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Einstieg in den Motorsport

So werden Sie Rennfahrer!

Siegerkranz, Zeichnung Foto: Matthias Seeburger 18 Bilder

Haben sie nicht auch schon davon geträumt, beim Oldtimer-Grand Prix nicht nur Zuschauer zu sein, sondern selbst in einem Rennwagen zu sitzen? Hier erfahren Sie, wie das geht. Es ist im Prinzip ganz einfach.

08.02.2014 Hans-Jörg Götzl Powered by

Machen Sie folgenden Test: Schauen Sie sich auf DVD oder einfach im Netz den Onboard-Film eines Rennens an, beispielsweise Klaus Ludwig in einer Mercedes-Heckflosse beim FHR Langstreckenpokal 2011 auf der Nürburgring-Nordschleife.
Wenn Sie dann sagen: „Oh mein Gott, die sind alle bekloppt!“ – dann können Sie jetzt noch aus dieser Geschichte aussteigen. Wenn die Aufnahmen dagegen bei Ihnen jede Menge Glücksgefühle auslösen und Sie genau das, was Sie da sehen, schon immer mal selbst erleben wollten, dann sind Sie hier goldrichtig.

Gehen Sie es gelassen an

Tatsächlich ist es gar nicht so kompliziert, mit einem Rennauto an den Start zu gehen, und auch das Rennen fahren an sich ist nicht so schwer. Im Folgenden lesen Sie in drei Schritten, wie es geht: Sie benötigen eine Rennlizenz, eine Fahrerausrüstung aus feuerfestem Material - und natürlich ein Rennauto.

Das aber müssen Sie nicht gleich käuflich erwerben, Sie können auch zunächst ein Fahrzeug samt Service mieten und schauen, ob Ihnen die ganze Angelegenheit überhaupt Freude bereitet.

Eines aber sollten Sie unbedingt beherzigen: Sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr Formel 1-Weltmeister, weshalb Sie die Rennerei ruhig gelassen angehen können. Und auch wenn es nicht zwingend vorgeschrieben ist, empfiehlt sich vor dem ersten Einsatz dringend ein ordentlicher Fahrerlehrgang, mit Adressen ist der Deutsche Motorsport Bund (www.dmsb.de) behilflich. Schließlich gilt nach wie vor der alte Spruch: "Um Erster zu werden,musst du zuerst einmal ankommen."

1 . Schritt: Die Rennlizenz

Der Auto-Führerschein alleine genügt nicht - vor dem ersten Einsatz benötigen Sie eine Rennlizenz. Keine Bange, Sie müssen jetzt nicht noch einen Extra-Führerschein für die Rennstrecke machen – die historische Lizenz für den Automobilsport, kurz H-Lizenz, bekommen Sie ganz einfach beim Deutschen Motorsport Bund: Den Antrag von der Seite www.dmsb. de herunterladen, ausfüllen, ärztliches Attest zur Renntauglichkeit beim Hausarzt einholen, absenden, fertig.

Das Ganze kostet pro Jahr 189 Euro (239 Euro, wenn Sie kein Mitglied eines großen Clubs wie ADAC oder AvD sind), und damit dürfen Sie im historischen Bereich praktisch alles außer GP-Rennwagen und Prototypen fahren. Für diese braucht man eine internationale C-Lizenz, doch die gibt es erst, wenn Sie in einer der anderen Klassen bereits fünfmal unter den ersten 50 Prozent Ihrer Klasse ins Ziel kamen.

Doch obwohl für die normale H-Lizenz derzeit kein Lehrgang oder Ähnliches verlangt wird, rät Dietmar Lenz vom DMSB dringend zu einem Fahrerlehrgang: "Dort lernt man das korrekte Verhalten auf der Rennstrecke und vor allem die Flaggensignale." Ein- bis zweitägige Lehrgänge kosten ab 600 Euro, Adressen von Veranstaltern gibt es beim DMSB.

2. Schritt: Die Ausrüstung

Damit sehen Sie nicht nur so verwegen aus wie einst Steve McQueen - der feuerfeste Anzug und der Helm sollen Sie im Ernstfall schützen.

Reden wir nicht lange drum herum: Motorsport kann sehr gefährlich sein. Wer auf der Nordschleife den Abschnitt Flugplatz bei Nässe im leichten Drift nimmt oder sich mit über 200 die Fuchsröhre hinunterstürzt, sollte alles tun, damit er bei einem Unfall bestmöglich geschützt ist. Bei einem historischen Tourenwagen etwa sorgen dafür ein stabiler Überrollkäfig, Sechs-Punkt-Gurte etc. (siehe auch nächstes Kapitel).

Der optimale Schutz des Fahrers beginnt zunächst beim Helm: Fahrer geschlossener Wagen greifen hier gerne zum offenen Helm, besonders bei Formelwagen empfiehlt sich indes die geschlossene Variante samt stabilem Visier - nicht zuletzt, weil durch den Vorausfahrenden immer mal wieder Steinchen aufgewirbelt werden. Aktuelle Helme sind in der Regel mit HANS-Aufnahmen ausgerüstet, der "Head And Neck Support" soll den Kopf des Fahrers bei einem Unfall stabilisieren. Auch hier liegt die Entscheidung, ob das System benutzt wird, in vielen Fällen beim Fahrer.

Auf HANS sollte man nicht verzichten

"Bei allen unseren Rennserien ist HANS zwar nicht vorgeschrieben, ich würde den Einsatz aber dringend empfehlen", meint Kai von Schauroth, Sprecher der Fahrergemeinschaft historischer Rennsport (FHR). Billig ist das Ganze nicht: Gute Helme sowie HANS-Systeme beginnen jeweils bei rund 500 Euro.

Den übrigen Rennfahrerkörper schützen ein mindestens zweilagiger Rennoverall (ab 550 Euro), darunter feuerfeste Unterwäsche (Satz 150 Euro) sowie Handschuhe (150 Euro), Schuhe (220 Euro) und eine Balaclava (Sturmhaube, etwa 30 Euro). Alles hergestellt aus schwer entflammbarem Material. Trotz Sicherheitstank kommt es bei Unfällen immer wieder zu Bränden, die nicht schnell genug gelöscht werden können - und dann ist das Zeug Gold wert.

Wichtig ist, dass alles die aktuell gültige Norm eingenäht trägt, derzeit FIA 8856-2000, beim Helm SNELL 2010. Und dass Sie auch alles anziehen. Auch die feuerfeste lange Unterwäsche. Auch bei 30 Grad im Schatten. Es lohnt sich.

3. Schritt: Der Rennwagen

Es muss nicht gleich ein eigenes Auto sein. Zum Einstieg kann man auch einen Rennwagen mieten. Es gibt aber einiges zu beachten.

Allein der Gedanke lässt das Herz höher schlagen: Einmal ein Rennen in einem echten Wettbewerbsauto auf dem Nürburgring bestreiten. Oder das Renngeschehen aus der Perspektive eines Formel-Rennfahrers erleben.

Dieser Traum lässt sich einfacher verwirklichen, als man denkt. An der Verfügbarkeit eines passenden Autos scheitert es auf keinen Fall. Aus etlichen Möglichkeiten haben wir typische Beispiele herausgesucht. Voraussetzung für den Rennstart ist natürlich eine gültige Fahrerlizenz sowie die Schutzkleidung vom Sturzhelm mit zulässiger Norm bis zu den Fahrerschuhen.

Bevor es aber zu Preisen ab 2.000 Euro pro Einsatz losgehen kann, führen die meisten Rennwagenvermieter ein eingehendes Gespräch: Das Verleihen eines Rennwagens ist schließlich Vertrauenssache. Und Motorsport eine Gefahrensportart. "Darüber sollte man sich vorher im Klaren sein", betont Michael Küke.

Porsche 924 idealer Einstiegs-Rennwagen

Der Essener vermietet zwei Porsche 924 im Gruppe-4-Trimm. "Erfahrene Piloten sind mit diesem Auto sehr schnell, weniger Erfahrenen macht er keine Angst", meint Küke, der selbst seit vielen Jahren erfolgreich Motorsport mit Porsche-Fahrzeugen betreibt.
Küke bietet auch die Möglichkeit an, das Auto erst mal im Rahmen von Test- und Einstellfahrten auszuprobieren. "Dabei stellt sich schnell heraus, ob jemand geeignet ist."
Die Preise staffeln sich nach der Einsatzzeit des Autos auf der Strecke. Im Preis enthalten ist der Transport des Rennwagens zu einer nahe gelegenen Strecke, also zum Beispiel Nürburgring, Spa oder Zolder, außerdem Benzin und Reifen.

Kommt es zu Karosserieschäden, zahlt der Fahrer. Eine Versicherung lohnt sich für diese Autos nämlich nicht, weil die Selbstbeteiligung zu hoch ist. Bei Technikdefekten entscheidet eine genaue Analyse, wer für den Schaden aufkommt. "Aber der Porsche 924 geht eigentlich nicht kaputt", weiß Küke.

Auf einen 924 setzt auch Mittelmotor in Bochum. Wie Küke ist auch Michael Wittke ein erfahrener Motorsportler. "Es ist ein tolles Wettbewerbsauto", sagt er. Das hat sich schon herumgesprochen: Wie bei Küke haben einige Stammkunden für 2014 bereits etliche Einsätze gebucht.

Formel 1-Feeling im Van Diemen Formel Ford

Wer aber in einem Formel-Rennwagen sitzen möchte, ist beim Rennteam von Manfred und Marcel Biehl an der richtigen Adresse. Das Vater-Sohn-Gespann aus Neuss vermietet einen Van Diemen Formel Ford 2000 aus dem Baujahr 1985. Der 140 PS starke, nur 440 Kilogramm leichte Einsitzer bietet dank der Front- und Heckflügel authentischen Formel-Fahrspaß. "Viele Einsteiger tun sich allerdings mit dem unsynchroniserten Getriebe schwer", erzählt Marcel Biehl, der selbst mit einem historischen Formel 3 Rennen bestreitet.

Gerade beim Einstieg in den Formel Ford empfiehlt sich für Neulinge ein Test, bevor es in den Wettbewerb geht. Die Mietpreise für den Van Diemen liegen auf dem Niveau wie für die Porsche 924 von Michael Küke oder Mittelmotor.

Ganz genau schaut sich Markus Niestrath seine Kunden an, bevor er ihnen einen seiner beiden Alfa Romeo GTAm überlässt: "Wir sind keine Autovermietung", stellt der Wegberger fest. Bei ihm geht nichts ohne Rennerfahrung, und: "Auch das Persönliche muss stimmen."

Rennwagen kaufen

Irgendwann werden Sie ein eigenes Auto für Ihre Ausflüge auf die Rennstrecke haben wollen – vielleicht auch gleich zu Anfang.

Wer sich als Einsteiger im Fahrerlager umhört, findet schnell heraus, dass es unter 20.000 Euro im Grunde keine rennbereiten Tourenwagen oder GT gibt. Rennbereit heißt: Das Auto ist nach den Regeln des Anhang K der FIA aufgebaut. Es enthält keine unerlaubten Tuning-Maßnahmen wie einen moderneren Motor, mehr Hubraum, modernisierte Bremsen oder Ähnliches, womit die technischen Kommissare Sie gar nicht erst auf die Piste lassen.
Dazu kommen die Sicherheitseinrichtungen: anerkannter Überrollkäfig, stabiler Rennsitz, Sechs-Punkt-Gurte, Not-Aus und Feuerlöscher-Anlage. Und natürlich einen gültigen FIA-Wagenausweis, der bestätigt, dass alles seine Richtigkeit hat.

Für 20.000 Euro findet man dann mit ein wenig Glück einen Austin-Healey Sprite, ab 25.000 Euro auch eine Alfa Giulia, und damit ist man schon mal ganz ordentlich unterwegs. Manche weichen nun ins Youngtimer-Revier aus, da gibt es mitunter schon für gerade 10.000 Euro einen Audi 50 oder Polo. Nun passiert gerne Folgendes: Vor allem handwerklich begabte Renn-Neulinge meinen, alles selbst besser und billiger hinzubekommen.

Neuaufbau lohnt sich meist nicht

Dann kaufen Sie ein Basisauto, installieren die notwendigen Sicherheitseinrichtungen, beschränken sich bei der Technik auf Seriennähe - und fahren gnadenlos hinterher. Also wird bald aufgerüstet und der Motor zum Tuner geschleift, und da reden wir selbst bei einem Sprite von mehr als 10.000 Euro. Jetzt ist möglicherweise das Getriebe oder die Hinterachse der Kraft nicht gewachsen. Und irgendwann kommt der Eigenbau deutlich teurer als ein "gebrauchter" Rennwagen.

Schauen Sie sich deshalb zunächst mal um, ob nicht doch ein Wagen in Ihrer Preisklasse angeboten wird, bei ernsthaftem Interesse ist auch die Fahrergemeinschaft historischer Rennsport (www.fhr-online.de) gerne bereit zu helfen. Zudem ist ein altgedientes Renngerät mit seinen Stärken und Schwächen im Fahrerlager bekannt, bei Fragen wissen meist andere Fahrer Rat.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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