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Entwicklungszentrum Rüsselsheim

GM will Zafira-Entwicklung verlagern

Opel Zafira Tourer 1.4 Turbo Foto: Hans-Dieter Seufert

Die Spekulationen um Sparpläne beim defizitären Autobauer Opel reißen nicht ab. Nun heißt es, auch das Entwicklungszentrum Rüsselsheim könne sich dem Kahlschlag nicht entziehen. Opel dementiert, der Betriebsrat ist sauer, die Belegschaft frustriert.

11.05.2012 dpa

Die Angst der Opel-Mitarbeiter vor einem radikalen Kahlschlag wächst. Denn nach Informationen aus Arbeitnehmerkreisen könnte der Umbau des verlustreichen Autobauers Opel noch tiefgreifender ausfallen als ohnehin angenommen. Nachdem die Astra-Produktion ins Ausland verlagert und das Werk Bochum geschlossen werden solle, setze die US-Mutter General Motors nun auch im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum den Rotstift an, berichteten mehrere Medien am Donnerstag (10.5.).

Die Allgemeine Zeitung Mainz meldete vorab: "Um seine Tochter Opel wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen, will der US-Mutterkonzern General Motors nach Produktion und Verwaltung nun offenbar auch im Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim die Kosten drastisch senken."

In Rüsselsheim wurden Spekulationen zurückgewiesen

Spiegel Online berichtete, dass nach dem Willen der US-Manager die nächste Generation des Familien-Vans Zafira einschließlich der Motoren nicht mehr in Rüsselsheim entwickelt werden solle, sondern beim neuen französischen Partner PSA (Peugeot/Citroen).

GM wollte den Bericht nicht kommentieren. In Rüsselsheim wurden die Spekulationen zurückgewiesen: "Wir haben gesagt, dass GM/Opel und PSA in einer Reihe von Produktprogrammen kooperieren wollen. Welche das sein werden, ist aber noch nicht entschieden."

Nach Informationen von Spiegel Online ist die Zafira-Entwicklung hingegen eines der ersten Kooperationsprojekte, die GM mit dem französischen Autokonzern Konzern Peugeot-Citroen vereinbaren wolle. Dadurch seien im Entwicklungszentrum Rüsselsheim mehrere hundert der aktuell rund 4.500 Arbeitsplätze bedroht.

Entwicklungsaufgaben mit Peugeot teilen

Das Zentrum genießt zwar auch innerhalb des GM-Konzernverbunds einen guten Ruf. Doch das Management in Detroit wolle Investitionskosten sparen und sich deshalb Entwicklungsaufgaben mit Peugeot teilen. Ein Opel-Sprecher dementierte: "Aufgrund der Allianz mit PSA werden im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim keine Jobs verloren gehen."

Auch die Verlagerung nach Osteuropa will GM nach den Berichten weiter vorantreiben. Demnach sollen in der Verwaltung in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale 150 bis 200 Stellen abgebaut und als Fremdvergabe nach Polen übertragen werden. Das Management hatte mehrfach betont, dass die Kosten bei Opel gesenkt werden müssen, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Wie genau dies geschehen soll, ist nach den Angaben vom Donnerstag aber noch nicht entschieden.

Belegschaft soll endlich über Sparpläne informiert werden

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Freitag) berichtet, will Gesamtbetriebschef Wolfgang Schäfer-Klug den Druck auf Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke erhöhen, die Belegschaft endlich über die Sparpläne zu informieren. Dafür hat der Betriebsrat zu einer Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim am kommenden Montag eingeladen, zu der auch die Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und Volker Bouffier (CDU) erwartet werden.

In der Einladung heißt es, die Belegschaft sei angesichts der Spekulationen sauer, verärgert und frustriert und verlange umfassende Informationen über die Zukunft des Unternehmens. Der Vorstand versuche für den Standort Rüsselsheim Fakten zu schaffen, die die Zukunft von Opel gefährdeten.

Hessens Ministerpräsident gegen Staatshilfen

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wirft dem Management der US-Mutter General Motors schlechte Informationspolitik vor. "Bei diesem Zirkus ist doch völlig klar, dass eine Verunsicherung auch am Markt eintritt", sagte Bouffier am Freitag dem Radiosender hr-Info: "Was ich nicht akzeptieren kann ist, dass über Wochen niemand weiß, wie es weiter geht. Das führt zu einer massiven Verunsicherung."

Das Opel-Werk in Rüsselsheim sieht Bouffier nicht gefährdet. Zwar habe ihm Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke mitgeteilt, dass noch nicht endgültig entschieden sei, ob die Entwicklung des Modells Zafira aus Rüsselsheim verlagert wird. Stracke gehe aber davon aus, dass dieser Schritt keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze hätte.

Bouffier und Kurt Beck auf Opel-Betriebsversammlung

Bouffier wird am Montag gemeinsam mit seinem Mainzer Pendant Kurt Beck (SPD) zu einer Opel-Betriebsversammlung ins Stammwerk Rüsselsheim kommen. In der Einladung kritisiert der Betriebsrat, die Belegschaft sei angesichts der Spekulationen sauer, verärgert und frustriert und verlange vom Management umfassende Informationen über die Zukunft des Unternehmens.

Finanzielle Unterstützung für den kriselnden Hersteller schloss Bouffier indes aus. "Ich kann nicht hessisches Steuergeld in die Hand nehmen, um eine Unternehmensentwicklung zu befördern. Das wäre nicht zulässig und  gegenüber allen anderen Mitbewerbern nicht zu vertreten." Im Wettbewerb der Standorte sollen Politik und Betriebsräte in England GM Zugeständnisse signalisiert haben, um das Opel-Werk in Ellesmere Port zu erhalten.

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