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Extrem Tour Chile: Höhenweltrekord

Das war Spitze

14 Bilder

Geschafft, ein Weltrekord für die Ewigkeit! Ringsherum wird ge­jubelt, fotografiert, jeder umarmt und drückt jeden wie seinen ­besten Freund. Wir schütteln einander überglücklich die ­Hände, die in dicken Daunenhandschuhen stecken. Ein mitgebrachtes Schild „Jeep Parking Only“ wird ins Vulkangestein gerammt.

22.05.2007 Powered by

Was ist passiert? Ich stehe auf dem höchsten Vulkan der Welt. Mein GPS-Gerät zeigt ganze 6646 Meter, der Puls rast mit 130 Schlägen pro Minute, obwohl ich entspannt stehe, die traumhafte Aussicht genieße. Aber was ist dran am Höhen­rekord? Ins Auto rein und hoch – was ist da schon Besonderes? Niemand, der nicht selbst diese Höhe erlebt hat, kann sich die Anstrengungen vorstellen. Ziel war es auch, ohne zusätzlichen Sauerstoff mit Serienautos den Rekord zu fahren. Ohne Höhentraining und ausreichende Akklimatisation ist ein solches Unter­nehmen lebensgefährlich.

Es ist der 7. März, als wir im Team von Matthias ­Jeschke endlich nach monatelanger Vor­bereitung in Richtung Vulkan starten. Die Fahrt bis zum Basislager ist traumhaft schön. Farbspiele in den Felsmassiven der ­Anden, ausgetrocknete Salzseen ­sowie kurvenreiche Passstraßen ­be­geistern mich. Leider kann ich die sprichwörtlich atemberauben­de Landschaft nur mit Schwindel und Sauerstoffnot auf mich wirken lassen. Bei allen macht sich die Höhe schon auf halber Strecke bemerkbar. Nach knapp sieben Stunden Fahrt erreichen wir unser Basislager auf 4500 Meter. Immerhin fast die Höhe des Mont Blanc. Eine alte Polizeistation ist neun Tage lang unser Zuhause. Hier finden wir nicht nur vor Wind und Wetter Schutz, drei Ranger kümmern sich auch um das leibliche Wohl, 15 Matratzen bieten echten Schlafkomfort. Durchgehend schlafen? Keine Chance. Die Höhe macht jedem zu schaffen. Schon seit dem ersten Aufwachen habe ich Kopfschmerzen, der Puls ist deutlich erhöht, der Hals ist trocken und schmerzt. Kein Wunder, wir sind an einem Tag von 500 auf 4.500 Meter aufgestiegen. Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab. Nach der Akklimatisationstour zu Fuß und nach ausgiebigem Trinken geht es mir besser, und der Druck im Kopf ist fast verschwunden. Was fehlt, ist Sauerstoff und damit auch Kraft. An Power mangelt es übrigens nicht nur bei mir. Auch die Fahrzeuge erreichen lediglich halbe Leistung. Statt 198 PS bei den Jeep stehen in Rekordhöhe nur noch rund 90 PS zur Ver­fügung. Nach drei Tagen Höhen­anpassung füh­len wir uns fit für die nächste Etappe: Ziel ist eine Stelle auf 5.950 Meter für das Materialdepot. Hier sollten auch die beiden Jeep bleiben, um am nächsten Tag von dort aus weiterzufahren.

Sieben Stunden für 60 Kilometer – das sagt alles. Lange Sandfelder, Geröll und tiefe Gräben machen uns zu schaffen. Mal eben schnell einen Stein weg­rollen geht nicht – eine Knochen­arbeit auf 5700 Meter. Nach kurzer Fahrt heißt es aussteigen, günstigste Fahrspur suchen und nebenbei den festgefahrenen Dodge der Eskorte gemeinsam rausschieben. Und immer wieder die Frage vom Großhirn: Warum machst du das alles? Was gibt es dir? Jedes Bücken fällt schwer. Der Schädel meldet sich auch wieder, als würden darin zig Presslufthämmer arbeiten. Zudem erschwert uns starker, sandiger Wind das Leben. Ohne Gletscher­brille und ­Sturmmaske nicht auszuhalten. Doch der Gedanke ans hohe Ziel gibt Kraft und treibt an. Ebenso wie Hans. Er ist unser Bergführer und hat schon etliche Siebentausender bestiegen.

„Nicht nach unten schauen, da vorn ist dein Ziel, los, ein paar Meter noch.“ Vielen Dank, Hans, ich hab’s geschafft.

Es ist der 13. März, als wir zum Gipfelangriff starten. Es ist ein besonderer Tag. Es ist ein Tag der Entscheidung. Kalt ist es. Minus 15 Grad. Der schneidende Wind lässt einen bis auf die Knochen frieren. Am Abend zuvor hat es nun ausgerechnet noch geschneit am Ojos. Wir brechen sehr früh auf, um mit den ersten Sonnenstrahlen auf 5950 Meter zu sein. Als wir anderthalb Stunden später am Einstieg zur Felsrinne den er­neu­ten Aufstieg zu Fuß beginnen, zeigt sich, dass zumindest im unteren Drittel des Vulkans weite Teile schneefrei geblieben sind. Dieses Mal hat jeder beim Aufstieg auch noch etwas zu transportieren. Einige tragen Kraftstoffkanister, um die Jeep zu betanken, andere schleppen Holzlatten als Überfahrhilfen am Eisfeld. Das Kamerateam wuchtet seine schwere Ausrüstung den Hang hinauf. Nach zwei an­stren­gen­den Stunden Fußmarsch erreichen wir die beiden Rekord­fahrzeuge, die wir tags zuvor abgestellt haben. Nun folgt eine der größten Herausforderungen der Expediton: Die Überquerung des Gletschers, der sich über die gesamte Hochebene zwischen Haupt- und Neben­gipfel ausdehnt. Unsere Route führt an der schmalsten Stelle, die 200 Meter steil abfällt, entlang. Zudem ist das Gletscher­feld mit Rissen übersät. Viele Fragen gehen durch meinen ­Kopf: Brechen die Jeep Wrangler ein? Werden die Reifen vom scharfen Eis aufgeschlitzt? Es geht los. Der erste Rubicon fährt langsam auf die Eisfläche und bricht tatsächlich schon nach wenigen Metern ein. Der zweite Anlauf klappt nur mit deutlich mehr Schwung. Erstaunlich, was die Goodyear Wrangler MT/R-Reifen bis dato geleistet haben. Ab 5000 Höhenmeter fahren wir nur noch mit 0,5 bar Reifenluftdruck. Trotz spitzer Steine und ­messerscharfen Büßereises halten die Gummis. Im Kriechtempo geht’s der Vulkanflanke ­entgegen, der zweite Jeep hinterher. Vor uns liegt ein weites, immer steiler werdendes Geröll­feld auf dem Weg zum Kraterrand. Mit ­Vollgas, Unter­setzung und Differen­tial­sperren fressen die beiden Fahr­­zeuge ihre Spuren in den Hang. Die alte Weltrekord­marke auf 6358 Meter ist längst geknackt. Es geht immer höher. Schluss ist erst am Kraterrand bei 6646 Meter. Geschafft! Ein Wahnsinn, ein anerkannter Guinness-Rekord!

Hinter uns liegt harte ­körperli­che Arbeit und monatelanges Trai­ning. Wenn wir auf etwas stolz sind, dann darauf, dass wir es ge­meinsam geschafft haben. Dass jeder gab, was er konnte, und dass wir eine Zeit hatten, die unvergessen bleibt.

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