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Einsteigertipp Oldtimer ausmotten

Frühlingserwachen für den Oldie

Oldtimer ausmotten, Triumph Spitfire Foto: Archiv 11 Bilder

Die Sonne lacht, die Tage werden länger. Wer seinen Klassiker wieder von der Leine lassen möchte, sollte ihm zunächst ein Minimum an Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wir nennen die wichtigsten Punkte.

29.05.2014 Klaus Finkenburg Powered by

Wer sich an den Grundsatz hält, vor Beginn der Winterpause einige grundlegende Arbeiten durchzuführen und auch in der Zwischenzeit hin und wieder nach dem Rechten zu sehen, der hat es im nächsten Frühjahr leicht. In der Regel reichen ein paar Handgriffe und eine gründliche Durchsicht, dann darf der Klassiker wieder auf die Straße. Alle anderen müssen sich nun zunächst etwas Zeit nehmen, um das Fahrzeug wieder auf Vordermann zu bringen.

Kompletter Check ist wichtig

Den ersten Arbeitsschritt stellt der Wiedereinbau der Batterie dar. Sie sollte die Winterpause grundsätzlich an einem Batteriefrischhalte- oder Erhaltungsladegerät verbringen, da Blei-Akkus unter zu tiefer Entladung dauerhaft leiden können. Bei nicht wartungsfreien Batterien ist vor dem Einbau der Säurestand zu kontrollieren, gegebenenfalls destilliertes Wasser nachfüllen. Um während der noch folgenden Arbeiten die Gefahr von Kurzschlüssen zu vermeiden, wird die Batterie zunächst noch nicht mit dem Bordnetz des Fahrzeugs verbunden.

Zum Pflichtprogramm zählt jetzt eine gründliche Sichtprüfung im Motorraum. Rissige Gummischläuche oder Keilriemen gehören ersetzt. Korrosion an Steckverbindungen muss gegebenenfalls entfernt werden, anschließend die Kontaktstellen mit etwas Kriechöl konservieren. Die Verkabelung darf keine durchgescheuerten oder durch Alterungseffekte spröde und rissig gewordenen Isolierungen aufweisen. Vorsichtiges Biegen der Kabel an gut zugänglichen Stellen macht dies sichtbar. Auch Kabeltüllen, die etwa an Karosseriedurchführungen zum Schutz von Leitungssträngen oder einzelnen Kabeln eingesetzt werden, sind einen Blick wert.

Vor dem Anschließen der Batterie werden Korrosionsspuren an den Polen entfernt und die Kontaktstellen mit etwas Polfett eingestrichen. Nun werden die beiden Stromklemmen angeschlossen, und zwar zuerst am Plus- und dann am Minuspol. Es folgt der Check der Lichtanlage, also von Fahr-, Fern- und Bremslicht, Blinkern und Hupe . Lediglich bei Autos mit einer serienmäßig sehr knapp dimensionierten Batterie sollte die Elektrikprüfung erst nach dem Anlassen des Motors erfolgen.

Flüssigkeiten kontrollieren

Der nächste Schritt ist die Kontrolle der Flüssigkeitsstände: Ist genug Motoröl vorhanden, fehlt Kühlwasser oder gar Bremsflüssigkeit? Ein Blick auf den Garagen- oder Hallenboden klärt, ob und wo das Auto Flüssigkeiten verliert. Einzelne Öltropfen können toleriert werden, bei größeren Leckagen muss nach deren Ursprung gefahndet werden. Altes oder bereits stark verfärbtes Motoröl sollte gewechselt werden. Ist der Kühlmittelstand zu niedrig und sind keine Undichtigkeiten zu entdecken, sollte der Klassikerbesitzer das Kühlsystem im Auge behalten, es könnte ein Defekt vorliegen.

Nun steht die Prüfung der Räder und Reifen an. Wer den Luftdruck vor Beginn der Winterpause erhöht hat, muss ihn nun wieder reduzieren. Es folgt eine Sichtprüfung, dabei das Reserverad nicht vergessen: Sind sichtbare Beschädigungen an Laufflächen oder Reifenflanken vorhanden, zeigen sich am Pneu rissige oder spröde Stellen, weisen Felgen, insbesondere solche aus Leichtmetall, Verformungen oder Risse auf? Bauteile in fragwürdigem Zustand sollen im Zweifelsfall schnellstmöglich ersetzt werden.

Handwäsche empfehlenswert

Um über den Winter abgelagerten Staub und Schmutz zu entfernen, steht eine gründliche Reinigung der Karosserie an, am besten per Handwäsche. Erst danach können der Lack und eventuelle Chromflächen in Augenschein genommen werden. Kleinere Lackschäden, etwa durch Steinschlag, werden abgeschliffen und mit Rostumwandler, Grundierung und Lackstift behandelt, stumpf gewordenes Chrom bekommt durch Einsatz entsprechender Polituren neuen Glanz. Den Abschluss vom Frühjahrsputz bildet idealerweise das Auftragen einer schützenden Schicht Karosseriewachs.

Ein besonderes Thema stellt das Verdeck von Cabrios dar. Staub lässt sich mit einer weichen Naturborstenbürste entfernen, dabei möglichst immer in Richtung des Gewebes streichen. Hartnäckigere Verschmutzungen werden mit einem milden Pflegemittel angegangen. Es folgen eine Prüfung des Verdeckmechanismus auf Gängigkeit und gegebenenfalls eine Schmierung der Gelenkstellen.

Pflege des Innenraums

Kunststoffteile im Innenraum bekommen durch den Einsatz von Cockpit-Sprays neuen Glanz, Produkte neuerer Generation beugen zugleich dem Ausspröden der Kunststoffe vor. Gummidichtungen an Türen und Kofferraum freuen sich über gelegentliches Einstreichen mit Talkum-Puder oder einem Glyzerinstift. Der richtige Zeitpunkt für die Pflege von Leder wäre eigentlich das Einmotten gewesen. Lederpflegemittel, die das Austrocknen der Tierhäute verhindern, sollten nämlich nach dem Auftragen einige Tage einziehen, bevor die Oberflächen vorsichtig abgerieben werden. Holz hingegen ist eher pflegeleicht. Eine sanfte Politur verschafft neuen Glanz, wobei auch Möbelpflegemittel gute Dienste leisten.

Sofern der Blick in den Motorraum zu keinen bösen Überraschungen geführt hat, darf der Klassikerbesitzer nun einsteigen. Ein Drücken auf die Bremse stellt sicher, dass keine Luft im System ist. Geht der erste Tritt ins Leere und stellt sich erst nach mehrmaligem Treten Bremsdruck ein, müssen die Bremsanlage entlüftet sowie gegebenenfalls die Bremsflüssigkeit getauscht werden – was am besten die Werkstatt erledigt.

Vorsicht auf den ersten Kilometern

Wenn der erste Startversuch nicht gleich zum Anspringen des Motors führt, ist dies unbedenklich. Nach dem zweiten oder dritten Anlauf sollte er jedoch die Arbeit aufnehmen. Startet der Motor nicht und hilft auch Herausdrehen, Trocknen und Wiedereindrehen der Zündkerzen nicht, steht für technisch weniger Versierte ein Gang in die Werkstatt an. Wer sich auskennt, prüft zunächst noch die Kraftstoffzufuhr und die Zündung auf korrekte Funktion.

In den allermeisten Fällen kann aber nun die Fahrt beginnen. Dabei den Motor nur allmählich fordern, damit er zunächst auf Betriebstemperatur kommt und sich das Motoröl gut verteilen kann. Vorsicht ist bei den ersten Bremsvorgängen angebracht: Durch Flugrost, der sich eventuell in Trommeln und auf Bremsscheiben gebildet hat, kann die Bremswirkung zunächst recht mäßig ausfallen. Auf der ersten Ausfahrt auch darauf achten, ob die Bremsen gleichmäßig ziehen oder ob eventuell noch Bremswirkung spürbar ist, nachdem der Fuß vom Pedal genommen wurde. In beiden Fällen stünde der Weg in die Werkstatt an.

Ansonsten gilt: vorsichtig fahren und auf den ersten Kilometern einen größeren Sicherheitsabstand einhalten, bis die Stopper wieder normal ansprechen. Vorübergehende Zurückhaltung ist auch aus einem weiteren Grund geboten. Da die meisten Klassikerbesitzer als Hauptfahrzeug auch ein moderneres Auto besitzen, womöglich ausgestattet mit allerlei Assistenzsystemen, sollten sie sich Zeit nehmen, sich wieder an das Fahrverhalten ihres Oldies zu gewöhnen.

Checkliste Oldtimer ausmotten

  • Batterie: Frisch geladen einbauen, gegebenenfalls destilliertes Wasser auffüllen, Kontakte säubern und mit Polfett behandeln.
  • Stecker und Kabel: Steckkontakte auf Korrosion überprüfen, diese gegebenenfalls entfernen. Kabelisolierung auf Risse und Brüche prüfen.
  • Motorflüssigkeiten: Sind Undichtigkeiten zu erkennen? Auch auf dem Garagenboden nachsehen. Öl und Kühlwasserstand prüfen, bei Bedarf auffüllen.
  • Lack und Chrom: Fahrzeug waschen, gegebenenfalls Roststellen und Lackfehler ausbessern, Lack und Chromflächen mit Wachs konservieren.
  • Innenraum und Cabriodach: Gründlich säubern, Scheiben und Spiegel nicht vergessen. Schlösser und Türscharniere ölen. Verdeck reinigen, Mechanismus prüfen.
  • Leder und Holz: Lederpflegemittel aufstreichen, nach Herstellervorgabe einwirken lassen und wieder abreiben. Holzflächen mit geeigneter Politur behandeln.
  • Räder und Reifen: Luftdruck prüfen und korrigieren, Reifen und Felgen auf Beschädigungen untersuchen. Dabei das Reserverad nicht vergessen.
  • Bremsen und Hydraulik: Hydrauliksysteme auf Undichtigkeiten untersuchen, zu alte Flüssigkeiten auswechseln. Bremsen nach Standzeiten vorsichtig wieder einfahren.
  • Kunststoff und Gummi: Kunststoffflächen im Fahrzeuginnenraum verhilft Cockpit-Spray zu neuem Glanz. Gummidichtungen mit Glyzerinstift einreiben.
  • Die erste Fahrt: Auf den ersten Kilometern mit vorübergehend schwächerer Bremsleistung rechnen. Beim Fahren auch auf ungewöhnliche Geräusche achten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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