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Eifel Classic 2009

Die Geister rund um den Nürburgring geweckt

Eifel Classic 2009 Foto: Hardy Mutschler, Reinhard Schmid 51 Bilder

Die einsamen Regionen der abgelegenen Eifel wirken wie aus einer verwunschenen Märchenwelt mit Hexen und Zauberern. 150 Oldtimer machten sich im Zuge der ersten Eifel Classic auf Spurensuche.

04.11.2009 Birgit Priemer Powered by

Man muss sie gar nicht immer rufen - manchmal kommen sie von ganz allein. Eifelgeister sind schließlich hochprozentige Trostspender für jene, die im Rahmen der ersten Eifel Classic die Wertungsprüfung auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings so richtig in den Sand gesetzt hatten: Die 3,58 Kilometer lange Strecke durfte in einem Zeitfenster von drei bis fünf Minuten durcheilt werden, um auf der nächsten Runde exakt die selbst vorgegebene Zeit wieder zu treffen.

Was in der Theorie schon kompliziert klingt, erwies sich in der Praxis als noch diffiziler. Wer im Beifahrer-Lehrgang nämlich den richtigen Umgang mit der Stoppuhr gelernt hatte, der verlor bei dieser komplexen Prüfung mitunter den Überblick über sein Roadbook: "Wir haben die Ausfahrt verpasst", gestand Ehepaar Elfi und Christian Lung, was dem Punktekonto alles andere als zuträglich war. "Aber wir lassen uns trotzdem nicht scheiden." Das wäre auch schade, denn die Rallyedebütanten machten in ihrem erst vor drei Monaten erworbenen Austin Healey 3000 MKI eine ausgesprochen gute Figur.

Walter Röhrl ließ das Regelwerk kalt

Auch Rallye-Weltmeister Walter Röhrl kümmerte sich wenig um das Regelwerk. Beifahrer Christian Geistdörfer hatte keine Chance, den Rennfahrer an die Kandare beziehungsweise Stoppuhr zu nehmen und erntete für Bestzeiten auf der Nordschleife ebenfalls satte Strafpunkte. Egal: Dem Team wurde auch ohne Eifelgeist warm ums Herz, so viel Spaß machte selbst Profis die Auslegung dieser Rallye. Die Nordschleife, die Grand-Prix- Strecke des Nürburgrings und das Goodyear-Testgelände in Colmar-Berg waren zwar die sportlichen Aushängeschilder der insgesamt 611 Kilometer langen Tour, die über drei Tagesetappen bis nach Luxemburg führte.

Doch auch dazwischen war der Spaßfaktor hoch: Endloses Kurvengeschlängel zauberte vielen Teilnehmern ein Lächeln ins Gesicht. Wer kennt schon die weiten Landschaften bei Leudersdorf, Burg Kerpen, Hillesheim oder die Vulkaneifel bei Steffeln, die alle durch so enge Kurvenverläufe miteinander verbunden sind, dass es für die ausladene Karosserie eines Lagonda Le Mans oder Alvis Silver Eagle Special schon mal eng werden kann. Ein kleiner Renault Dauphine von 1960 schnurrt mit seinen 31 PS dagegen problemlos dahin, lässt das Herbstlaub um die schmalen Reifen wirbeln und vermittelt Besitzerpaar Horst und Karin Musial das Gefühl, sie sicher ans Ziel zu bringen: "Wir haben das Auto von 1972 an zehn Jahre gefahren, dann im restaurierten Zustand eingemottet und es vor zehn Jahren wiederbelebt", erzählen die Schweizer.

Heizdecken waren gefragt

Ganz so zuverlässig erwies sich der Morris Mini von Designer Ginger Ostle nicht: "Der Magnet des Anlassers ist tot", erzählt der Engländer in der Mittagspause bei Biersdorf am See. "Jetzt musss ich mit dem Schlüssel immer einen Kurzschluss erzeugen oder das Auto anschieben." Seinen Beifahrer trieben indes ganz andere Sorgen um: "Warum kann man hier eigentlich keine Heizdecken kaufen?" Eine Frage, die sich so mancher stellte. Morgens, wenn die Eifel aus dem Tiefschlaf erwachte, waren es nicht mehr als vier Grad, mittags zeigte sich aber immerhin die Sonne.

Die schien auch für Audi-Traditionschef Thomas Frank, der anlässlich des 100-jährigen Jubiläums die Schätze der Marke besonders in Szene setzte und sogar einen Auto Union Typ D ins historische Fahrerlager des Nürburgrings rollen ließ. Mit Bernd Rosemeyer im Urquattro hatte er zudem den Sohn der Rennfahrer-Legende dabei. "Über die Auto Union hat Audi als Marke einfach eine innige Beziehung zum Nürburgring", sagte Thomas Frank. Die pflegt auch Porsche, und Historienpapst Klaus Bischoff ließ es sich nicht nehmen, seine zwei Autos im Feld, den 550 Spider und einen 356 Super 90 jeden Morgen persönlich abzuklatschen: "Machet mir keine Schande", feuerte der gebürtige Schwabe seine Fahrer an, die immerhin den Sieg bei der Wertungsprüfung Biersdorf am See mit nach Hause nehmen durften.

Gute Stimmung bei Currywurst und Bierchen

Zur entspannten Stimmung trug zweifellos auch das gesamte Umfeld der Rallye bei. Bierchen und Currywurst nach Abschluss eines Fahrtages im historischen Fahrerlager, die neue Eifel-Welt mit unzähligen Restaurants und Kneipen auf der anderen Straßenseite und ein Hotel mit Blick auf die Grand- Prix-Strecke - für Motorsportfans ein Traum. Erst am letzten Fahrtag hieß es Kofferpacken Richtung Luxemburg. Der Weg dorthin durch die abgelegensten Dörfer der Eifel mit abwechselnd schwarzen, weißen oder braunen Kühen ließ manchen daran zweifeln, überhaupt noch in Deutschland zu sein.

Ford-Designchef Martin Smith hat für die Reize der Landschaft indes kein richtiges Auge mehr: "Meine Frau hat bei der Wertungsprüfung auf dem Dunlop-Testgelände in Wittlich vergessen, die Stoppuhr zu drücken. Deshalb haben uns acht Sekunden gefehlt." Gattin Laura sah den Vorgang - mit Verlaub - etwas anders. Schwamm drüber. Der Gesamtsieg ging an die Konkurrenz Wolfgang Scholz, Opel-Classic-Chef, und Hans-Werner Wirth, die in einem Opel Manta 400 vor dem italienischen Team Viaro/Inverdi überaus erfolgreich unterwegs waren.

Drei Tage wurde die sonst so verschlafen wirkende Eifel durch die Oldtimer-Rallye auf Trab gehalten, und mancher Ureinwohner rieb sich verwundert die Augen, wenn ein Morris Minor Cabrio oder ein seltener Intermeccanica Indra an seinem kleinen Häuschen mit Schieferdach und buntem Blumenbeet im Vorgarten vorbeizischte. Nachdem das 150 Autos umfassende Starterfeld bis hin zum Volvo PV 544, einer Shelby Cobra und einem NSU TT bei der Pilgerstätte Maria Laach den Parkplatz nach der Mittagspause wieder komplett geräumt hatte, blieb nur einer zurück: ein Mönch, mit seligem Lächeln im Gesicht und einem Eifel Classic-Roadbook unterm Arm. Die Oldtimer sind alle längst wieder entschwunden. Nur die Eifelgeister sind ihm geblieben.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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