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F-Cell World Drive Tag 28

Angriff der Trillerpfeifengrille

F-Cell World Drive Foto: Markus Stier 29 Bilder

Der Mercedes F-Cell World Drive nimmt nach Westeuropa und Nordamerika mit Australien den dritten Kontinent in Angriff. Die Reise beginnt im schönen Sydney und führt in eine Welt voller Abenteuer und Gefahren.

30.03.2011

Es ist schon länger als drei Jahrhunderte her, aber vermutlich beißen sich die Holländer noch heute wohin, weil sie diese Gelegenheit ausgelassen haben. Die frühere Seemacht an der Nordsee war so fixiert auf die Gewürzinseln und den Porzellanhandel mit China, dass sie die immer wieder mal im Weg liegende Landmasse nur beiläufig zur Kenntnis nahm. Vier Jahrzehnte lang bereisten niederländische Seefahrer den Südpazifik, entdeckten Ost- und Nordaustralien sowie die Insel Tasmanien, nur versuchten sie nie, das frisch gefundene Territorium zu besiedeln.

Australien als Sträflingskolonie

Das aber taten mal wieder die Briten. 1770 rammte James Cook bei einer seiner Weltreisen den Union Jack in der Botany Bay in den Boden und nahm die Terra Australis Incognita für die englische Krone in Besitz - wie gewöhnlich, ohne die Erlaubnis der Ureinwohner einzuholen. So richtig los ging es mit der Besiedelung der Bleichgesichter erst 1788, als Kapitän Arthur Pilipp in einen fast 20 Kilometer langen und weit verzweigten Meeresarm einfuhr, der zunächst den Namen Port Jackson trug.

Die berühmte erste Flotte weckt in den Australiern noch heute gemischte Gefühle. Einerseits sind sie eine selbstbewusste und stolze Nation, andererseits müssen sie sich regelmäßig den Anwurf anhören, dass die ersten Australier Knackis waren. Nach dem verlorenen Krieg gegen die aufständischen Kolonien Nordamerikas lungerten in Londons Straßen hordenweise entlassene Soldaten. Es herrschte Armut und Hunger, die Kriminalität stieg und die Gefängnisse quollen über. Und so kam das britische Parlament zu dem Schluss, das Problem mit Deportation zu regeln. Australien war eine Sträflingskolonie, und böse Zungen in England behaupten, dass man es dem Kontinent Down Under heute noch anmerkt, zum einen am zuweilen rauen Umgangston, zum anderen an der angeblichen Faulheit.

Bänker gehen in kurzen Hosen zur Arbeit

Vielleicht verwechselt der steife Brite das eher mit Entspanntheit. Denn anders als in der restlichen angelsächsischen Welt ist das Bestreben des Australiers weniger auf Gewinnmaximierung ausgelegt, sondern eher auf Genussmaximierung. Und so spucken die Fähren am Circular Quay jeden Morgen Bänker aus, die mit offenem Hemdkragen und kurzen Hosen zur Arbeit gehen. Sie bevölkern tagsüber die Skyline dessen, was sich mit aller gebotenen Zurückhaltung und Vorsicht schlicht die schönste Stadt der Welt nennen darf.

Sydney zeigt sich von seiner schönsten Seite

Vor den Wolkenkratzern des Geschäftsviertels breitet sich der sattgrüne botanische Garten aus, in dessen tropischen Bäumen sich bei Sonnenuntergang Tausende Flughunde kilometerweit lärmend um die besten Schlafäste streiten. Nach rechts zieht sich mit der Habour Bridge die zweitlängste Einbogenbrücke der Welt. Davor hockt auf einer Felsnase die Altstadt. In „The Rocks“ finden sich heute bestens restaurierte Ziegelbauten. In den ehemaligen Hafenanlagen haben sich Hotels, Restaurants und schicke Läden eingenistet. Auf der anderen Seite der Bucht liegt das abgesehen von den Pyramiden unverwechselbarste Gebäude der Welt, die Oper von Sydney.
 
Der Däne Jorn Utzon gewann den 1954 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb, verlor aber bald die Kontrolle über seinen Entwurf, dessen Umsetzung den Stadtvätern zu teuer war. Erbost rauschte er lange vor der Einweihung ab und schwor, nie wieder australischen Boden zu betreten.

Australien und seine gefährliche Tierwelt

Derlei sollte man nicht leichtfertig tun, denn das angenehm warme Wetter, Meerblick an jeder Ecke, bestes Essen und die Entspanntheit der Sydneysider sind gute Gründe, sofort einen Einwanderungsantrag zu stellen. So gesehen sind die zwei Wochen, in denen die Mercedes F-Cell Brennstoffzellen-Welttournee in Down Under zubringt, eine erschütternd kurze Zeitspanne.

Der erste Reisetag auf unserem dritten Kontinent führt über gemächliche 470 Kilometer nach Süden. Einige Neuankömmlinge unter den Journalisten aus Deutschland und China befällt kurz nach dem Vertrautmachen mit Bordcomputer und Verbrauchsanzeige das Rekordfieber, der routinierte Brennstoffzeller erkennt indes schnell, dass die Ostausläufer der Blue Mountains zu hügelig sind, um beim Wasserstoffkonsum zu glänzen.
 
Immerhin sind die Teilstrecken so kurz, dass sich andererseits niemand Sorgen um die Reichweite machen muss, eher schon um wilde Tiere. Ein Drittel der gefährlichsten Tiere der Welt lebt in Australien und versucht andere, vorzugsweise mit Gift, ums Leben zu bringen. Die betreffenden Gattungen gehören fast ausnahmslos Arten an, die auf der Ekelskala des Menschen unangefochten die ersten Ränge einnehmen. Als da wären Spinnen, Schlangen und Quallen. Ganz davon abgesehen, dass auch Krokodile und Haie eher zur Grusel- als zur Knuddelliga zählen. Der Australier liebt es, Neulinge zu erschrecken, indem er ihnen vorrechnet, wie viele Minuten ihnen nach dem Biss jener Schlange oder dieser Spinne bleiben, um vielleicht noch sein National Geografic-Abo zu kündigen, oder seiner Liebsten zu verkünden, dass sie mit dem Abendessen nicht warten muss.

Gefährliche Käfer im Outback

Tödliche Gefahren üben allerdings einen nicht unbeträchtlichen Reiz aus. Wie oft haben wir bei der Desert Challenge in der arabischen Wüste unsere Stiefel erwartungsfroh abends vors Zelt gestellt, aufgeregt wie die Kinder vor Nikolaus, um dann am Morgen wieder enttäuscht festzustellen, dass sich keine Skorpione darin finden. 

Wir hatten auf unserer Weltreise bisher allenfalls Grund zur Gänsehaut, wenn ein amerikanischer Restaurant-Betreiber glaubte, er könne sich ein separates Kühlhaus sparen, wenn er gleich den ganzen Laden auf sechs Grad einstellt. Selbst die angeblich so verbreiteten Klapperschlangen kamen uns allenfalls ausgestopft vor die Linse.

Umso freudiger die Erregung, als Mercedes-Mitarbeiterin Madeleine beim Tankstopp in Goulburn plötzlich hektisch fuchtelt, weil sie ein gefährliches Tier auf meinem Hut entdeckt hat. „Iiiihh, da ist ein Käfer“, japst sie panisch. „Sieht er gefährlich aus? Dann mach ein Foto.“ Dem Tele-Objektiv aus nächster Nähe ins Auge blickend, bekommt das arme Tier Angst und macht sich davon. So gefährlich sah er nicht wirklich aus.

Todeskurve ohne Schilderwald

Dafür verspricht unser Elektronisches Roadbook südöstlich der Hauptstadt Canberra gefährliche Kurven. Danger mit drei Ausrufezeichen, das ist doch mal was. Die hügelige Strecke mit überhöhten Spitzkehren und zahllos blinden Kurven über Kuppen würde in Deutschland zur Errichtung eines Schilderwaldes führen, hier windet sie sich durch Eukalyptus-Wälder und Riesenfarne. Das Tempolimit liegt bei 90. Nur die versprochene Todeskurve wird mit 30 durchfahren, eine Baustelle mahnt zum Bummeln.

Trillerpfeifengrille in Batemans Bay

Am späten Nachmittag ist Batemans Bay erreicht. Wir beziehen kleine Holzhäuschen am Meer und sinken nach einem warmen und schönen Tag selig in die Kissen. Doch die süßen Träume währen nur bis nachts um vier, dann zerreißt plötzlich eine schriller Ton die Stille. Um den Klang angemessen wiederzugeben, stelle sich der Leser Louis de Funès als Gendarm vor, der auf einem Pariser Platz postiert ist, um den Verkehr zu regeln, der aus acht Straßen sternförmig auf ihn zustürmt.

Man hat ihm eine Pfeife gegeben und vor Dienstantritt acht Red Bull in ihn geschüttet. Nun springt er heftig gestikulierend, mit aus den Höhlen tretenden Augen wie ein Flummi auf und ab, rammt Luftstoß um Luftstoß in seine Pfeife und läuft mit geblähten Backen, verschwitzter Stirn und hektischen Flecken auf und nieder – und das direkt vor meinem Fenster.

Doch beim Blick nach draußen zeigt sich niemand. Irgendwo im Dunkeln sitzt sie im Gebüsch, die Trillerpfeifengrille. Dem Geräusch nach 1,50 Meter lang und 350 Kilo schwer. Erst wütende Schritte zum Klo wecken ihren feinen Spürsinn für Erschütterungen und lassen sie befriedigt ein Raucherpäuschen einlegen, oder was Grillen sonst so tun, wenn sie nicht nerven.
 
Ach, Stille. Zurück ins weiche Kissen. Die Nachtruhe dauert vier Minuten, dann springt plötzlich mit sonorem Brummen der Kühlschrank an. Sofort meldet sich wieder die Trillerpfeife im Gebüsch, offensichtlich ein Weibchen, das sich in den sonoren Bass des vermeintlichen Artgenossen in der Küchenzeile verliebt hat.
 
An Schlaf ist nicht mehr zu denken, also Anziehen, Wasser heiß machen und beim Morgengrauentee das Roadbook anschauen. Morgen 450 Kilometer bis Lakes Entrance. Vielleicht lässt sich ja auf dem Rücksitz eine kleine Siesta machen, und vielleicht finden wir ja zwischendurch ein paar wirklich gefährliche Tiere.

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