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Oldies für Einsteiger

Tipp-Gemeinschaft

Foto: Hardy Mutschler 21 Bilder

Ein Klassiker muss her. Und zwar möglichst rasch. Aber welcher, wenn man sich (mal wieder) in der Orientierungsphase befindet? In diesem Fall hat die Mannschaft von Motor Klassik dem neuen Kollegen Michael Schröder die Suche abgenommen. Fünf ganz persönliche Tipps für den Kauf eines Automobils.

22.10.2008 Michael Schröder Powered by

Keine Frage: Die Jungs sind verrückt. Und zwar nach allem, was auf vier Rädern daherrollt und über ein gewisses Mindestalter verfügt. Kaum ein Tag vergeht, an dem Alf Cremers nicht von seinen rituellen Ausflügen auf die gekiesten Stellflächen der Fähnchenhändler berichtet. Oder Hans-Jörg Götzl. Ein Leben ohne historischen Rennsport? So undenkbar wie ein Dieselaggregat in einem 911er. Ebenso untrennbar: Sebastian Renz und seine sympathischen Youngtimer vorm Haus. Und wer Malte Jürgens auf britische Fahrzeuge aus der Vorkriegszeit anspricht, nun, der wird an diesem Tag andere Verabredungen absagen müssen.

Ortstermin in einer leerstehenden, nahezu Fußballfeld großen Halle. Die Überraschung ist perfekt - eine Hand voll Autos steht tatsächlich zum Probe fahren bereit. Sportwagen, Rennwagen, Offroader, Limousine, Roadster. Fünf ganz persönliche Kauftipps der Motor-Klassik-Redakteure zwischen 7.800 und 17.900 Euro. Um den neuen Kollegen mal so richtig in Versuchung zu führen. Und um ihm eine grundsätzliche Entscheidung abzuringen.
Für Hans-Jörg Götzl ist diese längst gefallen. Seine Formel für maximalen Fahrspaß: "genügend Leistung, wenig Gewicht und eine aufregende Optik". Eine sportliche Ahnengalerie versteht sich von selbst.

Erster Kandidat: Alfa Romeo GT 1600 Junior

So gesehen geht der Alfa Romeo GT 1600 Junior, den er aufgetrieben hat, vollkommen in Ordnung. Ein Fahrzeug aus Privatbesitz, Jahrgang 1974, mit H-Kennzeichen für 14.900 Euro. Damals in der Schweiz und später in Österreich zugelassen, bevor es einige Jahre später vom aktuellen Besitzer nach Deutschland importiert wurde. Und aus Zeitgründen inzwischen kaum noch bewegt wird. Beim Anblick des roten, eng sitzenden Kostüms aus der Feder von Nuccio Bertone gerät Götzl dann auch prompt ins Schwärmen, philosophiert von einem Meisterwerk italienischer Sportwagen- Baukunst mit perfekten Proportionen. "Rennstrecke oder Oper - mit diesem Coupé bist du einfach immer passend angezogen." Zumal die neue Lackschicht nicht vermuten lässt, dass sie bereits vor 15 Jahren aufgetragen wurde.

Der Motor, dessen Laufleistung rund 120.000 Kilometer beträgt, wurde dagegen erst vor dreieinhalb Jahren überholt: Ein bildhübscher Leichtmetall-Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen sowie zwei Weber-Doppelvergasern. Hans-Jörg würde sich dieses kompakte Kunstwerk vermutlich am liebsten hinter Glas ins Wohnzimmer stellen: "Im Prinzip handelt es sich hierbei um einen Verwandten der Kompressor geladenen Achtzylinder aus den 30er Jahren. Damit hat Tazio Nuvolari 1935 im legendären P3 auf dem Nürburgring die Silberpfeile gebügelt."
Aha. Dennoch sei die Technik wenig kapriziös. Und überschaubar wie robust.

Ersatzteilversorgung? Werkstätten? "Die Alfa-Piloten sind in dieser Hinsicht sehr verwöhnt." Für Götzl markiert ein Bertone allein aus diesen Gründen ein ideales Fahrzeug für Einsteiger. Für dieses Exemplar spricht zusätzlich, dass Rost kein Thema ist. Erste Sitzprobe im blitzsauberen, knapp 1,30 Meter hohen Sportler. Zwei bequeme Schalensitze. Perfekt. Zwei riesige Rundinstrumente - Tachometer und Drehzahlmesser. Plus Anzeigen für Öldruck, Wassertemperatur und Tankinhalt. Mehr braucht kein Mensch. Mehr als 1.600 Kubik und 109 PS auch nicht. Zumindest nicht in diesem Fall. Der Doppelnocker brummt bereits im Standgas so hingebungsvoll, als wolle er neben dem Fahrer gleich noch ein imaginäres Starterfeld beeindrucken.

Schließlich die ersten gefahrenen Meter. Gasannahme, Kupplung, Schaltung - geht alles wie von selbst. Wie das Triebwerk. Scheinbar völlig losgelöst von irgendwelchen mechanischen wie physikalischen Spielregeln jubelt es durchs Drehzahlband. Vermutlich sind schon unzählige Abhandlungen über die Drehfreude des 1.600ers verfasst worden. Um es kurz zu machen: Die Realität ist besser! Viel besser. Götzl: "Ein Zweiliter dreht lange nicht so gut." In der Summe aller Eigenschaften sei der 1.600er-Bertone eben der perfekte Wagen für den neuen Kollegen. Man wird sehen.

Großzügig, solide, für die Ewigkeit gebaut: Mercedes 280 SE

Denn Alf Cremers kann über so viel sportliches Engagement bestenfalls mitleidig schmunzeln: "Schröder braucht eine Limousine. Allein schon wegen seiner zwei Kinder, die ja ganz bestimmt auch mal stilvoll reisen wollen." Er präsentiert einen respektablen Mercedes-Benz 280 SE (W 108) aus dem Jahr 1971 mit rund 150.000 Kilometern auf der Uhr. Preis: 9.900 Euro inklusive eines noch zu erstellenden H-Gutachtens.

Wer als Neuling in diese Runde gerät, die sich mit Haut und Haaren ihrer automobilen Leidenschaft verschrieben hat, muss sich spätestens im zweiten Satz die Frage nach dem persönlichen Fuhrpark gefallen lassen. So erging es zumindest mir, der ich erst kürzlich von der Schwesterzeitschrift MOTORRAD in die Motor-Klassik-Redaktion gewechselt habe - und doch tatsächlich ohne einen Klassiker oder Youngtimer in der Garage daherkomme.
Ein vollkommen unverständlicher Zustand für die Kollegen. Und ein unerträglicher obendrein. Aber dem armen Mann kann schließlich geholfen werden.

Wer aus dem engen Bertone in den DB-blauen 280er umsteigt, verliert sich erst einmal in der Großzügigkeit des Innenraums, der im direkten Vergleich wie eine Tennishalle anmutet. Das Mobiliar im Farbton Bambus verströmt feudale Clubatmosphäre, kommt allerdings ein wenig zu verwohnt und stellenweise brüchig daher. Egal. Einmal in dem aus Südfrankreich stammenden Wagen Platz genommen, fällt jedwede pubertäre Hektik ab. Fahren mit Ruhepuls. Und von jetzt an mit eingebauter Vorfahrt. Auch nicht schlecht. Zumal der 160 PS starke Reihensechszylinder mit der erstaunlich exakten Viergangschaltung richtig gut zur Sache geht. Und sich dank der mechanischen Saugrohreinspritzung als unkomplizierter erweist als die S-Modelle mit zwei Vergasern. Die Technik scheint also in Ordnung zu sein. Die Basis ebenfalls: Kein Rost, weil sich die Straßen im klimatisch milden Südfrankreich in aller Regel schnee- und salzfrei präsentieren. Die defekte Ausgleichsfeder der Pendelachse soll vor dem Verkauf noch gerichtet werden.

Beim Betrachten der weiteren Extras kommt Cremers noch einmal ins Schwärmen - "elektrisches Stahlschiebedach, elektrische Fensterheber vorn, Servolenkung, Motorantenne. Alles Attribute eines klassischen Direktorenwagens." Doch hier sind es eine Hand voll Kleinigkeiten, welche die anfängliche Begeisterung ein wenig trüben. Das silbern lackierte Dach zum Beispiel. Weder ein originaler noch ein besonders origineller Farbton. Oder die Risse im Instrumentenbrett, die von der Sonne verblichenen Holzteile im Innenraum, die sehr schwergängigen Kurbeln der hinteren Fenster oder die fehlende Kofferraummatte. Auf Grund seiner Herkunft wird die Vorgeschichte des Wagens so schwer zu entschlüsseln sein wie das Rezept von Coca-Cola. Letzteres gibt es auch für viel Geld nicht zu kaufen. Den 280er sollte man dagegen für etwas weniger als die aufgerufenen 9.900 Euro übernehmen können.

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