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Extrem Tour Australien: Outback Experience

Ein ganz heißer Trip

15 Bilder

Überwältigende Weiten, unvorhersehbare Bedingungen, absolute Ab­geschiedenheit – das ist das australische Outback. Nur wer sich selbst und sein Material präzise auf diese Zerreißprobe vorbereitet, kann es schaffen.

17.09.2007 Powered by

Es gibt etliche Geschichten über Leute, die wegen eines leeren Tanks mitten im Outback gestrandet sind und dort ihr Leben ließen. Genau diese Storys gehen mir seit Beginn des Trips nicht zum ersten Mal durch den Kopf. Nach fünf Tagen Expedition durch das unwirtliche Niemandsland Australiens sitzen wir mit unseren acht Offroadern am Fuße von Big Red, der größten Düne der roten Sandwüste, fest. Verrückte Allradfans aus den ­umliegenden Ansiedlungen kommen hierher, um sie als überdimensionalen Spielplatz zu nutzen. Danach ist uns nicht zumute, denn ein gewaltiges Unwetter zwingt uns, hier ein improvisiertes Nachtlager aufzuschlagen. Mit heftigen Wetterkapriolen hatten wir bereits zwei Tage zuvor auf ­Walkers Crossing Track kämpfen müssen. Da ist so viel Wasser runtergekommen, dass die Piste nach Birdsville ­gesperrt werden musste. Doch niemand von uns ahnte, dass sich diese Laune der Natur zu einem echten Problem entwickeln sollte. Denn auch der ­Regen der ­folgenden Nacht weichte gründlich den Boden auf. Über den schlammigen und matschigen Cordillo Downs Track erreichten wir mit Müh und Not Birdsville. Für den nächsten Tag wurde kein Unwetter prognostiziert. Also ­drangen wir weiter in die rote Wüste vor. Doch kaum hatten wir Big Red erreicht, kam per Satelliten­telefon die Nachricht, dass das ­Unwetter auf die Radarschirme zurückgekehrt sei.

Klar, an eine Fortsetzung der Tour auf geplanter Route ist also ­zumindest für die nächste Zeit nicht zu denken. Ein Rückzug nach Birdsville ­mitten in der Nacht kommt allerdings auch nicht in Frage: hunderte Kilometer bei ­absoluter Dunkelheit durch die Wüste navigieren – zu ­gefährlich. Wir können also nur ­warten, bis es Tag wird und ­versuchen, unter dem sternklaren Himmel etwas Schlaf zu finden. In der Morgendämmerung dann die Entscheidung: zurück nach Birdsville. Der Weg führt uns über total ­verschlammte und extrem schwer befahrbare Wege, vorbei an den Thermalquellen nahe Mungerannie. Von Minute zu Minute wird der ­Regen stärker, macht die ­unbefestigten Straßen selbst für die robustesten Allradler fast ­unpassierbar.

In meinem Magen macht sich ein Gefühl des Unbehagens breit. Und er hat wieder mal Recht: Wir erfahren, dass alle Haupt­routen ­wegen der ­massiven Überschwemmungen gesperrt werden sollen. Mir rutscht das Herz in die Hose. Sitzen wir in der Mausefalle? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Alle Fahrer lassen es nun richtig krachen. Wir versuchen, so viele Kilometer wie möglich zu schaffen. Ich merke fast gar nicht, wie sich mein Bein auf dem Gaspedal ­regelrecht verkrampft. Als endlich klar wird, dass wir es bis nach ­Mungerannie schaffen werden, sinkt der Adrenalinspiegel wieder. Trotzdem gefährdet das schwere Unwetter immer noch die ­gesamte Expedition. Mit ­dieser Angst im ­Nacken jagt ­unser Konvoi nach Leigh Creek. Hier stärken wir uns mit ­einem typischen ­Aussie-Lunch: Känguru und Emu.

Bevor wir weiterfahren, werden die acht Fahrzeuge und alle ­Reservekanister bis zum Rand aufgetankt. Schließlich ist das die letzte Zapfstelle für die nächsten 350 Kilometer – oder so. Ganz genau sollte man sich hier draußen nie auf Entfernungs­angaben ­verlassen. Den restlichen Tag windet sich die Kolonne durch Parachila Gorge – eine ­malerische Gegend mit roten ­Dünen, Wasserlöchern und ­gewaltig emporragenden Felswänden im Hintergrund.

Nach mehrfacher Übernachtung in freier Wildnis können wir die nächsten zwei Nächte den Luxus von grundsoliden Betten in ­richtigen Hütten genießen. Da kann es regnen, wie es will – das stört jetzt niemanden mehr. Unterdessen informieren die Nachrichten ständig über das höllische Unwetter, welches ­Australien heimsucht. Der ganze Kontinent kämpft mit Überflutungen. Jeder Einzelne unseres Trupps kann von Glück sagen, dass er aus der ­Simpson-Wüste herausgefunden und es bis hierher geschafft hat. Wären wir später umgekehrt, ­hätten wir garantiert für unbestimmte Zeit mitten im Nirgendwo festgesteckt – in einer Gegend, deren Lebensfeindlichkeit bereits ­vielen Übermütigen das Leben ­gekostet hat.

Die Outback Experience landet wieder dort, wo alles begann: im ­kleinen Städtchen Broken Hill, Bundesstaat New South Wales. Obwohl seitdem nur ­einige Tage verstrichen sind, kommt es mir vor, als seien Jahre vergangen.
Der Himmel über Broken Hill hat sich inzwischen verdunkelt, es zucken grelle Blitze, und lauter Donner grollt. Das Zentrum des Sturms hat uns eingeholt, sintflutartiger, peitschen­der ­Regen wütet.
Die Nachricht, dass Zentral-­Australien vollkommen überschwemmt ist, macht klar, wie knapp die Outback ­Experience 2007 einer Kata­strophe entgangen ist. Und ­dennoch war dieser Trip ein ­einmaliges Erlebnis. Von diesem großartigen Abenteuer werden wir noch ­lange zehren. Allerdings: ­Irgendwie sind wir auch heilfroh, ­wieder festen Asphalt unter den Rädern zu haben.

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