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Einsteiger-Oldies

Austin 7, Volvo Amazon und Alfa Spider

Foto: Jeske, Herzog 25 Bilder

Achtung: Die im Folgenden geschilderten Erlebnisse mit klassischen Einsteigerautos sind wahr. Für eventuell aufkeimende Begeisterung in Sachen Oldtimer-Hobby übernimmt die Redaktion die volle Haftung.

17.04.2008 Michael Schröder Powered by

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man diesem Gefühl einfach nachgeben muss: Die Zeit ist reif für einen Old- oder Youngtimer. Umso besser, wenn es sich bei der Kaufentscheidung um einen Wagen handelt, der erstens einsteigertauglich und zweitens relativ günstig zu erstehen ist.

Drei Autobesitzer erzählen, wie sie zu ihrem persönlichen Traum-Klassiker gekommen sind und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Und dass sie sich vermutlich niemals von ihren Fahrzeugen trennen würden.

Sympathischer Vorkriegswinzling: Austin Seven

Beispiel eins: Mario De Rosa aus Schlierbach und sein Austin Seven Ruby, Baujahr 1937. Prestigeträchtige Werte wie Hubraum, PS oder Drehmoment waren für den 1. Vorsitzenden der Initiative "Kulturgut Mobilität" in diesem Fall nur bedingt kaufentscheidend. De Rosa war von dem charmanten Aussehen des kleinen Wagens einfach begeistert. "Die urtümliche Form des Engländers mit seinen frei stehenden Kotflügeln und separaten Lampen fand ich von Anfang an unwiderstehlich." Vorkriegs-Fahrzeuge verkörpern für De Rosa die Oldtimer- Königsklasse.

Die Beziehung zwischen De Rosa und seinem Austin ist noch jung. Erst 2007 entdeckte der 39-jährige Limousinen- Fan sein jetziges Auto im Umfeld eines britischen Austin- Seven-Clubs. Es folgten unzählige E-Mails und Telefonate, bis sich De Rosa schließlich mit einem Hänger auf den Weg nach Dover machte, wo sich der Wagen befand. "Die Probefahrt im Hafen war eigentlich nur noch Formsache", erklärt De Rosa. Tags darauf befand sich der Seven im Schwäbischen. Und der aus Neapel stammende Neubesitzer im siebten Autohimmel.
Seitdem genießt De Rosa jeden gefahrenen Meter. "Der weiteste Ausflug ging bis zum Ludwigsburger Schloss und wieder zurück." Macht rund 100 Kilometer. In einem Fahrzeug mit 15 PS aus 750 cm³ fast schon eine Weltreise. Was der Austin problemlos meisterte. "Der Wagen ist absolut alltagstauglich." Denn die Technik eines Seven, sagt er, sei schließlich über alle Zweifel erhaben.

Gut für Einsteiger: Preis und Ersatzteilversorgung

Tatsächlich gilt das von 1922 bis 1939 gebaute Fahrzeug sei jeher als robust und leicht zu warten. Günstig war ein Seven obendrein: Mit 225 Pfund kostete der Vierzylinder seinerzeit kaum mehr als ein Motorrad mit Beiwagen. Austin verfügte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten plötzlich über einen Bestseller: Rund 290.000 Exemplare wurden gebaut. Zusätzlich wurde der Seven in Lizenz unter anderem in Deutschland (Dixi, BMW 3/15), Frankreich (Rosengart) und den USA (Bantam) hergestellt.

Für ein gut erhaltenes Fahrzeug muss ein Seven-Fan heute mit rund 6.000 bis 8.000 Euro rechnen, erklärt De Rosa. "Damit ist dieser Wagen auch für Einsteiger interessant, zumal die Ersatzteilversorgung recht gut ist." Bis auf eine undichte Ölwanne gab’s bisher allerdings nichts zu beanstanden. An seinem Seven stören den Originalitätsfanatiker De Rosa nur die beiden vom Vorbesitzer nachträglich montierten Rücklichter. Doch die sehen ja zum Glück nur diejenigen, die von hinten kommen, wenn ein mit sich und der Welt zufriedener De Rosa mal wieder mit Frau und Kindern mit Tempo 50 übers Land zuckelt.

Idealer Alltags-Klassiker: Volvo Amazon

Zu denen, die bei solchen Begegnungen gern grüßen, gehört Birgitta Reinhardt. Im nächsten Moment ist die 40-jährige Stuttgarterin dann garantiert auch schon wieder aus dem Sichtfeld entschwunden. Ihren Volvo P 122 S Amazon aus dem Jahr 1968 treibt sie mit Vorliebe recht zügig über die schwäbischen Landstraßen. "Dieses druckvolle Triebwerk begeistert mich jeden Tag aufs Neue."

Die Mutter von zwei Kindern kann sich derzeit kein besseres (Sommer-)Alltagsauto vorstellen. Sie schätzt besonders den robusten Charakter des 128 PS starken Volvo, den sie vor zehn Jahren mit unbekanntem Kilometerstand erstanden hatte. "Bisher hat mich dieser Wagen kein einziges Mal im Stich gelassen." Während die charmante Stuttgarterin diesen Satz sagt, hat sie im Winterlager auf der Schwäbischen Alb rasch die Batterie für die Fotofahrt angeklemmt. Sie weiß, dass ihr Wagen trotz wochenlanger Standpause spätestens beim dritten Versuch anspringen wird (was er auch tut).

Der Glanz in ihren Augen verrät, dass sie sich noch lange nicht an der italienisch anmutenden Linienführung satt gesehen hat. Ihren Amazon verkaufen? Undenkbar. Es fällt ihr bereits schwer genug, zwischen Anfang November und Ende April vernünftigerweise auf ein Winterfahrzeug umzusteigen. Weitere von ihr durchgeführte Schutzmaßnahmen, um den betagtem Schweden möglichst rostfrei über die nächste Dekade zu bringen, sind Vollverzinkung sowie eine komplette Hohlraumversiegelung.

Um ein paar Modifikationen kam die engagierte Fahrerin im Lauf der Jahre allerdings nicht herum. Stichwort Familie: Damit die Kindersitze auf der Rücksitzbank Halt finden, wurden dort Sicherheitsgurte montiert. Der besseren Zugänglichkeit wegen musste der schwer umklappbare Beifahrersitz schließlich einem Exemplar aus einem VW Golf weichen. "So umgebaut nimmt es mein Amazon locker mit jedem Van auf", schmunzelt Reinhardt. Die Kinder seien ohnehin vollkommen Amazon-infiziert. "Da brauche ich mit gar keinem anderen Auto mehr anzukommen."

Joachim Sommer’s Traumwagen seit 26 Jahren: Alfa Spider

Auch Joachim Sommer aus Aichtal hat sich in der Wahl seines Fahrzeugs längst entschieden: Ein anderes Cabriolet als ein Alfa Romeo Spider kommt für ihn nicht in Frage. Dabei befand sich der 56-jährige Schwabe Anfang der achtziger Jahre mit der italienischen Marke mächtig auf Kriegsfuß: Sein Alfasud Sprint Veloce hatte sich als Montagsauto geoutet. Demnach war Sommers Alfa-Leidenschaft nach zig Werkstattbesuchen empfindlich abgekühlt.

Doch einmal gab es vom gewieften Werkstattchef einen Spider für die Heimfahrt - und bereits nach wenigen Kilometern stand dieser Wagen ganz oben auf der Wunschliste. Dass die Tour bei bestem Wetter stattfand und über die ehemalige Solitude-Rennstrecke führte, sind Faktoren, die Sommers Entscheidung sicherlich nicht negativ beeinflusst haben.

Am 13. August 1982 schlägt Sommer nach einiger Suche zu. Er kauft einen roten 2000er Fastback, Baujahr 1980, mit knapp 12.000 Kilometern auf der Uhr. Gefunden im Kleinanzeigenteil der Schwesterzeitschrift auto, motor und sport. Dieses Auto bewegt Sommer noch heute. Und zwar ausschließlich zwischen Mai und Oktober. Weil der Alfa bisher kaum Regen und so gut wie keinen Schnee gesehen hat, präsentiert er sich nach rund 75.000 pannenfreien Kilometern quasi noch wie neu.

Absoluter Originalzustand ist ohnehin Ehrensache für einen Menschen wie Joachim Sommer. So einer leidet bereits darunter, dass der Wagen nicht mehr auf dem ersten Satz Reifen daherrollt. "Vor sieben Jahren waren endgültig neue Pellen fällig. Aber nicht, weil das Profil am Ende war, sondern schlicht aus Altersgründen."

Alfa fahren schützt vor Strafzetteln

Das Verdeck wirkt dagegen, als sei der Spider erst gestern ausgeliefert worden. Bis heute hat es praktisch keinen schädlichen Sonnenstrahl abbekommen, weil Sommer, der zudem noch einen 1300er Junior Zagato besitzt und im Alltag ein Smart Cabrio bewegt, ausschließlich offen unterwegs ist. "Das ist besonders in den Achtzigern gut angekommen, als es kaum andere echte Cabrios auf den Straßen gab", erinnert sich der sympathische Schwabe. "Die Mädels haben schon sehr genau geschaut, wer da im Wagen sitzt." Einmal hätte ihn, damals 31 Jahre alt, eine Frau herübergewunken. Sie wollte wissen, wie spät es sei - obwohl sie direkt neben einer großen Uhr stand.

Erinnerungen wie diese machen den besonderen Reiz einer langen Beziehung aus. Sommers Augen glänzen, als er von der ersten Alpenausfahrt erzählt: Begeisterte Gesichter, wo immer er mit seinem Spider aufgetaucht sei. Oder der bis dahin unbekannte ältere Herr, der mit großen Gesten eine Polizistin davon überzeugen konnte, dass man doch an so ein wundervolles Auto um Himmelswillen keinen Strafzettel hängen dürfe, nur weil es im absoluten Halteverbot stünde.
Nein, nach solchen (und vielen weiteren) Erlebnissen trennt man sich nicht mehr von so einem Wagen, der mit seinem 127 PS starken Doppelnocker-Motor dem stolzen Besitzer einfach nur Spaß macht. Sommers Meinung nach ist der Alfa ein nahezu ideales Auto für Einsteiger, weil er relativ preisgünstig ist und man von einer guten Ersatzteilversorgung profitiert. "Allerdings benötigt ein Spider sehr viel Pflege." Aus diesem Grund, so Sommer, seien wirklich gute Modelle inzwischen rar. "Der Spider war das klassische Fahrzeug für den Jungspund unter 30 und wurde oftmals gnadenlos heruntergeritten."

So erscheint es umso ärgerlicher, dass das Fotomodell definitiv in festen Händen ist. Was gleichermaßen für den Volvo und den Austin gilt. Sie wären alle drei perfekte Kandidaten, wenn es um den Klassiker fürs Leben geht. 

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