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Reportage Ennstal-Classic 2009

Tollkühne Männer in ihren tollen Kisten

Ennstal-Classic 2009 Foto: press-inform 39 Bilder

Abseits der Wirren des Berufslebens sind die alltäglichen Herausforderungen rar geworden. Nicht so bei der Ennstal-Classic, der härtesten Oldtimer-Rallye des Sommers.

21.07.2009 Powered by

Rallye-Legende Rauno Aaltonen hat sich akribisch vorbereitet. "Ich war gerade bei der Kalibrierung des Streckenzählers", so der Rallye-Professor aus Finnland kurz vor dem Start zur Ennstal-Classic 2009, "wichtig ist, immer erst den Luftdruck prüfen und dann kalibrieren. Sonst fährt man ungenau." Rauno ist auch nach Jahrzehnten Profi und wenn der ansonsten so gelassene Finnen bei einer Rallye an den Start geht, macht er keine halben Sachen. So sehr Rauno auch lächelt, er will den Sieg. Diesmal, bei der 17. Auflage der Ennstal-Classic, in einem neu aufgebauten Rallye-Mini von 1968. Zwei Jahre hat Klaus Hauer den Morris Mini Cooper S wieder auf Vordermann gebracht, nachdem der rote Flitzer kurz nach der Überführungsfahrt von England nach Österreich komplett abgebrannt war. Der Mini mit der Startnummer 153 ist vom originalen Rallye-Mini, mit dem Aaltonen 1968 unter anderem die Rallye Monte Carlo gewonnen hat, nicht zu unterscheiden. "Mit einer Einschränkung", so Klaus Hauer, der den Wagen detailgetreu bis ins kleinste wieder zusammengesetzt hat, "mein Mini verfügt über keinen Tageskilometerzähler. Den hatten damals aber alle Werkswagen." Jetzt soll mit einem Topfahrer der Sieg her.

Über 200 Fahrzeuge gingen in diesem Jahr an den Start

Jahr für Jahr findet im ebenso regen- wie sonnenreichen Ennstal in der Nähe von Schladming eine der bekanntesten Oldtimerveranstaltungen des Jahres statt. Programm und Teilnehmerfeld haben es gleichsam in sich. Über 200 Fahrzeuge gingen in diesem Jahr auf die hügelreiche Runde durch die österreichischen Alpen mit Durchquerung von Steiermark, Oberösterreich und Salzkammergut. Bereits der erste Tag ist nach einem Spurt-Prolog hinauf auf den gefürchteten Stoderzinken mehr als anstrengend. Doch die rund 300 Kilometer Wegstrecke mit zahlreichen Sonderprüfungen bis in den späten Abend sind nur ein lockerer Aufgalopp für den zweiten Renntag. Hier sind in zwölf Stunden 600 Kilometer zurückzulegen. Bei heißen Temperaturen und wolkenbruchartigen Regengüssen eine Tortur für Mensch und die betagten Maschinen.          

Publikumslieblinge sind bei der 17. Auflage die Minis

Das automobile Teilnehmerfeld hat manche Preziose parat. Besonders groß ist die Armada von schmucken Porsche -Modellen der Baureihen 356, 911 und 550. Doch auch Austin Healey , Jaguar XK, Ferrari 250 GT oder zahlreiche Mercedes -Cabriolets machen das Teilnehmerfeld der Baujahre 1924 bis 1972 spannend. Publikumslieblinge sind bei der 17. Auflage die Handvoll Minis, die die Ergebnislisten anlässlich des 50. Mini-Jubiläums mächtig durcheinander wirbeln. Klein, rot und niedlich ist nur der äußere Anschein. Doch wenn die kleinen Rallyeversionen von bis zu 112 PS befeuert die Sölkpass oder Stoderzinken hinaufwieseln, gibt es für die noch so PS-starke Konkurrenz wenig zu lachen. Für den ambitionierten Rauno Aaltonen reicht es mit seinem 80 PS starken Rallye-Mini mit der Startnummer 153 diesmal nur zu Platz 23. Der Professor, der bei jeder Ortsdurchfahrt gefeiert wird, kann seine Enttäuschung ebenso verhehlen wie sein Beifahrer Helmut Artacker. Der hat die Ennstal-Classic schon mehrfach gewonnen.    

Die Ennstal - Autofahren im letzten Paradies

Der größte Teil des Teilnehmerfelds ist überaus ambitioniert. Seine Erstbesteigung macht in Schmuckstücken wie einem Fiat Dino oder einem Bentley Open Tourer hier kaum jemand. Die meisten Autos präsentieren sich technisch und optisch im Bestzustand. Der Wunsch bei der Ennstal-Classic zu starten, ist jedes Jahr aufs Neue größer denn je. Kein Wunder. Schließlich lockt nicht nur das grandiose österreichische Alpenpanorama zwischen Ramsau, Seckau, Weyer, Bad Ischl und der Nockalm mit Pässen über 2.000 Meter, sondern auch ein Slogan der zieht: die Ennstal - Autofahren im letzten Paradies. Doch so grandios sich die Landschaft entlang der Route auch präsentiert, so wenig hat sie mit dem Autoparadies zu tun. Im Gegensatz zu einer Festveranstaltung wie der Mille Miglia haben die Veranstalter der Rallye die lokalen Ordnungsbehörden alles andere als im Griff. Und so fahren viele Rallye-Teilnehmer ohne Pokal, aber mit strammen Ordnungsgeldern und zahlreichen Belehrungen reicher wieder zurück in die Heimat.

Die Vorbereitung vieler Fahrerteams könnte nicht professioneller sein

Mit Geschwindigkeitsüberschreitungen haben Dr. Burkhard Göschel und Christoph Schausberger nicht viel zu tun. Sie starten ebenfalls in einem roten Kleinwagen. Doch kein Mini, sondern ein gerade einmal 27 PS starker Steyr-Puck 650 TR im Blechkleid des Fiat 600 aus dem Jahre 1967 brüllt sich hier die engen Alpenkehren hinauf. Da tun sich Klaus und Christine Pilz in ihrem dunklen MG B GT schon leichter. Bissig ziehen sie auf der nächsten Geraden den Anstieg hinauf. 95 PS reichen allemal aus, um den Austria-Italiener rechts liegen zu lassen. Noch schwerer haben es jedoch Michael Suppan und Zuzana Marakova. Mit ihrem Mercedes 200 D stehen sie zum wiederholten Male am Straßenrand. Die schwarze Limousine ist der einzige Diesel im Feld. Hitze und Höhe lassen jeder Kilometer Aufstieg zu Qual werden. Ohne zusätzliche Wasserstopps geht da nichts.
 
Die Vorbereitung vieler Fahrerteams könnte für einen aktuellen WM-Lauf des Jahres 2009 nicht professioneller sein. Eine Batterie von Stoppuhren am Armaturenbrett; dazu Taschenrechner, geeichte Wegstreckenzähler und eine Gegensprechanlage mit Auto, mit der Fahrer und Beifahrer auch bei schnellem Tempo sprechen können, bringen Touristenmitfahrer zum Lächeln. Für viele Dauergäste bei Oldtimer-Rallyes gehört es einfach dazu. Wie eng es im bunten Teilnehmerfeld zugeht, davon kann man sich im Ziel überzeugen. Die Siegerpaarung Dr. Karsten Wohlenberg und seine Frau Monika haben gemessen an den Vorgaben nach rund 1.000 Kilometern Rallyetour gerade einmal eine zeitliche Abweichung von knapp vier Sekunden.

Bis zum Herbst warten eine Vielzahl weiterer Oldtimer-Rallyes

Auch Igor und Peter Testen hatten sich auf der auf der Ennstal-Classic viel vorgenommen. Der orangefarbene Porsche 911 T von 1977 ist mit seinen 110 PS ein ideales Auto für den kurvenreichen und leistungsverschlingenden Ennstal-Kurs. Letztlich reichte es für Platz 116. Keine schlechte Leistung. Der 32 Jahre alte Sportwagen Porsche 911 T mit der Startnummer 166 stammt nicht aus der eigenen Garage des Fahrergespanns Testen / Testen, sondern von der Firma Zeitreise. "Zeitreise" aus Stuttgart vermietet Oldtimer verschiedensten Art - auch für Oldtimer-Rallyes. Firmeninhaber Marcus Görig stellt nicht nur ein Auto aus seinem Fuhrpark zur Verfügung. In einem dunkelgrünen Porsche 356 von 1960 ist die Ennstal-Classic ein alljährliches Muss.

Für viele Teilnehmer geht es in die nächsten Wochen kurven- und temporeich weiter. Bis zum Herbst warten eine Vielzahl weiterer Oldtimer-Rallyes. So spannend und stimmig wie bei der Ennstal-Classic geht es jedoch selten zu. Und die findet erst wieder im Sommer 2010 statt. Die meisten Teilnehmer kommen sowieso wieder. Vielleicht auch Rauno. Er hat mit der Ennstal noch eine Rechnung offen. Dann muss der Mini eben bei seinem 51. Geburtstag die Siegerrampe hinauf. Und immerhin ist er vor Sir Stirling Moss gelandet.

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