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Auch Daimler-Chrysler braucht Retter

Update ++ Nach dem Einstieg von Porsche bei Volkswagen bräuchte nach Einschätzung von Branchenexperte Helmut Becker auch Daimler-Chrysler einen starken Partner.

27.09.2005

Daimler-Chrysler sei nun als letzter deutscher Autohersteller von einer möglichen Zerschlagung durch Finanzinvestoren bedroht, sagte der frühere BMW-Chefvolkswirt vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation am Dienstag der dpa in München. "Daimler-Chrysler ist der nächste Kandidat." Als
weißer Ritter komme die Familie Quandt in Frage.

Für Becker ist die geplante Übernahme von 20 Prozent der VW-Anteile durch Porsche eine positive Nachricht für den Standort. "Das ist endlich eine Art, sich zur Wehr zu setzen." Finanzinvestoren gingen immer nach der selben Strategie vor: "Man hebt verborgene Schätze und verwertet sie. Und diese Art der Verwertung geht praktisch immer zu Lasten unserer Volkswirtschaft." Leidtragende seien oft die Beschäftigten. Dagegen müsse sich die Wirtschaft schützen. Die Politik solle sich aber heraushalten. "Die Industrie und die deutsche Wirtschaft insgesamt sollten stark genug sein, das zu stemmen." Kapital sei genug vorhanden.

Bei Daimler-Chrysler sei die Gefahr einer Zerschlagung groß, weil ein langfristig orientierter Großaktionär fehle. Anders sei dies beim Konkurrenten BMW, wo die Familie Quandt für Stabilität sorge. "Warum sollte sich nicht zum Beispiel die Familie Quandt auch bei Daimler-Chrysler engagieren?" Die Quandts hatten durch ihr Engagement bei BMW die Unabhängigkeit des angeschlagenen Unternehmens bewahrt, als Ende der 50er-Jahre eine Übernahme durch Mercedes verhindert worden war. "Gut 40 Jahre später könnte man den Spieß umdrehen", sagte Becker.

Auch viele mittelständische Unternehmen seien durch Übernahmen bedroht, sagte Becker. Das derzeitige Geschacher um den Motorenhersteller MTU Friedrichshafen zeige die Entwicklung. Niemand wolle den freien Kapitalverkehr verhindern. "Wir sollten aber erkennen, dass wir in Deutschland gemeinsame Interessen haben." Es gebe genug Kapital und Innovationskraft im Land. Auch Volkswagen könne nun in aller Ruhe gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern auf die Erfolgsspur zurückkehren.

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