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Edzard Reuter wird 80

Foto: dpa

Edzard Reuter, von 1987 bis 1995 Chef des Daimler-Benz-Konzerns und früher einer der mächtigsten Manager in Deutschland, wird am Samstag (16.2.) 80 Jahre alt.

15.02.2008

Mit Milliarden-Aufwand hatte er Mitte der 80er Jahre aus dem Autobauer Daimler-Benz ein Technologie-Imperium geschmiedet, zu dem unter anderem AEG, Dornier und MTU gehörten. Doch seine Vision scheiterte. Heute ist der Stuttgarter Daimler-Konzern wieder im ursprünglichen Kerngeschäft, dem Automobilbau, angekommen.

Größter Kapitalvernichter

"Die Welt geht weiter. Ich pflege nicht zurückzuschauen. Es hat sich viel verändert in der Welt", sagt Reuter jetzt kurz vor seinem Geburtstag, zu dem es "keine Feier irgendwelcher Art auch immer" geben wird. Um dann dennoch seine Vision vom Technologiekonzern, die ihm den Vorwurf "größter Kapitalvernichter" eingebracht hatte, zu verteidigen.

"Ich bin unverändert der Meinung, dass dieser Ansatz, den Automobilbau in Richtung Hochtechnologie zu verändern, richtig war." Automobilbauer, die hochwertige Fahrzeuge herstellten, müssten im Verbund mit besten Technologien ihr Wachstum absichern. Reuter betont aber auch: "Ich habe vollen Respekt davor, was die Kollegen im Daimler-Vorstand derzeit mit ihrer vollen Ausrichtung auf das Auto tun." Dies sei deren Entscheidung, sie hätten das Sagen. Reuter, Sohn des legendären Berliner Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, räumt ein, dass sein Verhältnis zum Konzern nach seinem Ausscheiden für längere Zeit so gut wie tot war.

Nach Schrempp und Kopper "wieder alles in Ordnung"

Nachdem sein Nachfolger Jürgen Schrempp und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper das Unternehmen verlassen hätten, "ist aber jetzt wieder alles in Ordnung". Schrempp, Reuters Zögling und Nachfolger, wollte Daimler ebenfalls neue Konturen geben und zu einer "Welt AG" umbauen. Was Reuter zusammengekauft hatte, wurde wieder abgestoßen, stattdessen wurde Chrysler in den USA übernommen. Doch auch Schrempp scheiterte. Immerhin: Reuter hat den Namen Schrempp nicht in den Mund genommen, als er feststellen musste, dass es noch "größere Kapitalvernichter" als ihn gegeben hat.

Erste globale Unternehmensstruktur

1964 war Reuter zu Daimler-Benz nach Stuttgart gekommen und wurde dort 1976 Vorstandsmitglied. Zweimal hatte sich Reuter Hoffnung auf den Chefposten gemacht, bevor es dann endlich 1987 klappte. Übergangen wurde Reuter, weil die Deutsche Bank damals kein SPD-Mitglied an der Spitze von Deutschlands Vorzeigeunternehmen wollte. Doch später hatte Reuter die Deutsche Bank auf seiner Seite. Zusammen mit deren Chef Alfred Herrhausen, der zugleich dem Daimler-Aufsichtsrat vorstand, entwickelte Reuter als einer der ersten globale Unternehmensstrukturen. Dafür wurde er zunächst als "visionärer Wirtschaftslenker" gelobt. Später, als der Erfolg auf sich warten ließ, aber hart kritisiert. Der fast asketisch wirkende Manager hat nicht selten seine prominente Stellung in die Waagschale geworfen, um sich zur Sozialpolitik und Unternehmensmoral zu äußern. "Shareholder Value", also die Unternehmensausrichtung nur auf den Börsenkurs, "stellt unser Verständnis von sozialer Verantwortung auf den Kopf", sagte er.

Millionen für Manager: Sodom und Gomorrha

Spitzenmanagern zweistellige Millionenbeträge als Gehälter oder Abfindung zu zahlen, nannte er abwegig. Damit nähere man sich "Sodom und Gomorrha", kritisierte Reuter einst den "Turbokapitalismus".

Daimler & Nationalsozialistmus: Reuter klärte auf

Heute kümmert er sich um die Helga- und Edzard-Reuter-Stiftung, mit der er sich für die Völkerverständigung einsetzt. Reuter war es auch, der die Verflechtung des Konzerns mit den Nationalsozialisten und den Einsatz von Zwangsarbeitern wissenschaftlich aufarbeiten und breit dokumentieren ließ. Nur eine Auszeichnung habe er bisher angenommen, sagt Reuter, nämlich die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin, in der Reuter als Daimler-Chef zig Millionen Euro in den Potsdamer Platz investierte. Der Kunstfreund Reuter kümmert er sich an vorderster Stelle um das Bauhaus-Archiv in Berlin. Auch mit 80 ist er noch voll aktiv. "Ich segle noch sehr gerne und laufe kräftig Ski", lautet seine Antwort zur aktuellen Freizeitbeschäftigung.

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