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Ein Tag beim Zoll in Weil am Rhein

Schmuggelgut auf der Spur

Zoll, Weil am Rhein, Kontrolle Foto: Ingolf Pompe 8 Bilder

Drogen, Waffen, Geldverschiebung – der deutsch-schweizerische Grenzübergang auf der A 5 in Weil am Rhein ist das Tor zur EU und die Reuse für Schmuggelgut jeder Art.

17.05.2013 Brigitte Haschek

Albert Stückle (Name geändert) flucht leise vor sich hin. Sieben oder acht Mal hat der Zollbetriebsinspektor schon die Geldzählmaschine vor sich gefüttert, doch sie gibt immer wieder mit vernehmlichem Piepsen Fehlermeldungen von sich. Schließlich nimmt der Apparat doch noch die Arbeit auf und quittiert artig den Durchlauf der beiden Bündel mit 500-Euro-Scheinen: 100.000 Euro, die ein Mann aus Belgien bei sich trug, als er aus der Schweiz nach Deutschland einreisen wollte. Es ist kein Verbrechen, mit so viel Geld unterwegs zu sein, doch sehr wohl eine Ordnungswidrigkeit im Sinne der Ein- und Ausfuhrbestimmungen zwischen der Europäischen Union und einem so genannten Drittland wie der Schweiz.

Alle Barbeträge ab 10.000 Euro müssen bei Ein- oder Ausreise angemeldet werden. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, wie der 55-Jährige aus der Wallonie, bekommt ein ordentliches Bußgeld aufgebrummt: 25 Prozent der Gesamtsumme plus ein Prozent Gebühr kassiert der Zoll gleich vor Ort. "Das Geld kann sogar vollständig von uns sichergestellt werden, wenn Anhaltspunkte für Geldwäsche oder Terrorismus-Finanzierung vorliegen", sagt Zöllner Stückle.

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Reportage Ein Tag beim Zoll in Weil am Rhein Haben Sie etwas zu verzollen?
auto motor und sport 08/2013
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Einfuhrzölle kommen dem EU-Haushalt zugute

Er ist einer von 150 Zollbeamten, die im Zollamt Weil am Rhein-Autobahn nach dem Rechten sehen. Sie haben viel zu tun an dem Grenzübergang, den täglich 30.000 Fahrzeuge in beide Richtungen passieren: Es geht um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Sachen Rauschgifthandel, Produktpiraterie, Waffen- und Zigarettenschmuggel, um den illegalen Handel mit Tieren und Pflanzen, die unter Artenschutz stehen, und vieles mehr. Zudem sollen sie die alltäglichen Versuche verhindern, Einfuhrabgaben für Güter, die in Nicht-EU-Ländern gekauft wurden, zu hinterziehen.

Denn während die Schweizer zuhauf nach Deutschland strömen, um Lebensmittel einzukaufen, Freizeitangebote zu nutzen oder Kurzurlaube zu machen, lockt die Schweiz EU-Bürger vor allem mit Unterhaltungselektronik, Schmuck, Bekleidung, Wintersport-Ausrüstung und Fahrzeugen. "Apple-Produkte sind beispielsweise dort deutlich billiger als in Deutschland", sagt Stückle. Doch wer sich bei der Kontrolle mit dem Argument herausreden will, etwa das Smartphone sei bereits hierzulande gekauft worden, tappt in die Falle: "Anhand der Identifizierungsnummer erkennen wir, in welches Land das Gerät ausgeliefert wurde", ergänzt sein Kollege Heinz Grazer (Name geändert). Der Zoll arbeite bei der Überprüfung direkt mit dem Hersteller zusammen. Die beiden erfahrenen Beamten teilen sich an diesem regnerischen Novembertag die Schicht.

Aggressivität nimmt zu

Ein deutscher Audi A4-Fahrer reagiert sichtlich nervös, als Grazer ihn anhält. Der Mittfünfziger will mit seiner betagten Mutter, die neben ihm sitzt, eine Woche Urlaub in der Schweiz gemacht haben. Dafür führen die beiden jedoch ziemlich wenig Gepäck mit – was ein Indiz dafür sein kann, dass sie eine ausgiebige Einkaufs-Tour im Nachbarland gemacht haben. Zudem antwortet der Heidelberger eher ausweichend auf die Frage, ob er Bargeld mit sich führe. "Beides gute Gründe, intensiver hinzuschauen und genauer nachzufragen", sagt der Zollinspektor. Am Ende sind dann doch 8.500 Euro an Bord des schwarzen Audi – kein Pappenstiel, aber eine Summe, die nicht unter die Anmeldepflicht fällt.

Bei der Besatzung des gemieteten Renault Trafic aus Ratzeburg gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden: Die Musikinstrumente auf der Ladefläche erweisen sich als Berufsausrüstung der beiden Insassen, die auf dem Heimweg von einem Konzert in Zürich sind. Nach der Kontrolle eines niederländischen Mercedes Vito mit geschlossenem Zweiachs-Anhänger bricht sogar allgemeine Heiterkeit aus. Die Antwort des Fahrers auf die Frage, was sich im Hänger verberge – nämlich nichts –, erweist sich als die reine Wahrheit. Alle lachen und wünschen sich gegenseitig einen guten Tag. Nicht immer verläuft die Arbeit so gelöst.

"Die Aggressivität der Leute hat stark zugenommen", so die Beobachtung der beiden Zollbeamten – und die verbalen Entgleisungen ebenfalls. "Bei Kontrollen beschweren sich die Deutschen jedoch am meisten", sagt Albert Stückle. Man nehme die Kontrolle enorm persönlich – "Warum werde ich angehalten und nicht die Verbrecher?", das sei die häufigste Reaktion.

Kontrolle nach Erfahrung und Gespür

Doch was ist verdächtig? Neben einer Reihe von Indizien, etwa ob Auto und Fahrer zusammenpassen oder ob die Angaben im Informationsgespräch schlüssig sind, geben vor allem Erfahrung und Gespür den Ausschlag, genauer hinzusehen. "Jeder von uns hat sein System entwickelt", sagt Heinz Grazer. Es gebe keine Checkliste, deren Abarbeitung den Erfolg garantiere. "Das ist ein Lernprozess, der seine Zeit braucht", ergänzt sein Kollege. Dieser erinnert sich an seine Zeit als junger Anwärter: "Ich habe gefilzt wie wie verrückt, aber mit null Ergebnis", gibt er heute schmunzelnd zu. Vierköpfige Familien seien ihm potenziell als getarnte Drogen-Kuriere erschienen. "Dass dies ganz selten ist, musste ich mit der Zeit erst kapieren."

Aber es kommt vor: Zwei Kilogramm Kokain versteckten sich 2007 im Kindersitz auf der Rückbank eines VW Golf. Der Spürhund schlug dort an, nachdem die verdächtige Familie das Auto geräumt hatte.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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