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Extraterrestrial Highway in Nevada

Unterwegs auf UFO-Terrain

Straßenschild, Rachel, Nevada Foto: Dino Eisele 17 Bilder

Am Extraterrestrial Highway dreht sich alles um Ufos und Verschwörungstheorien. Unser Man in Black, René Olma, hat sich in Nevada auf Alien-Suche begeben.

17.05.2013 René Olma

Zwei tiefschwarze Augen blicken aus zehn Meter Höhe auf uns herab, die silberne Haut des Aliens schimmert in der Sonne. Wir halten dem Blick stand. Der Außerirdische, der den Beginn der Nevada State Route 375 überwacht, ist aus Blech. Ab jetzt wird die Fahrt überirdisch, denn wir rollen über den Extraterrestrial Highway – ein rund 100 Meilen langes Asphaltband durch die Wüste Nevadas.

Der Name soll Programm sein: Nirgendwo sonst stünden die Chancen so gut wie hier, außerirdische Lebensformen zu treffen, versichern zumindest Ufologen, und die müssen es schließlich wissen. Doch es ist nicht die karge Landschaft, die Besucher aus dem All lockt, und auch nicht das nahe Las Vegas, sondern das, was sich hinter den Bergkuppen verbirgt.

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Reportage Extraterrestrial Highway Vom anderen Stern
auto motor und sport 08/2013
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Sperrgebiet mit vielen Geheimnissen und rätselhaften Erscheinungen

Rund 70 Meilen nördlich des Spielerparadieses erstreckt sich auf rund 31.000 Quadratkilometern die Nellis Range. Offiziellen Angaben zufolge ist sie nur ein Testcenter der US Air Force, ein Ort, an dem Flugzeugprototypen getestet werden. Glaubt man gut informierten Kreisen – oder solchen, die sich dafür halten –, ist das nur die halbe Wahrheit. Hier verbirgt sich mehr. Ein 100 Quadratkilometer großes Gelände am Groom Lake ist selbst für Militärjets No-go-Area. Am Rande des fünf Kilometer breiten, ausgetrockneten Salzsees liegt ein Luftwaffenstützpunkt mit einer acht Kilometer langen Landebahn: Area 51. Hier sollen außerirdische Besucher ein- und ausgehen, was die merkwürdigen Lichtspiele am Himmel über der Wüste erklärt, von denen Reisende berichten. Sogar von Begegnungen der dritten Art – also direktem Kontakt – ist die Rede. Grund genug, dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

Wenn die Space-Touristen wirklich den Umgang mit Behörden gewöhnt sind, kann es nicht schaden, klare Zeichen zu setzen und sich deutlich vom gewöhnlichen Humanoiden der Gegend abzusetzen. Anzug statt Jeans heißt also die Devise, und statt eines verbeulten Pick-ups nehmen wir einen Chrysler 300 SRT8, um nicht Opfer extraterrestrischer Fopper zu werden. Das sind – wie der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" aufklärt – Kinder reicher Aliens, die sich einen Spaß daraus machen, irdische Hinterwäldler zu veräppeln. Wenig hilfreich bei unsere Suche ist die Tatsache, dass das Alien Research Center, zu dessen Bewachung der silberne Hüne abgestellt ist, ohne Angabe von Gründen geschlossen hat.

Abgesehen von vereinzelten Joshua Trees mit ihren spitzen Blättern bringt die Vegetation hier wenig hervor, was die Sicht einschränkt. Das Asphaltband durchschneidet eine karge Wüstenzone, nur ab und zu zweigen kleine Pisten ab. Verdächtig ist erst einmal alles, was nach Westen in Richtung Nellis Range führt.

Bis zum Hancock-Pass bewegen wir uns schnurstracks auf den Groom Lake zu, doch dann wendet sich der Highway gen Nordwesten. Unsere Augen scannen die Umgebung. Jetzt müssten wir bald die legendäre Black Mailbox erreichen – ein schwarzer Briefkasten im Nirgendwo, genau dort, wo eine Piste zur Area 51 abzweigt. Schon beim Gedanken daran steigt bei Ufologen der Adrenalinspiegel, denn manche mutmaßen, dass hier geheime Unterlagen deponiert würden.

Doch dort, wo die schwarze Box sein soll, finden wir nur ein weißes Exemplar. In schwarzen Buchstaben prangt der Name Steve Medlin auf dem verdächtig soliden Behältnis. Aufkleber, Zeichnungen und Notizen zieren das Blech, Arrangements aus Steinchen krönen den Behälter. Offenbar sind wir hier richtig. Stimmt etwa, was Ufo-Leugner behaupten? Dass Medlin ein ganz normaler Rancher sei und die Black Mailbox eben sein persönlicher – ursprünglich schwarzer – Briefkasten? Erst als der zum Pilgerort mutierte, aufgebrochen und sogar beschossen wurde, ersetzte ihn der genervte Besitzer durch eine schusssichere weiße Ausführung. So hält er zumindest die Vandalen von seiner Post fern.

Kein Parkservice für Ufos

Wenige Meilen später passieren wir das Ortsschild von Rachel. Auf den ersten Blick erscheint die verstreute Ansammlung von Wohnwagen und flachen Holzhäusern wie eine Geisterstadt. Die Tankstelle am Ortseingang ist geschlossen und verfällt zusehends. Etwa eine viertel Meile später rollt unser schwarzer Chrysler auf einem geschotterten Parkplatz aus. Willkommen im Little A`Le`Inn, einer Mischung aus Kneipe, Restaurant, Motel und Souvenirladen. Ein Hinweisschild weist Besatzungen fliegender Untertassen darauf hin, dass hier selbst geparkt werden muss.
Graffiti mit Aliengestalten zieren die Außenwand, durchs Fenster blickt ein Verwandter von E.T. auf den Parkplatz. Innen begrüßt uns eine Frau, die ein eigenartiges Exoskelett über dem T-Shirt trägt. Es ist Connie West, die Besitzerin: "Ich hatte einen Autounfall, eigentlich schnalle ich mich an, nur dieses Mal nicht." Sie wurde durch die Frontscheibe ihres Trucks geschleudert und brach sich dabei die Wirbelsäule. Ihre Familie lebt gut vom Geschäft mit den Aliens. Schon 1988 eröffneten ihre Eltern Joe und Pat Travis die Kneipe, die 1990 dann ihren Namen erhielt: "Hier gibt es Bier, also Ale, und man kann übernachten, daher Inn." Und als Nachbar von Area 51 schadet es nicht, dass es sich wie Alien ausspricht.

Heute sorgen T-Shirts und Kaffeetassen mit außerirdischen Motiven für zusätzlichen Umsatz. Was weiß sie über die benachbarte Geheimbasis? "Ab und zu kommen ein paar der Wachleute oder Soldaten auf einen Drink vorbei, doch sie wollen nicht erkannt werden. Das Tor ist ja gleich um die Ecke."

Das macht uns neugierig, und wir folgen der Schotterpiste gen Westen. Rinder glotzen dem schwarzen Chrysler verdutzt nach. Nicht minder erstaunt reagieren wir, als wir nach einigen Meilen plötzlich griffigen schwarzen Asphalt unter den Rädern haben. Und dann erscheint das Backgate. Der Hintereingang zur Area 51 präsentiert sich mit einem hohen Zaun und flachen, höchstens zweigeschossigen Gebäuden. Sonst nur Stille. Kein Mensch ist zu sehen, dafür blicken Kameras auf uns herab. Und Fotografieren ist unter Strafandrohung untersagt, wie die Hinweisschilder verkünden. Ratlos stehen wir eine Weile herum, dann wenden wir und fahren zurück nach Rachel.

Aliens bekommen wir nicht zu Gesicht. Hat Connie schon mal welche gesehen? "Natürlich", grinst die Geschäftsfrau. "Jeder, der hier reinkommt, ist ein Alien."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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