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Ex-Fiat-Deutschland-Chef Klaus Fricke

"Marchionne pokert hoch"

Foto: ams 7 Bilder

Er war jahrelang Deutschland-Chef bei Fiat - und bei der größten deutschen Händlergruppe Emil Frey. Zuvor wirkte er bei BMW, Smart und Keiper Recaro. Klaus Fricke, 56, ist heute Partner der Personal- und Unternehmensberatung Graf Lambsdorff. Im Gespräch mit auto-motor-und-sport.de bewertet der Vertriebsprofi den aktuellen Expansionskurs des Fiat-Konzerns.

16.07.2009 Harald Hamprecht

Herr Fricke, was halten Sie von den aktuellen Aktivitäten des Fiat-Chefs Sergio Marchionne?
Fricke: Statt sein Glück in Kooperationen zu suchen, sollte Fiat seine eigenen Fabriken besser auslasten, vor allem die in Italien. Denn die Kapazitäten in den eigenen Werken liegt bei drei bis 3,5 Millionen Einheiten, der Absatz 2008 aber nur bei 2,2 Millionen Einheiten. Wenn Marchionne es nicht schafft, die Fabriken besser auszulasten, muss er Kapazitäten bereinigen, sprich Werke schließen. Das ist in Italien bislang aber immer am politischen Druck gescheitert.

Aber Kooperationen sind doch ein starker Trend in der Branche.
Fricke: Ja, aber Kooperationen bedeuten auch immer Abhängigkeiten - nicht nur im Bezug auf Produktionskapazitäten. Die Partner diktieren auch die Transaktionspreise, Prozesse und Teilelieferungen. Damit kann bei baugleichen Modellen - wie dem Suzuki SX4 und dem Fiat Sedici - das Fiat-Modell schon mal 1.000 Euro teurer und damit aus dem Markt gepreist werden.
 
Mit dem Chrysler-Anteil, der Fiat keinen Cent Cash kostet, haben sich die Italiener auf einen Schlag vom neunten auf den siebten Rang der Absatz-Weltrangliste in der Autobranche katapultiert - und können langfristig sicher Synergien nutzen.
Fricke: Marchionne pokert sehr hoch mit seiner Kooperationsstrategie. Den Zuschlag bei Chrysler hat er nur bekommen, weil es den Amerikanern noch schlechter geht. Der Verschuldungsgrad des Fiat-Konzerns hat sich in Marchionnes Ägide von 3,2 auf 6,6 Milliarden mehr als verdoppelt. Damit läuft der Konzern Gefahr, zu wenig Geld in eine vernünftige Produktplanung, die Qualität seiner Modelle, die Vertriebswege und Markenführung zu investieren. Und das ist immer der Schlüssel zum Erfolg.

Einige Modelle, wie der Fiat 500 und Grande Punto, sind aber schon heute sehr erfolgreich.
Fricke: Ja, aber die Zeit, da vor allem Kleinwagen gefragt sind, wird nicht ewig währen. Der Wettbewerb im margenschwachen A-, B- und C-Segment wird sich weiter verschärfen. Deswegen muss Fiat dringend seine Schwächen im übrigen Produktportfolio ausmerzen - vor allem bei Mittelklasse-Segment.

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