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Einstieg mit Käfer

VW 1302

Foto: Hardy Mutschler 9 Bilder

Vor Kurzem kauften sich Joachim Richter und seine Mutter Hildegard ihren ersten Klassiker. Ein 1302 kurierte ihre Sehnsucht nach einem Käfer. Wie geht es den drei nach den ersten gemeinsamen Wochen?

05.10.2007 Sebastian Renz Powered by

Für alte Autos interessierten sich Hildegard Richter und ihr Sohn Joachim nicht wirklich. Nur ein einziges Modell konnte sie entzücken: Sahen sie einen Käfer, erinnerten sie sich wehmütig an ihren 1972er VW 1302 Automatic - Hildegard Richters erstes Auto und so etwas wie Joachims Zweit-Kinderzimmer.

Ab Mitte der 80er Jahre schwächelte dieser Käfer. So beschloss Hildegard Richter, ihren kränkelnden 1302 durch einen Golf II zu ersetzen. Doch seither trauerten die Richters dem Käfer nach. Irgendwann würden sie wieder einen Käfer haben, dachte Joachim, ersteigerte vor über einem Jahr eine 1302-Bedienungsanleitung und besorgte sich alte Käfertests aus auto motor und sport.

Vor ein paar Monaten fuhr er sogar mal mit dem 1302 eines Bekannten. Aber dieser Käfer war ein Schalter, und kein sonderlich gutes Exemplar obendrein. Joachim war verführt, aber dem Käfer noch nicht verfallen. Denn er hatte genaue Vorstellungen: Wenn überhaupt, dann sollte es ein 1302 aus dem Modelljahr 1972 sein – mit Automatik, LS-Ausstattung und Schiebedach. "Außerdem unbedingt ein sehr gutes Exemplar, denn ich kenne mich mit der Technik noch kaum aus", erklärt Joachim.

Im Anzeigenteil von Motor Klassik fündig geworden

Schon ein paar Mal hatte ein Freund mit Motor Klassik-Abo Joachim angerufen, wenn wieder ein 1302 im Kleinanzeigenteil angeboten wurde. Aber keiner der Käfer erfüllte alle Kriterien. Auch der Automatic in Heft 7/2007 nicht: gemini- statt türkismetallic, Basis- statt LS-Ausstattung, kein Schiebedach. Doch Joachim besorgte das Heft, weil das Modelljahr des VW stimmte, zeigte seiner Mutter das Auto, als er bei ihr zu Kaffee und Kuchen vorbeikam. Und als der 1302 die Richters aus der Fotoanzeige anguckte, da dachten sie, anschauen könnten wir ihn doch - nur mal so.

Der VW stand nur 30 Kilometer entfernt in einer Tiefgarage. Als der Verkäufer die Schutzplane vom 1302 zog, ließ der Glanz des hellblauen Käfers das Parkdeck erstrahlen. "Ich wusste nicht genau, worauf ich besonders achten muss", gesteht Joachim, "aber er sah klasse aus, original, sehr gepflegt, hatte erst 33.000 Kilometer auf dem Tacho. Dazu gab es Belege über das gesamte Vorleben. Da war klar: Wenn wir uns bei diesem Käfer nicht trauen, würden wir nie einen kaufen." Mutter und Sohn verliebten sich in den 1302 und kauften ihn spontan - als gemeinsames Freizeit-Vergnügen.

Auf der Heimfahrt war Joachim allein im VW. Er drehte das Radio auf, auch ein bisschen aus Furcht vor den vielen Geräuschen des Käfers, die erst nach ein paar Dutzend Kilometern nicht mehr beängstigend, sondern wieder vertraut klangen. Doch brav rollte der 1302 nach Balingen. Dort musste Hildegard Richters Golf IV seine Garage für den Oldie räumen.

Wertgutachten beruhigt die Richters

Ein bisschen fürchteten sie noch, dass sich ihr VW vielleicht doch als Blender erweisen könnte. Eine H-Zulassung hatte er schon. Aber weil die Versicherung für den günstigen Oldtimertarif ein Wertgutachten forderte, musste sich der 1302 schon am zweiten Tag durchchecken lassen. Joachim brachte ihn nervös zum Ingenieurbüro Baumeister im Nachbarort. Und kam nach einer Stunde entspannt zurück: Zustand 1-, Wert weit über dem Kaufpreis.

"Mit dem Käfer unterwegs zu sein zu, strengt richtig an", findet der 29-jährige Software-Entwickler. Und wenn die Richters am Wochenende ein paar Dutzend Kilometer mit ihrem VW spazieren fahren, wundern sich die beiden schon, wie es damals ging, als sie mit dem 1302 in einem Rutsch von Balingen nach Grado an die Adria fuhren.

Lob vom Kenner

Zwei Mal mochte der Hellblaue nicht anspringen. Also fahren Mutter und Sohn Richter in ihre VW-Stammwerkstatt. Seit 1976 arbeitet dort Gunther Hielscher. Er hatte Hildegard Richter vor 22 Jahren geraten, ihren 1302 zu verkaufen. Nun beglückwünscht er sie zu ihrem neuen Käfer. "Da haben Sie wirklich ein besonders gutes Exemplar gefunden. Den behalten Sie jetzt aber", meint Hielscher und freut sich schon auf den Ölwechseltermin mit dem hellblauen 1302. Dann will er auch nach der Ursache fürs Startproblem forschen: "Wahrscheinlich nur der Magnetschalter am Anlasser - alte Käfer-Krankheit, nichts Schlimmes."

Die Freude am neuen Hobby schmälert das keinesfalls. "Den Käfer geben wir nicht mehr her", meinen Mutter und Sohn über ihren 1302. Vor ein paar Wochen kauften sie ihn, ohne recht zu wissen, was sie da eigentlich tun. Heute wissen sie nicht, warum sie das nicht schon viel früher taten.

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