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Exklusiv-Tour durch das Porsche-Museumslager

Willkommen in der geheimen Porsche-Welt

Lagerhallen Porsche Museum Foto: Roman Domes 48 Bilder

Mark Donohues Porsche 917/30, ein 935/77 sowie unzählige 911er, Indy-Cars und halbnackte Prototypen, alle unter einem Dach. Es ist wie die Erfüllung eines Kindheits-Traums. Exklusiv durften wir uns einen Abend lang in den Lagerhallen des Porsche-Museums in Zuffenhausen umsehen und ein paar schlafende Ikonen wecken.

11.02.2014 Roman Domes Powered by

Es sind nur wenige Gehminuten vom Porsche-Museum bis zum Lager, einer recht unscheinbaren Industriehalle mit ein wenig Patina. Von außen deutet nichts darauf hin, was sich hinten den hohen Fenstern verbirgt - und selbst wenn man einen Blick riskieren würde: Fast alle Fahrzeuge sind vor neugierigen Blicken geschützt. Weiße, maßgeschneiderte Stofflaken überspannen die Zuffenhausener Sportwagen und lassen deren Konturen nur erahnen. Wir dürfen das Lager betreten. Dort lüften wir einige Porsche-Geheimnisse und lassen ein paar Modelle ihre Geschichte erzählen.

VW Käfer als Grundstein des Porsche 911-Erfolgs

Zunächst empfängt uns der Urahn des Porsche 911. Ein silberner VW Käfer lugt schüchtern unterm Abdecklaken hervor. Er legte 1938 - noch als KdF-Wagen - den Grundstein für die andauernde Elfer-Erfolgsstory. Im Jahr 1974 setzte Porsche mit dem 911 Turbo vom Typ 930 noch einen weiteren Meilenstein. Auch er streift sein weißes Gewand für einige Fotos und bewundernde Blicke ab. Lackiert ist er in einem dunklen Grün (oak green), der Lieblingsfarbe von Ferry Porsche.

Was da auf der anderen Seite steht, mag nicht so ganz in das Porsche-Bild passen. Tuch weg, ein Audi Avant RS2. Nanu?! Wir entdecken auf seinen Felgen das Logo mit dem springenden Pferd - Porsche, nicht Ferrari. Der 315 PS starke Kombi von 1994 entstand unter Stuttgarter Federführung. Deswegen darf er heute hier verweilen und ist - wie übrigens nahezu alle der über 400 geparkten Werke - fahrtüchtig.

Die Zusammenarbeit der beiden Hersteller im US-Geschäft existierte bereits 1973. Die Aufschrift "Porsche+Audi" können wir in Großbuchstaben auf einem der extremsten Rundstrecken-Rennwagen aller Zeiten lesen: Es ist der blau-gelb lackierte Porsche 917/30 mit dem Mark Donohue die CanAm-Meisterschaft 1973 bestritt und auch gewann. Seine Nachfahren haben sich ehrfürchtig hinter ihm aufgereiht, der 917/30 parkt an der Spitze. Er ist der Boss.

Mark Donohues Porsche 917/30 von 1973 leistete 1.100 PS

Der Furcht einflößende Renner wirkt wie aus einem Guss, überflüssige Ecken und Kanten gibt es nicht. Eine schaufelartige Front und ein mächtiger Heckflügel mit den Ausmaßen eines Ford Fiesta sorgen dafür, dass die 1.100 PS des 5,4-Liter-V12-Turbomotors auf die Straße kommen und der Wagen am Boden bleibt. Über 400 km/h waren möglich - und das 1973. Das war jedoch nicht der einzige Schockmoment, es wird noch besser, denn ein Differenzial hatte der 917/30 nicht, sondern lediglich eine Hinterachse mit starrem Durchtrieb – wenn das mal nicht heikel ist. Die Karosserie-Aufschrift "Die Hard" (Stirb langsam) scheint da noch untertrieben - "Die fast" würde besser passen.

Gegen die schiere Gewalt des Porsche 917/30 präsentiert sich eine weitere Rennikone der 1970er Jahre trotz 630 PS bei 970 Kilogramm beinahe harmlos.

Jacky Ickx und Jochen Mass im Porsche 935 von 1977

In klassischen Martini-Porsche-Farben bemalt und mit goldenen BBS-Felgen sticht der 935/77 hinter dem 917 aus der Reihe. An den Flanken prangt der "KKK-Turbolader"-Aufkleber, darüber stehen die klangvollen Namen Ickx und Mass. Sie pilotierten den Werkswagen in der Marken-WM 1977 - und siegten.

Ein paar Schritte weiter können wir an einem abgedeckten Neunelfer durch die dünne Stoffhaut beinahe den Namen einer lebenden Legende entziffern, doch es klappt nicht ganz. Als das Modell dank unserer Hilfe seine Hülle verliert, lesen wir in schwarzer Schrift "Walter Röhrl" auf diesem sehr speziellen Porsche 911 SC. Er war durch seine famose Aufholjagd der Star der Rallye San Remo 1981 und sieht aus, als käme er gerade erst aus der Fabrik. Kein Wunder, wurde er 2011 für die Teilnahme an der Targa Tasmania mit Walter Röhrl und Christian Geistdörfer umfangreich restauriert.

Porsche Carrera GT mit Gänsehaut-Garantie

Aber wagen wir einen Schwenk in die Neuzeit. 2003 präsentierte Porsche mit dem Carrera GT ein kompromisslos auf Schnelligkeit konstruiertes Fahrzeug mit 612 PS aus einem 5,7 Liter großen V10-Triebwerk. Aufgrund seiner Unberechenbarkeit am Limit galt der  Sportler mit ausfahrbarem Heckspoiler als Fahrzeug für Kenner und Könner. Betörende Linien und Details wie die wunderschön löchrige Motorenabdeckung zeichnen nur die helle Seite dieser Legende aus.

Beim Entern des rotbraunen Interieurs stellt sich jedes Härchen am Körper empor, ein kalter Schauer läuft beim Ertasten des hölzernen Schalthebels über den Rücken. Ihm begegnen wir mit Respekt und verabschieden uns mit Ehrfurcht.

Bevor wir die Lagerstätte verlassen, fällt unser Blick auf ein rotes Fahrzeug mit großem Leitwerk am Heck. Uns sticht sofort das typische "S-GO"-Kennzeichen für Testwagen ins Auge – der Porsche 911 GT3 vom Typ 991 ist angemeldet und fahrbereit. Am liebsten würden wir einsteigen, dem 475 PS starken Saugmotor beim kernigen Anlassen zuhören und dann einfach gen Nirgendwo aufbrechen. Doch das dürfen wir nicht, wen wundert's?

Also erhaschen wir noch einen letzten Blick auf die historisch einmalige Sammlung mit quasi unschätzbarem Wert. Kurz darauf werden die Sportwagen mit dem Stuttgarter Städtewappen wieder mit den maßgeschneiderten Laken zugedeckt. Das Licht geht aus. Die Zuffenhausener Ikonen legen sich wieder schlafen.

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