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"Ein Quantum Trost"

Action-Dreh mit Hindernissen

Foto: Sony 23 Bilder

Es waren die gefährlichsten Dreharbeiten, die James Bond jemals erlebt hat - und das will etwas heißen. Denn die Macher des neuen Agenten-Abenteuers "Ein Quantum Trost" unterzogen nicht nur den Dienstwagen Aston Martin DBS dem ultimativen Härtetest.

06.11.2008

Eingefahren hatte James Bond (Daniel Craig) seinen aktuellen Dienstwagen ja schon im letzten Film-Abenteuer "Casino Royale": Dabei gelang es 007, sich nach einem spektakulären Ausweichmanöver auf einer Landstraße in Montenegro mit seinem über 1,8 Tonnen schweren Aston Martin DBS sieben Mal in der Luft zu überschlagen - und zu überleben. Der silberfarbene Aston im Wert von 240.000 Euro musste danach außer Dienst gestellt werden.

Ein Bond-Auto braucht mehr als sieben Leben

Wie viele Leben braucht ein Aston Martin, dessen Besitzer James Bond heißt? Auf jeden Fall mehr als sieben, haben sich die britischen Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael Wilson wohl gedacht und gleich acht Aston Martin DBS in großen Trucks zu den norditalienischen Locations Gardasee, Carrara und Siena geschickt.

Die gefährlichsten Dreharbeiten

Es sollten die gefährlichsten und kompliziertesten Dreharbeiten werden, die das Team bisher erlebt hat. Denn das Drehbuch sieht für die Eröffnungsszene von "Ein Quantum Trost" Spektakuläres vor: James Bond fährt in seinem Aston Martin (diesmal mit Mailänder Kennzeichen) die Seeuferstraße am Gardasee entlang, als plötzlich drei schwarze Alfa Romeo 159 die Verfolgung aufnehmen und 007 unter Beschuss nehmen. Weil die Kugeln an den gepanzerten Fenstern und Türen des Aston abprallen, greifen die Verfolger einen Lastwagen an - just in dem Moment, als Bond in einem langen, halboffenen Tunnel überholt.

Hier beginnt im Film das, was Stunt-Regisseur Dan Bradley ("Bourne Ultimatum", "Indiana Jones 4") eine "Kaskade des Chaos" nennt: Auf geplatzten Reifen gerät der Lastwagen ins Schlingern, donnert an die Tunnelwand, schleudert zurück und bohrt sich mit einem abstehenden Stahlbolzen in den Aston Martin, spießt ihn förmlich auf. Dann wird der Wagen Hunderte von Metern an den Betonsäulen des Tunnels entlanggeschleift. Die Fahrertür fliegt weg, die komplette Wagenseite ist aufgerissen. Mit einer 180-Grad-Schleuderdrehung kommt 007 mit seinem Aston frei.

Die Jagd geht weiter

Der nachfolgende Alfa donnert frontal in einen entgegenkommenden Kipplaster. Die Jagd geht weiter: Auch Carabinieri-Jeeps heften sich an Bonds Fersen. Im Verlauf der Verfolgung durch die Carrara-Marmorbrüche stürzt ein Polizeiauto in ein Haus, und der Aston weicht einem Traktor aus - auf nur zwei Rädern balancierend. Alle Verfolger sind schließlich ausgeschaltet. Bond kommt mit seinem ziemlich ramponierten Sportwagen in Siena an, wo bereits die nächste Herausforderung wartet.

Zehn Minuten Kino - viereinhalb Wochen Stuntarbeit

Was auf der Kinoleinwand zehn Minuten dauert, verlangt in Wirklichkeit viereinhalb Wochen harte Arbeit und ein Millionenbudget. Limone sul Garda, an der Gardasena Occidentale, jener malerischen Küstenstraße am westlichen Ufer des Gardasees: Der See hält sich ausgerechnet zum Besuch von James Bond tagelang äußerst bedeckt - unter dicken grauen Regenwolken.        

Filmfahrzeuge auf dem Weg zur Hölle

Doch der Drehplan muss trotzdem eingehalten werden. Straßen sind für den Urlauberverkehr gesperrt, Security-Leute sichern mit rotweißen Absperrbändern und strengen Ausweiskontrollen einen Parkplatz vor dem Hotel da Vinci. Hier liegt eines der drei Basislager der Filmproduktion, die sich mit insgesamt 275 Mann am Gardasee eingenistet hat. Und von hier aus schicken die britischen Techniker die Filmfahrzeuge in die Hölle - so nennen sie die Haarnadelkurven, die Tunnel und die Brücken rund um den See. Mechaniker unter großen blauen Zelten schrauben unentwegt am 007-Dienstwagen, der gleich in vierfacher Ausführung auf dem Parkplatz steht.


Aston Martin als Kamerawagen und Kugelfänger

Der Zwölfzylinder-Motor des DBS schöpft 510 PS aus sechs Litern Hubraum und beschleunigt in 4,5 Sekunden auf Tempo 100, Höchstgeschwindigkeit 305 km/h. Jedes Auto bekommt unterschiedliche Sonderausstattungen verpasst: Während dicke Regentropfen von der schwarz lackierten Außenhaut perlen, montieren Mechaniker akribisch eine aufwändige Metallkonstruktion an die Karosserie eines der Wagen. Sie muss die 35-Millimeter-Arri-Filmkamera tragen, die bei hohem Tempo nur eine Handbreit über dem Asphalt die packenden Verfolgungsszenen filmen soll.

Beim nächsten Aston wird eine Druckluftapparatur mit aufmontierten Mündungsläufen einer MP ausprobiert. Plopp - plopp - plopp. Kleine Plastikgeschosse knallen auf die Fahrertür. Mit echten Schussgeräuschen unterlegt, wird die Nahaufnahme später im Film maximal eine Sekunde lang zu sehen sein. Das Ergebnis des Kugelhagels ist beim nächsten Aston Martin bereits präpariert: zahlreiche Einschläge in Seitenfenster und Heckscheibe.

Schritt für Schritt-Zerstörung

Beim vierten DBS wird gerade die Fahrertür ausgebaut, die Fahrerseite ist komplett verkratzt; neben einigen echten Sprüngen im Alu- und Magnesium-Kleid ergeben akribisch aufgebrachte weiße Farbstreifen das perfekte Bild eines völlig verschrammten Fahrzeugs. Dem Autofan blutet das Herz, wenn er die Schritt-für-Schritt-Zerstörung dieser Traumwagen beobachtet. Dann stehen sie da, perfekt präpariert, wie Raubkatzen vor dem großen Sprung. Die Techniker sind fertig, alle standby.

Eine Strafe für Stuntmen

Hektische Betriebsamkeit erfasst nun das Team. Produktionsassistenten mit leuchtfarbenen Crew-Westen weisen Stuntleute und Fahrer von ausgewählten Urlauberautos an, einen Konvoi zu bilden. Mit dabei sind ein Pritschenlastwagen, der DBS mit aufgerissener Wagenseite, drei schwarze Alfa und ein State-of-the-art-Kamerawagen: eine Mercedes M-Klasse von AMG, bestückt mit einem beweglichen Schwenkarm namens Ultimate Arm und einem drehbaren, kardanisch gelagerten Spezialstativ. Alles wird per Joystick im Inneren des Wagens ferngesteuert. Im Schritttempo rollen die Autos Richtung Tunnel. Daniel Craigs Stuntdouble, der Rumäne Martin Ivanov, lässt den dunkel blubbernden V12-Motor des DBS kurz und eindrucksvoll aufröhren. Denn erst mal geht es nur sehr langsam los - eine Strafe für einen erfahrenen Stuntfahrer wie Ivanov ("Bourne Ultimatum").

"Rolling - go, go, go"

Der Kamera-Mercedes zieht vor den Konvoi. Sobald er in den Tunnel zwischen Limone und Campione eingefahren ist, prasseln die Kommandos durch alle Funkgeräte: "Rolling" (wir drehen) - "and go go go!" Alle Beteiligten sind hoch konzentriert. Jetzt zeigen Autos und Kameraleute, was sie können. Der Aston Martin zieht mit einem brutalen Aufjaulen los, die Verfolgerautos hinterher - der knackige Sound der 3,2-Liter-Alfa-Motoren schallt aus dem halboffenen Tunnel. Der erste 159 klebt fast am Heck des Aston, einer der beiden Insassen nimmt Bonds Auto unter Beschuss. Immer auf gleicher Höhe: der Mercedes-Kamerawagen mit seinem imposanten Schwenkarm, der die Action auch bei 120 km/h schneller Fahrt wackelfrei erfasst. "Cut." Die kurze Szene ist im Kasten.

Das Finale in der Höllenschlucht

Alle Fahrzeuge fahren zur nächsten Umkehrmöglichkeit kurz vor Campione, um sich für die nächste Szene wieder aufzureihen. Hinter dem langen Tunnel, auf der Gardesana in Richtung Gargnano, zweigt eine kleine Serpentinenstraße ab, die sich die Berge von Tremosine hinaufschraubt, hindurch durch Felsschluchten - mit spektakulären Ausblicken auf den Gardasee. La Forra, die Höllenschlucht, heißt sie. Dort wird wieder eine komplexe Szene gedreht - und für das Bond-Team zum echten Höllenritt, wie Insider später berichten. Auf der Tagesdispo steht die Szene, in der einer der drei Verfolger- Alfa einen Lkw überholt und dabei frontal in einen entgegenkommenden Kipplaster rast.

Nicht geplanter Crash

Für die Szene wurde der Alfa mit Crashtest-Dummys besetzt und mit Stahlstäben am Lastwagen befestigt, um für die kurze Aufnahme den Eindruck zu erwecken, dass beide Fahrzeuge nebeneinander fahren. Kurz vor dem geplanten Aufprall mit dem entgegenkommenden Laster sollen Sprengladungen an den Stahlstäben den Alfa wieder lösen. Als die Kameras rollen, läuft zunächst alles wie geplant. Doch kurz nachdem die kleinen Detonationen den Alfa freigesprengt haben, geht alles schief: Statt planmäßig von dem Kipplaster zermalmt zu werden, wird der mit Puppen bemannte 159 durch die Luft geschleudert. Er überschlägt sich und kracht auf den hinterherfahrenden zweiten Alfa Romeo, den die beiden Stuntprofis Aris Comninos und Bruno Verdirosi steuern. Ihr Auto schleudert durch die Wucht des Aufpralls in die Begrenzungsmauer der Straße und bleibt dort hängen: 20 Meter über dem Wasser des Gardasees pendelnd.

Haariger Crash - Unfreiwillige Tauchfahrt

Während die entsetzten Filmleute versuchen, das Auto vor dem Absturz zu sichern, klettert Beifahrer Verdirosi vorsichtig aus dem Auto. Doch Fahrer Comninos ist gefangen in seinem Sicherheitsharnisch. Mit schweren Kopfverletzungen wird er schließlich geborgen und nach Trient ins Krankenhaus geflogen. Die Dreharbeiten werden für den Tag abgebrochen. Tröstlich: Der Grieche Comninos ist inzwischen genesen und will beim nächsten Bond-Film wieder dabei sein. Auch ein zweiter spektakulärer Unfall geht glimpflich aus. Fraser Dunn, ein Aston Martin-Mitarbeiter, kommt auf dem Weg zum Drehort mit einem der 007-Autos frühmorgens von der regennassen Uferstraße ab, stürzt kopfüber in den Gardasee und sinkt auf den Grund. Die Nachricht ging um die Welt, da sich der 29-Jährige nach echter Bond-Manier in 50 Meter Tiefe aus dem Wagen befreien und an die Wasseroberfläche schwimmen kann. Während Dunn nur eine leichte Unterkühlung erleidet, wird der Aston Martin Nummer acht durch den Aufprall vollkommen zerstört. Allerdings stand das wirklich nicht im Drehbuch.

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