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Autoschlüssel früher und heute

Vom Schlüssel zum Touchscreen

Autoschlüssel, früher und heute, Teaser Foto: Opel / BMW 51 Bilder

Autoschlüssel haben etwas Unscheinbares, oft werden sie vergessen. Dabei ist ihre Entwicklung so interessant wie die der Fahrzeuge, die sie aufschließen. Schlüssel-Szenen von BMW bis Volkswagen.

22.05.2016 Roman Domes 2 Kommentare

In Zeiten von "Keyless Go" interessiert uns das mechanisch-befriedigende Aufschließen eines Autos überhaupt nicht mehr - außer es ist etwas kaputt.

Dann müssen wir den Notschlüssel aus dem klobigen Apparat herausfriemeln, den Bart ins Schloss rattern lassen, nach links drehen, den Stift in der Tür mit einem "Klack"-Geräusch nach oben rutschen sehen, den Türgriff ziehen und einsteigen. Wie umständlich! Dabei war das noch vor 20 Jahren völlig normal, etwa so, wie den Wasserhahn aufzudrehen.

VW Käfer, Schlüssel, 1961Foto: Stiftung AutoMuseum Volkswagen
Oldschool: Der Schlüssel eines VW Käfers könnte auch als Briefkastenöffner durchgehen - wäre da nicht das Markenlogo.

"Hast du das Knöpfchen runtergedrückt?"

Und beim Zusperren drehte man den Schlüssel nach rechts. Der Stift senkte sich. Tür zu. Nochmal kurz dran rütteln, um sich zu vergewissern. Die Mitfahrenden wurden beim Abstellen des Fahrzeugs gefragt: "Hast du das Knöpfchen runtergedrückt?" Ein Satz, bei dem man heute nur noch verdutzt den Kopf schütteln würde.

Der Grund: Fortschritt der Technik beim Schlüssel- und Schließsystem. Ein Utensil in etwas spitzer Form, gezackt, zumeist mit Markenlogo versehen. So kennen wir ihn. Das sollte sich auch nicht allzu schnell ändern, selbst als die ferngesteuerte Zentral-Verriegelung publikumswirksam 1982 im Renault Fuego ihr Debüt feierte.

Dabei wäre es bis in die 1970er-Jahre schon etwas Besonderes gewesen, überhaupt nur einen einzigen Schlüssel zu haben. Beim legendären Mercedes Strich-8 zum Beispiel gab es noch separate Schlüssel für Kofferraum, Tank sowie Türen und Zündung. Anders bei Chrysler: Sie führten 1949 erstmals die Kombination Zünd-ist-gleich-Türschlüssel ein.

Das erste Automobil mit einem gesondertem Zündschlüssel für das Zündschloss war indes der Cadillac Type 53 aus dem Jahr 1916, auch wenn sich die Quellen hier nicht einig sind. Chrysler erfand 1912 den elektrische Anlasser, der allerdings zu dieser Zeit noch per Knopf genutzt wurde.

Opel Vectra B, 1995, SchlüsselFoto: Opel Classic Archiv der Adam Opel AG
Typisch Neunziger: Schlüssel mit angehängter Fernbedienung, hier am Beispiel des Opel Vectra B.

Zentralverriegelung gab es schon 1914

Mercedes-Benz war Vorreiter, wenn es um die Zentralverriegelung ging: Der schwäbische Autobauer arbeitete mit einem Pneumatik-System, das in der Baureihe W 116 zum Einsatz kam - ebenfalls in den 1970ern. Und angeblich erfand der Automobilzulieferer Kiekert die Zentralverriegelung vor mehr als 100 Jahren, 1914. Damals arbeiteten noch fast alle Hersteller mit dem klassischen Sicherheitsschloss samt Schließzylinder. Oder ganz anders: Der Hersteller Leach lieferte seine Autos um 1900 mit einem abnehmbaren Lenkrad aus.

So richtig populär wurde die Zentralverriegelung Mitte der 1990er-Jahre, als fast alle Hersteller eine Fernbedienung in ihre Schlüssel integrierten oder als ästhetisch fragwürdigen Anhänger dazu packten. Trotzdem sah der Schlüssel noch aus wie ein Schlüssel. Nach und nach wurden weitere Funktionen in die Fernbedienung integriert: etwa das Öffnen der Kofferraumdeckels. Teilweise war das nur das Aufschnappen der Verriegelung, teilweise auch das Auf- und Zuschwingen der Heckklappe. Aber nicht nur das: Einige Funkschlüssel verfügten über eine Komfortöffnung oder -schließung der Fenster. Drückt man beim Aufsperren lang auf den Öffnen-Knopf, fahren alle elektrischen Fenster herunter. Oder umgekehrt schließen sie sich wieder.

BMW 7er, Baureihe G11, SchlüsselFoto: BMW
Heute: Hypermoderner Schlüssel des BMW 7er mit Touchscreen.

"Keyless Go" kam 1999

Mercedes-Benz führte 1999 ihr "Keyless Go"-System ein. Seitdem muss der Schlüssel nur noch mitgeführt werden, bei Berührung öffnet das Fahrzeug seine Verriegelungen. Ins Zündschloss muss der Schlüssel auch nicht mehr gesteckt werden, es reicht, wenn er sich irgendwo beim Fahrer befindet.

Das hatte Folgen für die Optik, der Schlüssel verlor nach und nach seine ursprüngliche Form, tritt nun in Scheckkartenform, als Skulptur oder etwas plumper, plastiklastiger Mini-Quader auf, landet meistens in der Ablagefläche der Mittelkonsole oder bleibt in der Jacke. Dabei haben wir ihn trotzdem immer - "Keyless Go" ist so gesehen eigentlich die falsche Bezeichnung.

Verlieren sollte man sie aber definitiv nicht, denn im Falle der "Funkfernbedienung mit Display" des neuen BMW 7ers der Baureihe G11 wird das richtig teuer. Der Preis für einen Schlüssel mit Display werden sage und schreibe mehr als 380 Euro fällig - bei einigen Händler kostet das Teil im programmierten Zustand rund 500 Euro. Zum Vergleich: Für ein kultiges Z3M Coupé kostet ein kompletter Satz Schlüssel, sprich zwei per Funk bediente Zündschlüssel und einem Notschlüssel weniger als das verkappte iPhone für den BMW 7er.

Schlüssel im neuen BMW 7er mit Touchscreen

Der kann dafür mehr, auch wenn seine Gimmicks für viele nur nettes Beiwerk sein dürften: Zum Beispiel kann per Touchscreen das Fahrzeug gestartet, der Ein- und Auspark-Assistent aktiviert oder vom Fahrer gecheckt werden, ob alle Fenster und Türen geschlossen sind. Außerdem ist es möglich, auf dem Bildschirm die Klimaanlage zu aktivieren und den 7er auf die persönliche Wunschtemperatur einzustellen.

Und da wir alles das Laufzeit-Problem bei Smartphones kennen: Der Akku des Smartkeys kann während der Fahrt induktiv geladen werden. Falls dann doch mal der Strom ausgehen sollte: Auch im modernsten Schlüssel unserer Zeit steckt ein kleines Metallteil mit Bart, das man in ein Schloss stecken und drehen muss.

In unserer großen Bildergalerie haben wir die Schlüsselszenen der Schlüsselentwicklung gesammelt.

Neuester Kommentar

Nun ich bezweifle dass dies ein Fortschritt ist für den Autobesitzer. Ich habe im Winter einen solchen Schlüssel im Schnee verloren, der Ersatz kam auf über 490 Euro für einen Schlüssel inclusive eine halbe Stunde Programmieren in der Werkstatt . Sicher sind sie praktisch, wenn sie auch über eine nur trügerische Sicherheit verfügen. Das effektiv Einzige, dass hier ein echter Sicherheitsaspekt ist, ist dass man bei einem Unfall keinen Schlüssel mehr in der Kniescheibe hat. Der Schlüsselindustrie bringen sie aber tolle Einkünfte. Man kann sich den Markt auch selber schaffen und es dann Fortschritt der Technik bezeichnen.

Curious 23. Mai 2016, 14:25 Uhr
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