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Expertentelefon zum Thema Umwelt mit Herbert Kohler

Alternative Antriebe bieten großes Potenzial

Foto: Hersteller 9 Bilder

Daimler-Forschungschef Prof. Kohler beantwortete am Expertentelefon die Fragen unserer Leser. Welches Potenzial bieten alternative Antriebe, wohin geht die Reise bei Hybrid, Elektroauto und Co? Wir haben für Sie die wichtigsten Antworten zusammengefasst.

14.04.2010

Die Gelegenheit, dem Forschungschef eines großen Automobilkonzerns zum Thema Antriebskonzepte der Zukunft auf den Zahn zu fühlen, bietet sich nicht allzu oft. Umso reger war daher das Interesse unserer Leser am Expertentelefon mit Prof. Dr. Herbert Kohler, seines Zeichens Daimler-Forschungschef.

Leser darf elektrisch betriebene A-Klasse testen

Dass sich auch Vertreter älterer Generationen durchaus Gedanken um den Antrieb der Zukunft machen, bewies ein treuer auto motor und sport-Leser. Der 77-Jährige ist seit 50 Jahren Abonnent und fährt seit 1938 die Marke mit dem Stern auf der Motorhaube. Ihn interessiert neben der Brennstoffzellen-Technologie insbesondere der Elektroantrieb. Gerne hätte er daher am Testprogramm von Mercedes teilngenommen, in dessen Rahmen ausgewählten Kunden elektrisch betriebene A-Klassen zur Verfügung gestellt werden. Doch leider war die Wahl nicht auf ihn gefallen. Der ganz kurze Draht des Expertentelefons von auto motor und sport konnte hier jedoch Abhilfe schaffen: Herbert Kohler sagte dem treuen Mercedes-Kunden zu, dass er schon bald in einer elektrisch betriebenen A-Klasse Testkilometer sammeln darf. Die brennende Frage nach der Serienreife der Brennstoffzelle beantwortete Prof. Kohler ihm natürlich ebenfalls: 2015 sollen die ersten marktreifen Brennstoffzellen-Autos in den Handel kommen.

E-Autos und Brennstoffzellenfahrzeugen gehört die Zukunft

Kohler verwies darauf, dass sowohl Fahrzeuge mit Elektroantrieb als auch Brennstoffzellen-Autos in Zukunft parallel nebeneinander existieren werden. Dabei verfügten Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb über größere Reichweiten, die denen der aktuellen Verbrennungsmotoren in nichts nachstehen, so Kohler. Gerade beim Thema Elektroauto müssten die Kunden jedoch ihre Fahr- und Nutzungsgewohnheiten überdenken. Dabei sei die Angst vieler Autofahrer unbegründet, mit leerer Batterie liegen zu bleiben. Ein Feldversuch mit dem E-Smart in London habe gezeigt, dass die maximale Reichweite des Smart ED im Alltag oftmals gar nicht voll ausgeschöpft werde. Spezielle Navigationssysteme sollen überdies dafür sorgen, dass Fahrer eines E-Autos nicht aufgrund leerer Batterien am Straßenrand stranden.

100 Kilo weniger sparen fünf Gramm CO2

In dem von auto motor und sport-Redakteur Christian Bangemann moderierten Gespräch tauchte unter anderem auch die Frage auf, wie hoch das Einsparpotenzial in Sachen CO2 durch Gewichtsreduktion sei. Nach Aussage des Daimler-Forschungschefs sinken die CO2-Emissionen durch eine Gewichtseinsparung von 100 Kilogramm um rund fünf Gramm pro Kilometer. Dieser scheinbar ernüchternde Wert dürfe jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass eine Gewichtsreduzierung auch weiteres Einsparpotenzial etwa bei Fahrwerksteilen und Bremsen nach sich zieht. Zudem spielen laut Kohler bei der Verbrauchsreduzierung mehrere Faktoren zusammen. Die bei Mercedes unter dem Label der Blue Efficiency zusammengefassten Maßnahmen wie intelligentes Energiemanagement, optimierte Aerodynamik, Hubraumreduzierung, Start Stopp-Automatik und Leichtlaufreifen etwa sparen zusammen bis zu 15 Prozent Kraftstoff ein. Am Ende, so Kohler, sorge die Summe vieler kleiner Bausteine dafür, dass der Verbrauch deutlich reduziert werden könne.

Mit das größte Einsparpotenzial trägt jedoch der Fahrer im rechten Fuß: "Durch vorausschauendes Fahren, frühes Hochschalten und den Verzicht auf den berühmten Bleifuß lassen sich 20 bis 30 Prozent Kraftstoff einsparen", so der Daimler.Forschungschef.

Trotz des aktuellen Booms alternativer Antriebsarten wie Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenantrieb wird der Verbrennungsmotor nach Ansicht von Herbert Kohler auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Das Einsparpotenzial von Benzin- und Dieselmotoren liegt nach Einschätzung des Daimler-Forschungschefs bei zehn bis 15 Prozent. Dabei wird auch in Zukunft das sogenannte Downsizing an Bedeutung gewinnen.

Der Diesotto macht große Fortschritte

"Wann kommt der Diesotto?", wollte ein weiterer Leser wissen. Der Experte plauderte auch bei diesem Thema aus dem Nähkästchen: "Vier von fünf Steinen haben wir bereits aus dem Weg geräumt. Mit den neuen Vierzylinder-Motoren haben wir hier einen großen Schritt gemacht." Derzeit baut Mercedes Prototypen mit Diesotto-Triebwerken auf. Auf dem Prüfstand laufen die Motoren bereits.

Kritisch sieht der Experte hingegen das Thema Subventionierung von alternativen Antriebstechnologien, denn in anderen Ländern wie Frankreich, Italien, den USA oder China stellten die Regierungen für die Entwicklung neuer Technologien deutlich mehr Geld zur Verfügung als die Bundesregierung. Auch in Sachen Förderung beim Kauf von Elektroautos hinke man in Deutschland noch hinterher. So hat der französische Staat die Förderung der Elektromobilität zur nationalen Aufgabe erklärt und will gemeinsam mit französischen Behörden und Unternehmen 50.000 E-Autos kaufen. Dies führe laut Kohler dazu, dass Fahrzeuge mit neuen Antriebstechnologien in Ländern wie Frankreich, Italien oder China stärker in den Markt kommen werden als in Deutschland. Daimler werde dabei insbesondere von der neuen Allianz mit Renault in großem Umfang profitieren.

Von der unter anderem von Better Place proklamierten Idee, die Reichweite von E-Autos durch den schnellen Austausch der Batterien zu erweitern, hält Herbert Kohler hingegen wenig. Da die Akkus immer auch ein fester Bestandteil der Crashstruktur eines Fahrzeuges sind, könnten sie nicht einfach per Schnellverschluss ausgetauscht werden. Zudem seien in diesem Fall standardisierte Lithium-Ionen-Batterien notwendig, die in jedes Auto passen, was wiederum Einfluss auf das Design kommender Elektroautos hätte. Nach Ansicht von Herbert Kohler wollten die Kunden dies nicht. Die Lithium-Ionen-Technologie wird nach Ansicht des Daimler-Forschungschefs auch in den kommenden 20 Jahren ein großes Entwicklungspotenzial bereit halten.

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