Ende der Abwrackprämie: Werkswagen könnten billiger werden

BMW 320 d

Nach dem Erfolg der auslaufenden Abwrackprämie kann die Autoindustrie auf ein neues Instrument zur Absatzsteigerung hoffen. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) in München dürfen die Beschäftigten der Autokonzerne mit besseren steuerliche Bedingungen beim Kauf eines Neuwagens rechnen, den sie nach zwölf Monaten als Jahreswagen abstoßen dürfen.

Dieses Geschäft mit den eigenen Leuten war in den vergangenen Jahren stark
zurückgegangen.

Jahreswagen könnten mit der Regelung billiger werden

Nach dem Urteil der obersten Finanzrichter in München darf der Fiskus nicht mehr die Differenz zwischen Listen- und Mitarbeiterpreis besteuern. Lediglich die Differenz zu dem im allgemeinen Geschäftsverkehr üblichen Preis sei ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil (Az.: VI R 18/07). Jahreswagen könnten mit dieser neuen Berechnung billiger werden, da die Beschäftigten ein geringeres ökonomisches Risiko zu tragen hätten. Hintergrund sind die kräftigen Rabatte im Kfz-Handel.

Das Bundesfinanzministerium kündigte am Donnerstag eine genaue Prüfung des Urteils an. "Für eine endgültige Bewertung des Urteils wird zeitnah eine Erörterung mit den obersten Finanzbehörden der Länder stattfinden." Zuletzt hatte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) einen entsprechenden Vorstoß der Union strikt abgelehnt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) forderte eine rasche Änderung der geltenden Regeln. Das Thema müsse Teil von Koalitionsverhandlungen der nächsten Bundesregierung sein, sagte Oettinger dem "Handelsblatt" am Donnerstag (28.8.).

VDA sieht sich durch das Urteil bestätigt

Der Automobilverband VDA sah sich durch das Münchner Urteil bestätigt. Der Richterspruch belege, dass es nicht um Steuervorteile oder Subventionen gehe. Der geldwerte Vorteil für Mitarbeiter gegenüber den marktüblichen Preisen liege im Einzelfall real bei null Euro, erklärte ein VDA-Sprecher. Der Bruttolistenpreis sei schlicht der falsche Vergleichswert zur Berechnung des geldwerten Vorteils. Der gegenüber Endkunden gewährte Händlerrabatt müsse bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils vollständig berücksichtigt werden und nicht wie bisher nur zur Hälfte.

Abwrackprämien-Topf leert sich

Unterdessen teilte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn mit, dass der Topf für die Abwrackprämie fast leer ist. Am Donnerstag sank die Marke der noch verfügbaren Prämien von jeweils 2.500 Euro pro verschrottetem Altauto auf 95.000. Das sind nicht einmal mehr fünf Prozent der gesamten Fördersumme von 5 Milliarden Euro, die vom Bund zur Verfügung gestellt worden waren. Das Amt plant eine Art Warteliste zu führen, wenn die Zahl der verfügbaren rund 2 Millionen Anträge überschritten ist. Erfahrungsgemäß würden nicht alle Prämien abgerufen.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat die Abwrackprämie für Altautos im ersten Halbjahr 2009 den privaten Konsum in Deutschland gestützt. Die Bundesbürger gaben in den ersten sechs Monaten für den Autokauf rund 36 Milliarden Euro und damit 23 Prozent mehr aus als vor einem Jahr. Der gesamte private Konsum steigerte sich um 0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008, wie das Amt am Donnerstag mitteilte. Ohne die Auto-Subvention wäre er um 1,0 Prozent gesunken. Die gesamtwirtschaftliche Auswirkung der Abwrackprämie blieb damit aber geringer als beispielsweise 2006, als die Bürger wegen der bevorstehenden Erhöhung der Mehrwertsteuer größere Anschaffungen nicht nur von Autos vorzogen. Der gesamte Konsum stieg damals um 2,3 Prozent.

Abwrackprämie hat vorübergehende Stabilisierung gebracht

Die Umweltprämie habe ihre Funktion erfüllt, vorübergehend den Inlandsmarkt zu stabilisieren, erklärte der VDA. Allerdings werde nur ein gutes Fünftel der Gesamtproduktion der deutschen Hersteller in Deutschland abgesetzt. Man sei daher stark auf die Entwicklung des gesamten Weltmarktes angewiesen. Viele Länder hätten die deutsche Prämie nachgeahmt, was der Industrie helfe. Bei den Neuzulassungen werde der Anteil der gewerblichen Kunden wieder steigen, die auch wieder mehr Diesel-Fahrzeuge kauften.

Nachfragerückgang ist nach der Abwrackprämie zu erwarten

Ein Sprecher von Daimler-Benz in Stuttgart erklärte, dass nach Wegfall der Prämie ein Nachfragerückgang bei den Herstellern entstehen könne, die mehr als andere davon profitiert hätten. Auch könne sich bei den Kunden ein geringeres Preisniveau als Erwartungshaltung festsetzen. Daimler habe in der Kompaktklasse eine "gewisse Belebung" des Geschäfts gespürt. "Allerdings können wir als Premium-Hersteller nicht über alle Baureihen hinweg betrachtet dieselben Effekte der Prämie auf unseren Neuwagen-Absatz feststellen."

Kommentare
Bild vergrößern
dpa/ama

Autor:

Anzeige
Thema
Abwrackprämie: Weitere Artikel zu diesem Thema
Neuzulassungs-Prognose: VDIK rechnet mit 3,1 Mio. Zulassungen

Nach extremen Schwankungen wird sich der deutsche Automarkt nach Prognose der Importeure 2011 stabilisieren. Man gehe davon aus, dass es rund 3,1 Millionen Auto-Neuzulassungen geben wird.


Opel-Bilanz: Umweltprämie hat Opel gerettet

Die Abwrackprämie hat den Autobauer Opel 2009 vor dem erwarteten Milliardenverlust bewahrt. Tatsächlich beträgt der Jahresfehlbetrag 427 Millionen Euro.

Abwrackprämie
Top Artikel
Jahreswagen: Die wichtigsten Tipps

Wer die hohen Preise und den kräftigen Wertverlust eines Neuwagens meiden will, aber vor den Risiken eines Gebrauchtwagens zurückschreckt, sollte einen Jahreswagen ins Auge fassen.


Abwrackprämie: Günstige Neuwagen bei Deutschen hoch im Kurs

Die Abwrackprämie sorgt laut einer Studie der Uni Duisburg-Essen dafür, dass die Durchschnittspreise aller in Deutschland verkauften Neuwagen deutlich zurückgingen.


Newsletter
Kfz-Versicherungsvergleich

Bis zu 500 EUR sparen!

Über 180 Tarife anonym vergleichen und auf Wunsch sofort online abschließen

Ihr Ortskennzeichen:
WGV Beitragsrechner Kfz-Versicherung
ANZEIGE

Überzeugend gut, gnadenlos günstig!

Jetzt Auto bei der wgv versichern und mehrere hundert Euro im Jahr sparen!

Bild des Tages
Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 12/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 12/2012
Sportauto
Finalrennen Tuner GP 2012: Ultimativer Wettkampf auf der Piste

Alle Tuning-Fahrzeuge sämtlicher Klassen durften nach dem Zeitfahren bei einem Finalrennen direkt gegeneinander antreten.

Ultimativer Wettkampf auf der Piste
Motor Klassik
Renault Alpine A 610 Turbo: Heckmotor-Franzose zum Porsche-Jagen

Der Renault Alpine A 610 Turbo bildete den Hightech-Höhepunkt der Alpine-Geschichte. Nach der 265 km/h-Flunder war Schluss.

Heckmotor-Franzose zum Porsche-Jagen
4WheelFun
Mercedes G 63 AMG Fahrbericht: Der Vollstrecker

Die Offroad-Ikone von Mercedes geht in diesem Jahr mit 544 PS an den Start. Wir waren mit dem Dampfhammer unterwegs.

Der Vollstrecker
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...