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F-Cell Word Drive Tag 27

Der zweite Aschermittwoch

03/11 Mercedes F-Cell World Drive Etappe 27, Mercedes B-Klasse Foto: Daimler 18 Bilder

Mercedes schickt drei Brennstoffzellen-Autos um die Welt. auto motor und sport ist immer dabei. Die 27.Etappe führt die Brennstoffzellen-Truppe von Seattle nach Vancouver.

18.03.2011 Markus Stier

Eigentlich war schon letzte Woche Aschermittwoch, aber heute ist die Stimmung irgendwie die gleiche. Am Ende dieses Mittwochs wird die zweite Etappe vorbei sein. Gerade hatten wir uns an diesem Rhythmus gewöhnt: 300 Kilometer am Morgen, Barbecue an der Tankstelle, 300 Kilometer am Nachmittag, hier und da ein paar nette Abstecher. Jeden Abend eine neue Stadt, jeden Tag neue Bilder. Irgendwie hofft man ganz leise, jemand würde sagen: "Spontane Planänderung. Wir fahren nach Osten bis Quebec und dann runter zurück nach Florida." Mancher würde sofort ins Auto springen.

Kanada und das Trockenfleischproblem

Statt nach Sehnsucht ist dem Taxifahrer in Seattle eher nach Kehraus. "Hey, das ist hier ein Taxistand", mault er in zweiter Reihe parkend die Reisegruppe an. Tatsächlich hat die Reiseleitung unsere B-Klassen direkt vors Hotel geschmuggelt. Viele Taxen in Seattle haben fast die gleiche Farbe.
 
Apropos Schmuggeln: Heute steht die Überquerung der Grenze nach Kanada auf dem Programm. Die Einfuhr von Lebensmitteln ist dort streng verboten. Oha, der Rucksack ist noch voller Trockenfleisch. Also bei der ersten Pinkelpause gleich drei Tüten aufgerissen. Schlussverkauf, alles muss raus. "Hier probier mal. Guck mal, Steakhouse, eine neue Geschmacksrichtung." Die meisten wissen derlei großzügig dargebotene Köstlichkeiten nicht recht zu schätzen. "Bah, geh weg mit deinem Hundefutter", sagt Natascha. Die meisten haben zudem gut gefrühstückt. Ah, da sitzt der Christian vom Fernsehteam. Der ist selbst ein Jerky Junkie. "Lass mal", sagt er abwinkend. "Ich habe selbst den ganzen Koffer voll von dem Zeug." So werden wir das Zeug nie bis zur Grenze los.
 
Terry ist in den wenigen gemeinsamen Tagen selbst süchtig geworden. "Wir schmuggeln es über die Grenze. Notfalls stopfe ich es mir in den den BH", raunt sie verschwörerisch. Mit leichtem Augenflattern läuft Marten über den Parkplatz. Er hat unser großes Gepäck in seinem Sprinter. "Ich lasse euch nicht aus den Augen", sagt er, um uns gleich den Zahn zu ziehen, dass er den Stoff ohne Deckung über die Grenze bringen muss. Zum Schluss wird eine offene Packung als Köder für den Zoll in der Seitenablage platziert, der Rest steckt zwischen Laptop und Papierkram in der Tasche im Kofferraum.

Abstecher in den Urwald

Kurzfristige Entspannung bringt ein Abstecher zum Lake Louise. Washington ist ein wunderschöner, waldreicher Staat, durchsetzt mit zahlreichen Seen, an denen der wohlhabende Nordwestler gern sein Wochenendhäuschen baut. Allerdings ist der Wohlstand seit der Finanzkrise stark gesunken, vor jedem dritten Haus steht das Schild eines Maklers, der es gern an den Mann bringen möchte. Fernsehmann Werner rümpft auf dem Beifahrersitz die Nase: "Guck mal, das ist doch alles aus Holz. Überall setzt sofort Moos an."
 
Tatsächlich regnet es nicht nur heute, sondern eigentlich meistens in Washington. Viele Wiesen sind nach der Schneeschmelze zu Teichen geworden. Die Bäume sind in weiten Teilen von grünen Teppichen überzogen. Nicht weit von hier im Westen, findet sich auf der Olympic-Halbinsel das letzte Fleckchen Regenwald der USA. Die Düsternis des Himmels passt irgendwie zu dem schwer wuchernden Dickicht. Die Landschaft wirkt wie inszeniert für einen Fantasy-Film.
 
Zurück auf der Interstate wird zum Sammeln geblasen. Alle Autos sollen gemeinsam über die Grenze. Vorneweg fährt Rosario Berretta, kurz Rossi, der für die Tour-Operation in Nordamerika verantwortlich ist. Rosario ist eigentlich schwäbischer Italiener oder - je nach Tagesform - italienischer Schwabe. In den Staaten hält man ihn allerdings allenthalben für mexikanischer Abstammung. Wenn also irgendwer von der Border Patrol in New Mexico oder Arizona angehalten und nach seinem Pass gefragt wird, ist es Rossi in seinem weißen Mercedes GL.

Der schwäbisch-italienische Mexikaner und die Grenzpolizei

Rechts und links rollen die Ausreisenden nach und nach in British Columbia ein, nur die Mittelreihe mit dem weißen GL rührt sich nicht. Lehnen die Grenzbeamten in den anderen Häuschen lässig am Fenster und winken die Kontrollierten kurze Zeit später durch, steht der Grenzer unserer Reihe auf, geht raus, schaut sich das Nummernschild hinten genau an. Dann geht er wieder rein, steht wieder auf, wechselt ins Hauptgebäude, um sich mit einem Kollegen zu besprechen.
 
Rossi schaut in den Rückspiegel, winkt und lächelt schief. Er weiß, dass er gerade mal wieder das Opfer allgemeinen Spottes ist und kann unsere Gedanken lesen, die ungefähr in diese Richtung gehen: "Schau mal, jetzt haben sie diesen Mexikaner, der illegal in die USA eingereist ist und nun versucht, den in Kalifornien geklauten Mercedes mit dilettantisch gefälschten Nummernschildern außer Landes zu bringen. Wahrscheinlich hat er noch zehn Kilo Koks im Reserverad versteckt."
 
Vielleicht sollten wir zurücksetzen und uns in eine andere Schlange einreihen. Wenn uns jemand fragt: "Gehört dieser Mann zu Ihnen?" sagen wir einfach. "Wir haben ihn noch nie gesehen." Man muss das ganz nüchtern sehen. Wer selbst den Kofferraum voller Schmuggelware hat, ist für jede Ablenkung der Grenzbeamten dankbar. Doch plötzlich setzt sich der GL in Bewegung. Rossi ist eingereist, ganz ohne Probleme. Sogar sein angebrochener Yoghurt mit Müsli durfte anstandslos die Grenze passieren, und so geht es auch unserem Beef Jerky.

Vancouver ist in Erdöl-Hand

Die Freude über den gelungenen Coup und der Stolz auf unsere Verwegenheit überlagert noch den wartenden Abschiedsschmerz. Vancouver grüßt mit grandioser Skyline und einladenden Brücken in einem weit verzweigten Meeresarm. Die Stadt ist nicht nur schön, sie ist auch fest mit dem Erdöl verbunden. Die Bucht liegt voller Tanker, eine Chevron-Tankstelle für Boote schwimmt Format füllend auf dem Wasser. Es gäbe für Hydrogen-Missionare hier noch viel zu tun, und immerhin gibt es außerhalb der Stadt schon seit längerem eine Wasserstofftankstelle.
 
Wieder unterbricht ein dumpfes Brummen die hehren Gedanken. Wieder mal landet, Schaumstreifen hinter sich herziehend ein Wasserflugzeug in der Bucht. Wer es sich leisten kann, fliegt in die Stadt. Im Minutentakt setzen die Flugzeuge mit ihren Kufen auf, verschwenden massenweise Kerosin, verpesten die Luft und machen ab morgens um Viertel nach Sieben bis in den späten Abend dröhnenden Krach. Aber irgendwie ist es doch schön. Ach, jetzt einen Tag am Wasser sitzen und den Fliegern und Fähren zuschauen. Einmal lange schlafen, gemütlich frühstücken und dann die Route nach Quebec ausbaldowern.
 
Aber daraus wird ja nichts. Heute ist erst mal Schluss. Viele Wege werden sich hier trennen. Liebgewonnene Menschen, vertraute Gesichter, geregelte Tagesabläufe, alles zu Ende. Aschermittwoch.

Vancouver setzt auf grün

Morgen St. Patrick’s Day, der populärste Feiertag der Iren, die ihn – versprengt in alle Welt – rund um den Globus begehen. Das Volk von der grünen Insel trinkt an diesem Tag große Mengen, dunkelbraunen Bieres und kleidet sich mit etwas Grünem. Da will auch Vancouver nicht zurückstehen. Die Stadt präsentiert sich selbst als eine der drei grünsten Metropolen der Welt. Die Landes-Regierung investiert jährlich 50 Millionen Dollar in die Förderung von Umwelt-Technologie. Mercedes lässt seine Brennstoffzellen bei Partner AFCC schon längst in Vancouver entwickeln. Künftig soll ab 2013 auch die Serienfertigung in Kanada anlaufen. Man hofft auf Stückzahlen von bis zu 10.000. Die Premierministerin sähe gern, dass Vancouver zur unangefochtenen Hauptstadt der Planetenbewahrung wird.
 
Im Kongresszentrum der Stadt hängt ein gewaltiger, beleuchteter Globus, der sich durch die Nacht dreht. Zwischen Wolkenwirbeln kommt ein Stück Land in Sicht. Es ist Australien, Startort, der dritten Etappe in zwei Wochen. Ein Zeichen, ein Licht im Dunkel. Also bitte, jetzt werden wir mal nicht sentimental. Neues Spiel, neues Glück. Auf zur nächsten Etappe. Die Fastenzeit kriegen wir auch noch rum. Der Rucksack ist ja immer noch voller geschmuggeltem Trockenfleisch.

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