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Design-E-Autos von Mercedes, Mazda, Porsche, Toyota und Co.

Die Meinungen der Auto-Designer

Mercedes-Designchef Gorden Wagener Foto: Hersteller 6 Bilder

Der Boom von Öko-Mobilen beschäftigt auch die Designer. Soll man den Autos ihre "Umweltfreundlichkeit" künftig ansehen können?

18.04.2009 Birgit Priemer

Ökologische Produkte ziert schon lange das Prädikat "umweltfreundlich", zu einem Schönheitspreis hat es in der Vergangenheit allerdings selten gereicht: Birkenstöcker, Baumwollkleider, Latzhosen oder Autos wie der VW Golf Formel E oder Audi Duo standen in den achtziger Jahren eher für Lust am Leiden als am Leben. Oder, um es mit den Worten von Audi-Designchef Stefan Sielaff zu sagen: "Bislang hat es noch keiner geschafft, ein Ökoauto auf die Beine zu stellen, das richtig geil ist."


Leute fahren mit hässlichen, umweltfreundlichen Autos

Dabei ist der Wunsch, die eigene grüne Gesinnung auszuleben, so groß geworden, dass selbst im trendigen Kalifornien Autos gehen, denen optisch jeder Trendcharakter fehlt: Der Toyota Prius hat seinen Kultstatus schließlich nicht seinem Aussehen, sondern der sparsamen Hybridtechnik zu verdanken. "Es gibt ein so großes Verlangen, ein im Umweltsinne schuldfreies Fahrerlebnis zu haben, dass die Leute sogar bereit sind, mit hässlichen Autos unterwegs zu sein", kommentiert Mazda-Designchef Laurens van den Acker.

Und wer nicht einmal solche Modelle in der sprichwörtlichen Schublade hat, klebt ökologisch-korrekte Schriftzüge wie Blue Efficiency, Blue Motion oder Blue Tec auf die Hülle konventioneller Blechkarossen. Vorreiter in Sachen Umweltdesign ist zweifellos Mazda, allerdings bislang nur in Form von Concept Cars: Mit spektakulären Studien wie dem Hakaze, Taiki, Nagare und Ryuga hat die von der Natur inspirierte, wellenförmige Linienführung für Aufsehen in der gesamten Designlandschaft gesorgt - keiner hatte schließlich zuvor ein so zauberhaftes Spiel mit Formen gewagt.

Mehr Harmonie mit der Natur

"Wir wollen mehr in Harmonie mit der Natur sein, was auch zu unseren asiatischen Wurzeln passt", erklärt van den Acker. "Deshalb setzen wir auf fließende Linien, textile Oberflächen und umweltgerechte Materialien." Dass wir nicht nur bei der Technik, sondern auch beim Outfit der Autos vor einem großen Wandel stehen, zweifelt kaum noch jemand an. "Eine veränderte Wertegesellschaft wird neue Lösungen in der Formensprache nach sich ziehen", kommentiert BMW-Designchef Chris Bangle diesen Trend, und auch der neue Mercedes-Designchef Gorden Wagener sieht sich "an der Schwelle eines Wertewandels". Dabei stehen die automobilen Formengeber durchaus vor einem schwierigen Spagat. "Es gibt Materialien wie Glas, die lassen ein Auto zwar leichter aussehen, machen sie in Wirklichkeit aber schwerer", sagt Audi-Designchef Stefan Sielaff.

Ein Elektroauto kann anders aussehen, weil es wenig Kühlluft braucht

"Erhöht man aber zugunsten des Leichtbaus den Blechanteil, dann sieht ein Auto schnell aus wie ein Panzerspähwagen." Mercedes-Stylist Wagener schwebt ein Auto vor,"das alternativ aussieht, trotzdem sozial akzeptiert ist und sich an Formen aus der Natur orientiert. Ein Elektroauto kann anders aussehen, weil es einfach nicht so viel Kühlluft braucht." Aus Sicht der deutschen Formenfinder deutet sich mit dieser Einstellung aber ein Ende des speziell bei Audi jahrelang gepflegten technikorientierten Bauhaus-Stils an. "Der Trend geht zu weicheren, dezenten Formen", prognostiziert Audi-Mann Sielaff. "Wir müssen unsere großen Lufteinlässe vorne dann auch anders gestalten."

Zukünftige Autos könnten eine schlanke Figur haben

Kia-Designchef Peter Schreyer schwebt dagegen vor, dass Autos künftig "nicht mehr schwer und aggressiv wie Ringkämpfer daherkommen, sondern eher die schlanke Figur eines Langstreckenläufers aufweisen. Wir müssen die Querschnittsflächen reduzieren." Um windschlüpfige Karosserien mit geringem Luftwiderstand zu bauen, muss im Windkanal viel Arbeit in die Verkleidung des Unterbodens investiert werden. Löcher werden geschlossen, Räder verkleidet und Reifen schmaler gestaltet. Seine Grundform wird das Umweltauto der Zukunft deshalb nicht verlieren. "Es wird immer noch als Auto erkennbar sein", prognostiziert Porsche-Designchef Michael Mauer, der einen hocheffizienten Umgang mit den Ressourcen predigt und froh ist, dass der "911 in seinem Segment das zierlichste Fahrzeug" ist.

Stefan Sielaff sieht dagegen größere Veränderungen auf die Szene zukommen: "Wir müssen manifestierte Paradigmen aufbrechen. Formel 1-Autos entwickeln sich schließlich auch ständig weiter. Und der Toyota Prius hat bewiesen, dass es bei Lufteinlässen und Diffusoren eine neue Ästhetik gibt, die wir uns früher nicht hätten vorstellen können." Für den Nachfolger des Audi A2 hat er dabei schon konkrete Vorstellungen: "Wenn wir so ein Auto machen, dann als knallharte Öko-Ikone, die schon optisch signalisiert, dass hier der bessere Mensch drinsitzt." Van den Acker geht davon aus, dass wir in Zukunft immer mehr bewegliche Teile am Auto finden werden: "Die Abdeckung eines Grills ist auf der Autobahn aerodynamisch notwendig, aber wenn man im Death Valley mit laufender Klimaanlage steht, braucht man den Lufteinlass."

Öko-Autos müssen erst einmal richtig umweltfreundlich sein

Öko sichtbar gemacht - darin sehen die Designer in erster Linie einen vorübergehenden Trend, der uns besonders in den nächsten Jahren beschäftigen wird. "Wichtig und schön wäre doch, wenn die Autos erst einmal richtig umweltfreundlich wären", so Kia-Designer Schreyer. Wenn die Autos technologisch auf dem neuesten Stand sind und mit Resourcen sparsamer umgehen als bislang, Umweltfreundlichkeit also selbstverständlich geworden ist, dann, so Mazda-Designer van den Acker, "können wir wieder an unsere Schreibtische gehen und uns nur noch Gedanken über die Schönheit eines Autos machen".

Interview mit Mercedes-Designchef Gorden Wagener über neue Werte im Auto-Design.

Welche Rolle spielt das Thema Umweltfreundlichkeit künftig im Design?
Wagener: Wir stehen an der Schwelle eines Wertewandels. Wenn früher 500 PS Status bedeutet haben, wird es künftig möglicherweise ein besonders umweltgerechtes Automobil sein. Das hat jedoch nichts mit Verzicht zu tun. Kunden mögen auch künftig Komfort, Fahrspaß und Status. Nur definiert es sich anders. Die Aufgabe des Designers wird sein, diese Umwelt- und Sozialverträglichkeit formal so umzusetzen, dass auch ein solches Fahrzeug Begehrlichkeit weckt und sehr attraktiv ist. Wir können da viel aus der Welt der Mode, der Möbel und der Architektur lernen. Aber auch viel aus der Natur mit ihren organischen Formen.

Wollen die Kunden, dass man ihren Autos Umweltverträglichkeit ansieht?
Wagener: Sie wollen Umweltverträglichkeit durchaus zeigen. Ich vergleiche das mit heutigen Einfamilienhaus-Siedlungen: Es gab eine Zeit, da waren Solarkollektoren eine Ausnahmeerscheinung auf den Dächern. Heute gehört es fast zum guten Ton, eine solche Anlage zu "demonstrieren", oft ist sie Design-Bestandteil der Gesamt-Architektur. Mit Automobilen wird das ähnlich sein: Elektroautos benötigen zum Beispiel keine Kühlluft für den Motor. Also lassen sich Kühler-Motive anders interpretieren: Es könnte künftig als chic gelten, einen geschlossenen Kühler zu haben, um zu zeigen, dass man progressiv unterwegs ist. Das heißt für Designer: Auch Umweltverträglichkeit muss attraktiv "verpackt" sein, muss Sinnlichkeit ausstrahlen. Die Bionik ist dafür ein gutes Instrument, denn die Natur liefert technisch-ästhetische Vorbilder, die man nur entdecken muss.

Was bedeutet es konkret, umweltfreundliche Autos zu entwerfen?
Wagener: Zunächst einmal ist es eine inspirierende Herausforderung. Entscheidend ist sicherlich die Gesamtkomposition, die sich vom Äußeren bis ins Innere eines Automobils durch dekliniert. Es ist das Package, das sich zum Teil anders darstellt. Es sind Funktionen, die wegfallen. Und es ist die Ausprägung, der Symbolgehalt, der in solchen Fahrzeugen stecken kann. All das muss im Einklang stehen und am besten im Zusammenhang mit Motiven aus der Natur. Damit transportiert der Nutzer seine Botschaft am besten.

Kommt dem Windkanal wieder eine größere Bedeutung zu?
Wagener: Der hat immer schon eine große Rolle gespielt, wurde nur nicht mehr so aktiv "gespielt". Denken Sie an unsere neue E-Klasse: Die hat einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,25; ein sensationeller Wert, obwohl das Auto eine Produktpersönlichkeit ist und eine Präsenz ausstrahlt, die nichts mit formalem Einerlei gemein hat.

Werden sich die Autos durch spezielle Abdeckungen der Kühlergrills oder der Radhäuser auszeichnen?
Wagener: Akzente werden sich verändern, spezielle Details unterstreichen einen neuen Look, der Korpus bleibt. Immerhin sollten auch umweltverträgliche Autos - wie etwa unsere Elektro- Version Blue Zero - mehrere Personen von A nach B bringen.

Wie sieht Ihrer Prognose nach das Umweltauto der Zukunft aus
Wagener: Man wird diese Unterscheidung gar nicht mehr wahrnehmen, weil jedes Fahrzeug diesen Anspruch mitbringen muss. Die Herausforderung wird nach wie vor die Markenidentität bleiben: Die Handschrift einer Marke wird der entscheidende Erfolgsfaktor für künftige Modelle.

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