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Eifel Classic 2011

Auf der Sonnenseite des Lebens

Riley TT Sprite Special, Leßmann, Tschentschener Foto: Hardy Mutschler 21 Bilder

Drei wunderbare Spätsommmertage am Stück? In der Eifel? Doch, das gibt’s – passend zur 3. Eifel Classic.

10.11.2011 Hans-Jörg Götzl Powered by

Eisdielen sind in der Eifel offenbar Mangelware, und wer in diesem Jahr den Oldtimer-Grand Prix auf dem Nürburgring besucht hat, wird sich darüber auch nicht wundern. Mein Beifahrer Michael dagegen, der im wirklichen Leben Bands wie Metallica mit der Leica begleitet, wittert sofort eine Geschäftsidee: "Eine Eisdiele - am besten gleich eine ganze Kette - müsste hier doch prima laufen."

"Naja", entgegne ich, während ich den Audi 100 Coupé S aus dem Werksmuseum für die nächste Wertungsprüfung in Position bringe: "Der wärmste Monat hat in der Hocheifel eine Durchschnittstemperatur von 14 Grad - statt Eis in der Eifel kannst du auch Kühlschränke an die Eskimos verkaufen."

Maximalwerte bei der Eifel Classic 2011

Michael mag es gar nicht glauben und verweist auf ein Thermometer, das knapp 28 Grad im Schatten anzeigt. Tatsächlich steigt die Temperatur an allen drei Rallyetagen der Eifel Classic 2011 auf diesen Maximalwert, zwischen Nideggen im Nordosten, Trier im Süden und Burgbrohl im Westen spannt sich ein wolkenloser Himmel in bestem Côte d‘Azur-Blau. Unter diesen Bedingungen erscheint einem die Vulkanlandschaft rund um den Nürburgring wie das gelobte Land, und wenn ich nicht schon so oft im Fahrerlager Eis von der Windschutzscheibe gekratzt hätte, würde ich mich jetzt mit Umzugsgedanken tragen.

Das sensationelle Wetter sorgt bei allen 150 Teams der Eifel Classic 2011 für strahlende Gesichter und hat bei manchen Teilnehmern auch die Wahl des Einsatzfahrzeugs beeinflusst. "Wenn es geregnet hätte, wäre ich mit einem Porsche 914/4 gefahren", erklärt Jochen Leßmann aus Kronenberg bei Frankfurt. Angesichts der Wettervorhersage aber hat sich der 48-Jährige doch lieber für kernigeres Material entschieden: Seinen Riley TT Sprite Special von 1935.

All swimming in oil

Wobei sich der offene englische Zweisitzer dennoch an einigen Stellen recht feucht zeigt: "Das Getriebe schwitzt, das Differenzial ölt, und im Werkzeugfach steht das Öl mittlerweile ziemlich hoch", grinst Leßmann. Weil aber nur dort Schmierstoff austreten kann, wo noch welcher drin ist, sieht der Vorkriegsfahrer die Sache gelassen und wird auch wohlbehalten das Ziel Eifel Classic 2011  erreichen.

Während der Riley zusammen mit einem 1929er Bentley 4.5 litre Le Mans Tourer das untere Ende der Baujahrsskala markiert, rundet der 1990er BMW Z1 von Uli Sauer neben einem Porsche 964 und einem exotischen VW Golf Country das Feld der Eifel Classic 2011 nach oben ab. Sauer dürfte den meisten eher als unerschütterlicher BMW 328-Fahrer bekannt sein, der seit 1973 keinen Oldtimer-GP verpasst hat - auch der 69-Jährige ist ein Wanderer zwischen den Welten.

Die Teams der Eifel Classic 2011 finden lobende Worte

Vor allem nach der zweiten, 404 Kilometer langen Etappe ist Sauer indes froh, den Z1 gewählt zu haben. "Das war ganz schön lang", schnauft er abends im historischen Fahrerlager am Nürburgring, das für alle drei Eifel Classic- Tage als Start- und Zielort dient. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt: "Die Strecke war super", lobt er.

Auch die anderen Teams der Eifel Classic 2011 sparen nicht mit Superlativen: Schon der Auftakt durch den nordöstlichen Teil der Vulkaneifel führt durch wunderbare Landschaften, der dritte Tag Richtung Norden zu den Ursprüngen des Eifelrennens ist ebenfalls großartig. Der zweite Abschnitt aber Richtung Trier, auf der die Rallyeroute immer wieder die Mosel berührt, macht manche schlicht sprachlos. Und selbst alte Haudegen mit vielen Mille Miglia oder Histo-Monte auf dem Buckel meinen, die 404 Kilometer gehören zum besten, was man je am Steuer eines Rallyeautos erlebt habe.

Fahrspaß auf der Nordschleife

Auf diesen Strecken erscheint die Fahrzeugwahl nebensächlich, nichtsdestotrotz haben wir mit dem Audi 100 Coupé in der Farbe Coralle einen guten Griff getan: Der 1,9-Liter-Vierzylinder mit 112 PS gibt sich so elastisch wie kräftig, die Bremsen beißen gut, und das Fahrwerk erlaubt erstaunlich hohe Kurvengeschwindigkeiten - nur das lästige Untersteuern müsste man dem Coupé austreiben. Auf jeden Fall vermittelt der Audi so viel Fahrspaß, dass wir auf Nordschleife und GP-Kurs auf die Gleichmäßigkeitswertung pfeifen und so fahren, dass es noch mehr Spaß macht.

Abonnement auf den Thron

Der Rallyethron der Eifel Classic 2011 ist ohnehin an Eifel Classic-König Hanns-Werner Wirth vergeben, der mit Beifahrer Thomas Darchinger im Opel Commodore B GS auch die dritte Auflage in Folge gewinnt. Wie macht der 46-Jährige das bloß? "Wichtig ist, über alle drei Tage die Konzentration aufrecht zu halten, schnell über Start und Ziel zu fahren sowie konstant auf dem Gas zu bleiben und nur mit der Bremse korrigieren." Aha. Klingt ja ganz einfach.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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