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ADAC Eifelrennen 2010

Munteres Kreiseln bei eisigen Temperaturen

adac eifelrennen 2010 Foto: hardy mutschler 31 Bilder

Der Sommer, der ein Winter war: Auch beim 69. Eifelrennen auf dem Nürburgring zeigte sich das Wetter von seiner garstigen Seite - was die Rennen auf der Nordschleife mit vielen Drehern aber noch spannender machte.

22.06.2010 Hans-Jörg Götzl Powered by

Klarer Fall von Strategiepech: Da verlegt der ADAC extra das Eifelrennen vom September auf den eigentlichen, traditionellen Termin im Juni, weil da das Wetter besser sein soll und es abends länger hell ist, so dass man im Fahrerlager feiern kann - und dann bleibt der Sommer einfach weg. Temperaturen im einstelligen Bereich, ein eisiger Wind und muntere Regenschauer zwischendurch kurbelten den Verkauf warmer Jacken im Fahrerlager kräftig an.

180 Klassiker waren beim Eifelrennen am Start

Trotz des schlechten Wetters war das Eifelrennen ordentlich besucht: Immerhin 28.000 Zuschauer fanden laut Veranstalter den Weg an den Nürburgring, dazu kommen noch die zahlreichen Zaungäste an der Nordschleife. Und die bekamen einiges zu sehen. Das Rennen des Wochenendes war sicherlich das eigentliche Eifelrennen, nämlich das 300 Kilometer-Rennen für Tourenwagen und GT auf der kombinierten, gut 25 Kilometer langen Strecke aus Grand Prix-Piste und Nordschleife.
 
Rund 180 Klassiker waren hier am Start, die Mischung durch das weit reichende Reglement einzigartig: BMW M1 und M3 fanden sich ebenso in der Nennliste wie 2002 und 325i, Porsche 911 RS und RSR ebenso wie 914, 924 und 944, dazu kamen die üblichen Verdächtigen wie Alfa Bertone, Jaguar E-Type und Ford Mustang, aber auch Exoten wie NSU TT oder Saab 900. Für alle Beteiligten zog das Wetter langsam, aber sicher die Daumenschrauben an: Zum ersten Training am Freitag präsentierte sich die Piste noch trocken, zum zweiten Training am Samstag nieselte es zwischendurch - gerade genug, um neue Regenreifen anzufahren -, und zum Start am Sonntagmorgen schüttete es aus Eimern.

Viele Ausritte auf der Nordschleife

Was dazu führte, dass die ersten Autos noch in der Einführungsrunde von der Strecke kreiselten, und es nach dem Start munter so weiter ging. Die vielen Ausritte und Abflüge machten die Verhältnisse vor allem auf der berüchtigten Nordschleife nicht besser, zeitweise war etwa der gesamte Bereich Hatzenbach, Flugplatz und Aremberg komplett verölt. Das sorgte für etliche charakterbildende Momente etwa bei Querstehern am Flugplatz im fünften Gang, und nicht wenige Teilnehmer meinten anschließend, sie hätten jetzt genug Quersteher für den Rest ihres Lebens.
 
Besonders dankbar zeigte sich nach Rennende ein Teilnehmer, dem die Abnahme-Kommissare vor dem Rennen einen neuen Überrollbügel verordnet hatten: Nach einem Einschlag auf der Döttinger Höhe bei mehr als 200 km/h war sein Porsche als solcher nicht mehr zu erkennen, er selbst aber blieb weitgehend unverletzt - und bedankte sich anschließend bei den Abnahme-Kommissaren.

Motor Klassik war mit einem Porsche 924 am Start

Das Motor Klassik-Team aus Michael Küke und Hans-Jörg Götzl hatte unter diesen Umständen mehr Glück als Verstand und fuhr mit einem 155 PS starken Porsche 924 aus Kükes kleiner, aber feiner und seit 1963 mitten in Essen bestehender Werkstatt bis auf Rang 37 vor und feierte souverän den Klassensieg. Der Gesamtsieg nach zwölf Runden ging an Wolfgang Pohl im 911 RSR vor Pedro Sanchez im Carrera RS und Stefan Oberdörster und Andreas Gülden im 911 RS 3.0. Schlussendlich aber gilt nach diesem Rennen unter solch katastrophalen Bedingungen mehr als bei vielen anderen Gelegenheiten, was der achtplatzierte Bernd Langewiesche anschließend von sich gab: "Wenn man nach so einem Rennen im Fahrerlager vor seinem Auto sitzt, und das ist heil geblieben, dann hat man schon gewonnen."

Auch die Teilnehmer der verschiedenen Gleichmäßigkeitsprüfungen hatten natürlich mit den Bedingungen auf der Nordschleife zu kämpfen, gleiches gilt für die zahlreichen Vorkriegsfahrer des Classic Drivers Club. Hier war Thomas Kern mit seinem Mercedes-Benz SSK in seinem Element und trieb mit dem 1930 gebauten Wagen kilometerlang ein modernes Pace-Car vor sich her, dessen Fahrer anschließend einigermaßen fassungslos war. Kern wäre zusammen mit
Markenkollege Jochen Mass im SSK auch ein heißer Anwärter für den Sieg beim Elefantenrennen auf der GP-Strecke gewesen, bei dem wie seit 1930 in Le Mans üblich die großen grünen Bentley auf die großen weißen Mercedes trafen.

Das Elefantenrennen gewann der Bentley Mother Gun

Ein Reifenschaden indes setzte Kern schachmatt, und so gewann Michael Rudnig auf dem Achtliter Bentley Mother Gun, gefolgt von Stanley Manns neuestem Spielzeug: Der britische Bentley-Spezialist baute sich aus einem Dreiliter Chassis und einem Achtliter-Motor ein Schwesterauto für Mother Gun, Spitzname: The Other Gun.
 
Mercedes nahm die Niederlage gelassen und zeigte dafür dem begeisterten Publikum einen Querschnitt aus ihrer Sportwagengeschichte, vom Simplex von 1902 über SSK und dem 300 SLR Uhlenhaut Coupe und dem C 111 bis zum CLK GTR und SLS AMG, pilotiert von Roland Asch, Jochen Mass, Hans Herrmann, Bernd Mayländer, Dieter Glemser und Bernd Schneider. Vor allem Asch war hinterher völlig aus dem Häuschen - nicht nur, weil dem Schwaben der Simplex so viel Spaß gemacht hat, sondern weil er kurz zuvor im Fahrerlager seinen alten DTM-Mercedes entdeckt hatte: "Das ist einfach gigantisch hier, die Leute fragen, wie das damals war, da kommen die gesamten Erinnerungen hoch, einfach toll."
 
Aus dem Häuschen waren auch die drei Motor Klassik-Leser, die jeweils eine Mitfahrt in den Mercedes-Sportwagen gewonnen hatten, sowie die 150 Leser-Teams, die einen exklusiven Parkplatz am Motor Klassik-Zelt mitten im Fahrerlager genießen konnten und je einige Runden Nordschleife und Grand Prix-Kurs unter die Räder ihrer Klassiker nahmen. Dabei ging zwar leider einem Fahrer auf der Nordschleife die Straße aus, doch sonst herrschte trotz des Wetters eitel Sonnenschein: "Die Nordschleife ist einfach gigantisch, und auf der Grand Prix-Strecke konnte man richtig Gas geben", freute sich 928S-Beifahrer Echnaton Görigk aus Travemünde: "Es hat sich gelohnt, am Sonntagmorgen um sieben Uhr aufzustehen." In der Tat.         

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