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Eifelrennen Nürburgring

Frischer Wind

Foto: Frank Herzog 24 Bilder

Von wegen alter Wein in neuen Schläuchen: Der ADAC Nordrhein hat seine klassische Herbst-Veranstaltung auf dem Nürburgring von Grund auf restauriert - das Resultat trägt den altehrwürdigen Namen Eifelrennen zu Recht.

28.11.2008 Hans-Jörg Götzl Powered by

Die gute deutsche Eiche, botanisch Quercus robur, wächst in einem Jahr durchschnittlich 30 Zentimeter in die Höhe, eine gewöhnliche Fichte (Picea abies) 40 Zentimeter und eine Rotbuche (Fagus silvatica) gar einen halben Meter. Kein Wunder, dass Gijs van Lennep auf der ersten Nordschleifenrunde seit mehr als drei Jahrzehnten zeitweilig meint, er fahre im Wald.

"Nicht zu glauben, wie sich das hier verändert hat", staunt der zweifache Le Mans-Sieger: "Als ich 1976 zum letzten Mal das 1000 km-Rennen mit einem RSR gefahren bin, sah alles ganz anders aus. Am Flugplatz beispielsweise war alles frei, und jetzt steht da Baum an Baum."

Porsche-Rudel der Kunststoff-Ära

Was den Holländer nicht davon abhält, mit seinem Porsche 550 Spyder kräftig Gas zu geben und der vor ihm fahrenden Startgruppe schwer auf den Pelz zu rücken. Diese wird angeführt von Klaus Ludwig im kurzerhand zum Pace-Car umfunktionierten Porsche 935 und besteht aus lauter Rennporsche der sogenannten Kunststoff-Ära vom 904 bis zum 962. Darunter auch drei 917 - selbst David Piper ist mit seinem grünen Exemplar am Ring.

Van Lennep wiederum führt die Klasse der Aluminium-Fahrzeuge vom 550 Spyder bis zum RSK 718 an - insgesamt sind es mehr als 50 Fahrzeuge mit dem Stuttgarter Wappen, die mehrere Runden lang über die Nordschleife toben. Was für die rund 28.000 Zuschauer des Eifelrennens nicht nur optisch, sondern auch akustisch einen Höhepunkt bedeutet: Das Klangspektrum reicht vom heiseren Kreischen der Königswellenmotoren über das Brüllen der Achtund Zwölfzylinder bis zum Brausen der Turbo-Aggregate.

"Legenden leben" nennt sich diese Leistungsschau, ausgedacht vom Leverkusener Porsche-Restaurierer Harald Hackenberg. "Die Idee war, die Racer und die Sammler zusammenzubringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam auf der Nordschleife zu fahren", erklärt der 49-Jährige. Außerdem wollte Hackenberg die Autos alle an einem Ort im Fahrerlager versammeln: "Sonst stehen die Fahrzeuge doch verstreut in allen vier Ecken."

Das Ergebnis ist ein großes weißes Zelt hinter dem Start-Ziel-Haus, das beinahe halb so lang ist wie die gesamte Boxengasse - und bei dessen Inhalt sich der sonst so eloquente Streckensprecher Johannes Hübner bei jedem Exponat auf die wichtigsten Details von dessen jeweiliger Geschichte beschränken muss, um den Zeitplan halbwegs einzuhalten.

Die allerschönste Strecke, die es je gegeben hat

Nun wäre allein die Porsche-Versammlung Grund genug, das Eifelrennen zu besuchen. Doch Organisationsleiter Peter Geishecker hat sich zusammen mit Henning Meyersrenken und Marcus Herfort noch etliche weitere Attraktionen einfallen lassen, um die Veranstaltung, die in den vergangenen Jahren unter dem Namen Nürburgring Classic ins Schlingern geraten war, wieder auf Kurs zu bringen.

Darunter die historische Formel 1 bis 1985 mit zwei packenden Läufen, in denen sich der Spanier Joaquin Folch im Williams FW 08 und der Brite Peter Sowerby im Williams FW 07 an der Spitze in etwa genau so lieb haben wie im vergangenen Jahr Alonso und Hamilton. Oder die Formel 1 der Baujahre 1958 bis 1965, der Graf Berghe von Trips-Pokal mit seiner bunten Monoposto-Mischung, die Formel Junior, die Formel V und die GTC/TC.

Dazu kommen die mehr als 250 Starter der Gleichmäßigkeitsprüfung, die in zwei Gruppen (bis 1965 und bis 1978) über die Nordschleife eilen und zu der beispielsweise das Veteran Car Team aus Bozen gleich mit elf Autos angereist ist. Grund: "Nordschleife fahren ist einfach das Größte", so das Statement von 356-Fahrer Fuzzy Kofler.

Die 20,8 Kilometer lange Eifelbahn, auch für Gijs van Lennep "die allerschönste Strecke, die es je gegeben hat", ist in der Tat für alle Teilnehmer der Hauptanziehungspunkt des Eifelrennens. Auch für die Formel 1-Fahrer, die ebenso ein paar Demo-Runden auf der Piste drehen - die ihnen seit Laudas Feuerunfall von 1976 verwehrt ist -, wie die Formel Junior. Und natürlich die rund 100 Vorkriegsfahrzeuge, die zum Classic Drivers Club (www.classicdriversclub.de) gehören, der hier vor genau einem Jahr mit 17 Autos gegründet wurde und nun 145 Mitglieder zählt.

Neun Kompressor-Mercedes pfeifen um die Wette

Für die Vorkriegsfahrzeuge wurde die Nordschleife gebaut. Kein Wunder, dass sie sich hier am wohlsten fühlen und die Piloten nicht genug bekommen können. Familie Kern etwa ist gleich mit drei Kompressor-Mercedes per Achse angereist und hat kurzerhand in jedem Lauf genannt, der über die Eifelbahn führt. "Da kommen immerhin 20 Runden zusammen", freut sich Markus Kern.

Neun Kompressor-Mercedes stehen insgesamt im alten Fahrerlager aufgereiht - "ich wüsste keine andere Veranstaltung, bei der in diesem Jahr mehr Exemplare zusammen waren", meint Mercedes-Museumschef Michael Bock. Übertroffen wird der Schrei der weißen Elefanten nur noch vom Zwölfzylinder des Mercedes W 154-GP-Wagens, den Jochen Mass in regelmäßigen Abständen um den GP-Kurs jagt.

Alles zusammen sorgt, nicht zuletzt mit einem historisch dekorierten Fahrerlager, für eine Atmosphäre, die altgediente Fahrer und Zuschauer an die Eifel-Klassik erinnert, die 1988 von Motor Klassik mitbegründet wurde und die im Prinzip den Vorläufer der Veranstaltung darstellt. "Es ist eine wunderschöne Symbiose aller Teilnehmer, vom Markenclubfahrer, der vielleicht zum ersten Mal auf der Nordschleife unterwegs ist, bis zum eingefleischten Rennfahrer", meint der stellvertretende Organisationsleiter Marcus Herfort.

Tragischer Unfall mit Todesfolge

Getrübt wird die Stimmung allerdings durch einen tragischen Unfall: Beim 400 km- Rennen auf der Nordschleife, im Unterschied zu den Regenschlachten der vergangenen Zeit bei bestem Wetter ausgetragen, kommt der Schweizer Hansruedi Portmann mit seinem Mustang im Abschnitt Wehrseifen aus ungeklärter Ursache und ohne Fremdeinwirkung von der Strecke ab und erliegt später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Als die Nachricht vom Tod des 62-Jährigen bekannt wird, beraten die Koordinatoren der drei teilnehmen Serien ADAC Classic Trophy, FHR Langstreckencup und Triumph Competition lange, ob sie den zweiten Lauf starten sollen. Organisationsleiter Peter Geishecker beruft schließlich eine Fahrerbesprechung ein, bei der sich alle 150 Teams zu einer Schweigeminute erheben, und verkündet mit brüchiger Stimme: "Wir alle kennen Hansruedi seit vielen Jahren als engagierten Fahrer - es wäre in seinem Sinn, weiterzumachen."

So gehen die Fahrer erneut auf die Strecke, wenn auch mit gemischen Gefühlen. Am Ende gewinnen Peter und Achim Heinrich im heulenden BMW M1 die erste Gruppe für Fahrzeuge bis 1981, Reinhold Gröpper setzt sich im Mustang bis 1971 durch.

Ohne den Unfall wäre das neue Eifelrennen das perfekte Rennwochenende gewesen, und für 2009 kann man der Organisation ein so schnell nicht erwartetes Problem prophezeien: Überfüllung. "Allein "Legenden leben" wird doppelt so viele Teilnehmer anziehen, wenn beispielsweise die Amerikaner mitbekommen, dass sie hier mit ihren Rennporsche auf der Nordschleife fahren dürfen", sagt Harald Hackenberg.

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