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Ex-Toyota-Sportchef Andersson tödlich verunglückt

Foto: Wilhelm 26 Bilder

Ex-Toyota-Sportchef Ove Andersson ist bei einer Oldtimer-Rallye in Südafrika tödlich verunglückt. Der 70 Jahre alte Schwede stieß in einer nicht einsehbaren Kurve frontal mit einem Kleinbus zusammen, der hinter einem Lastwagen ausgeschert war.

12.06.2008 Gregor Messer Powered by

Andersson nahm mit einem Volvo P444 an der Milligan Vintage Trial teil, einer Veranstaltung für Fahrzeuge vor Baujahr 1960. Das Unglück geschah in der Nähe von Oudtshoorn, nicht weit von Anderssons Wohnort George östlich von Kapstadt.

Erster Toyota-Achtungserfolg 1972 auf einer Celica

Wer weiß, wie sich Toyota im Motorsport entwickelt hätte, wäre da nicht Ove Andersson gewesen? Der japanische Automobilriese verdankt den größten Teil seiner Motorsport-Präsenz dem Schweden. Obwohl Andersson im Jahr 1971 vier Siege einfuhr und für Renault den Markentitel geholt hatte, stand er im Folgejahr ohne Cockpit da. Also fuhr er mit allem, was sich ihm bot. Auch mit einem im Vergleich zu einem Ford Escort oder Porsche 911 eher schwachbrüstigen, nur sanft getunten Toyota Celica. Es war der Beginn einer langen Freundschaft: In Eigenregie machte sich der großgewachsene und stets schweigsame Schwede - Spitzname: "Der Pabst" - an die Arbeit und präparierte in seinem Geburtsort nördlich von Uppsalla die ersten Rallye-Toyota. Gleich der erste Einsatz bei der England-Rallye 1972 brachte mit Rang neun auf einem untermotorisierten, nur 120 PS starken Celica einen Achtungserfolg.

Andersson, der nach seinem Wehrdienst 1958 UN-Soldat im Gaza-Streifen war, präparierte eher aus Langeweile einige Saab, bevor ihn ein Freund zur Teilnahme an der lokalen Roslagsvalsen-Rallye, die er direkt auf Platz sechs beendete und die schwedische Rallye-Szene auf Anhieb auf ihn aufmerksam werden ließ. Sein erstes Werksengegement hatte Andersson auf einem Mini Cooper 1963 in Schweden. Weitere Werkseinsätze folgten; 1964 fuhr er für Saab, später, als er sich bei Saab benachteiligt fühlte, für Lancia und Ford.

Andersson war der dominierende Kraft zu Beginn der Saison 1971. Zusammen mit seinem britischen Beifahrer David Stone gewann er die Rallye Monte Carlo, die Schweden Rallye, in Griechenland und in Österreich. Sein Co-Pilot Stone stellte den Kontakt zu Toyota her und Andersson leitete die Einsätze der Japaner zunächst aus seinem schwedischen Heimatort. 1975 verlegte er Toyota Team Europe (finanziert von den europäischen Toyota-Händlern) nach Brüssel, und Hannu Mikkola konnte in Finnland den ersten Toyota-Gesamtsieg einfahren. 1979 verlegte Andersson die Mannschaft nach Köln.  

Neben dem Rallye-Engagements noch Le Mans, dann die Formel 1

Ab Mitte der 80er-Jahre zählte Anderssons Truppe zu den üblichen Sieganwärtern. Hauptsächlich auf dem schwarzen Kontinent fuhr Toyota große Siege ein. Von 1984 bis 1986 siegte Toyota drei Mal in Folge bei der Safari-Rallye.1990 holte dann Carlos Sainz den ersten Fahrer-WM-Titel für Toyota, ein Erfolg, den der Spanier 1992 wiederholen konnte. Auch Juha Kankkunen holte 1993 die Fahrermeisterschaft und erstmals auch den Markentitel für einen japanischen Hersteller. Mit dem ehrgeizigen Sainz verband Andersson nicht nur eine tiefe Männerfreundschaft, sondern auch eine der bittersten Niederlagen: 1998 in Wales, nur 300 Meter vor dem Ziel der letzten Sonderprüfung der Saison, brach beim Corolla ein Pleuel. "Dies Pech zu nennen wäre eine billige Ausrede. Wir waren einfach nicht gut genug vorbereitet", urteilte Andersson hart zu sich selbst.

Unter Anderssons Ägide holte Toyota bis 1999, dem Ende seines Rallye-Engagements, 43 WM-Siege, vier Fahrertitel sowie drei Mal das Markenchampionat. Parallel zum Ausklingen der Rallye-Aktivitäten bereitete Anderssons Team ein aufwändiges Le Mans-Projekt vor. Der Toyota GT One war 1999 das schnellste Auto im Feld, litt allerdings unter Getriebemalaissen und schaffte nur knapp geschlagen den zweiten Rang.

1995 hatte Andersson den bis dato größten Skandal im Motorsport zu verantworten - am Rallye-Celica entdeckten die FIA-Techniker eine Manipulation am Luftmengenbegrenzer des Turboladers; Toyota blieb daraufhin für eine Jahr suspendiert. Er nahm die Schuld auf seine Kappe, "weil ich meinen Technikern zuviel Freiheit ließ", behielt aber seinen Posten. Beobachter sahen darin auch einen versteckten Warnschuss der FIA an den schweigsamen Schweden: Dieser hatte mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten und die moderne Vermarktung des Rallyesports durch die FIA stets kritisch betrachtet. 

Ab 1999/2000 bereitete Andersson den Einstieg in das bislang größte Motorsport-Projekt der Japaner vor: die Formel 1. Einer von bislang nie dagewesenem finanziellem Engagement geprägten Aufbauphase folgte 2002 in Melbourne das Debüt. Andersson jedoch ging alsbald 2003 im Alter von 63 Jahren in Rente und stand den Japanern fortan als Berater zur Seite. Ende 2007 verließ er Deutschland, um sich in der Ortschaft George in Südafrika niederzulassen und endlich seinen Ruhestand zu genießen. Eine Entscheidung, mit der der große Schweiger sehr zufrieden war.

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