnell wie möglich unsere Kapazitäten verringern. Von unseren rund 6.900 Arbeitsplätzen werden wir bis spätestens Anfang 2006 etwa 1.000 abgebaut haben", sagte Edscha-Vorstandschef Manfred Puhlmann dem Branchenblatt "Automobilwoche". Allein in Deutschland will Puhlmann "kurzfristig mehr als zehn Millionen Euro an Personalkosten einsparen", mittelfristig sollen es weltweit 20 Millionen sein. Finanzvorstand Peter Mazzucco und Bereichsvorstand Hagen Wiesner, die den neuen Kurs nicht mittragen wollten, wurden von ihren Ämtern entbunden. Er habe beide Funktionen kommissarisch übernommen, sagte Puhlmann.

Werke im Ausland werden geschlossen

Edscha wurde 2002 von dem Finanzinvestor Carlyle übernommen. Die Investmentfirma hatte die Kredite zur Übernahme des Autozulieferers auf Edscha übertragen und im April im Zuge einer Rekapitalisierung 60 Millionen Euro aus dem Unternehmen erhalten. Dafür musste Edscha der "Automobilwoche" zufolge die Verschuldung erhöhen. Im Juni habe der Konzern seinen Kreditverpflichtungen nur mit Mühe nachkommen können, schreibt das Blatt. Hintergrund des Personalabbaus sei das Ziel von Carlyle, sich so bald wie möglich von Edscha zu trennen. Das Unternehmen war am Samstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Verteilung des geplanten Stellenabbaus wurde nicht genannt. In den Werken Hengersberg und Hauzenberg sollen die Personalausgaben "um mehr als zehn Prozent" sinken, am Unternehmenssitz in Remscheid um bis zu 20 Prozent, sagte Puhlmann. Geprüft werde eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, Verlagerungen und Gehaltskürzungen. Endgültige Ergebnisse aus den Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall sollen bis Mitte September vorliegen. Bei der Entwicklungstochter IVM plane der Vorstand "selektive" Personalanpassungen. Verschont blieben die Sparten Cabrio-Dachsysteme und Lkw-Schiebeverdecke.

Massive Einschnitte stünden in vier der 15 Fertigungsstätten der Sparten Scharnier- und Betätigungssysteme bevor. Die Werke in England, Frankreich, Portugal und Kanada "werden wir schließen oder Kapazitäten verlagern", sagte Puhlmann.

Nach Informationen der "Automobilwoche" ging der Edscha-Umsatz in dem Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr um fünf Prozent auf 934 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 99 Millionen Euro nur knapp unter dem Vorjahreswert von 102 Millionen. Der Edscha-Aufsichtsratsvorsitzende und Carlyle-Deutschland-Chef Heiner Rutt sagte, die Verschuldung von Edscha liege knapp über dem vierfachen EBITDA. "Marktüblich ist das bis zu Siebenfache. Edscha ist also nicht überschuldet."

Die"Financial Times" hatte vor wenigen Tagen berichtet, Edscha sei im Schlussquartal des Geschäftsjahres von einem schwächeren US-Automarkt und den allgemeinen Problemen der Zuliefererbranche durch die harten Preiskämpfe getroffen worden. Im Juli dürften sich die Umsätze jedoch wieder erholt haben. Investoren würden darauf verweisen, dass Edscha durch die Rekapitalisierung bessere Finanzierungsbedingungen erhalten habe.

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