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F-Cell World Drive

Das Rennen gegen die Uhr

02/11 Mercedes F-Cell World Drive. 3.Etappe Paris - Lyon, Mercedes B-Klasse, Brennstoffzelle Foto: Daimler 21 Bilder

Mercedes schickt drei Brennstoffzellen-Autos um die Welt. auto motor und sport ist immer dabei. Die 3. Etappe führte von Paris nach Lyon. Es ist schon spät und wird dunkel. Aber wir sind schon groß und dürfen noch aufbleiben. Wir sind auf einer Mission. Heute muss die Tankanzeige lernen, wer der Chef im Ring ist.

03.02.2011 Markus Stier

Der Feind steht rechts. Es ist der kleine Zeiger unten rechts in der Armaturentafel, der uns in den letzten Tagen schmerzhaft unsere Grenzen aufgezeigt hat. Es ist die Nadel der Tankanzeige, die uns ständig wie ein Stachel im Fleisch sitzt. Es ist immer das Gleiche: Erst gibt sie vor, am Anschlag angeschweißt zu sein, dann beginnt sie sich so langsam zu bewegen, dass es dem menschlichen Auge nicht auffällt, um dann in einem unbemerkten Moment blitzartig Richtung Mitte zu hetzen. Zackbumm, Tank schon wieder halb leer.

Im Windschatten Wasserstoff sparen

Aber nicht heute. Heute stehen 500 Kilometer von Paris nach Lyon auf dem Programm, unterbrochen von einem Tankstopp nach 235 Kilometern. Und heute werden wir dem Zeiger zeigen, wer hier das Sagen hat. Und so lassen wir leichten Herzens die Ausfahrt zum wunderschönen Schloss Fontainebleau rechts liegen. Es gab einen Unfall und Stau, und wir haben ohnehin Wichtigeres zu tun.
 
Der Bordcomputer sagt bei Tacho 110 einen Verbrauch von 1,32 Kilogramm Wasserstoff voraus. Das ist zuviel, um Rekorde anzustreben. Vorne im ersten Auto packt Brennstoffzellen-Spezialist Massimo Venturi die Trickkiste aus und saugt sich mehrere Kilometer an einem 38-Tonner fest. Beim Tankstopp in Nevers hat er noch Brennstoff für rund 60 Kilometer im Tank. Bei uns sind es ein paar mehr, aber wir waren auch nur zu zweit im Auto, Venturi hatte noch ein Kamerateam an Bord. Also gut, das muss noch besser gehen.
 
Am Nachmittag auf der N7 immer Richtung Süden. Die Auvergne kommt in Sicht, genauso grau und kalt wie die Ile de France. Auch ganz ohne unseren Wasserdampf ist Frankreich in diesen Tagen eine einzige Waschküche. Aber egal, der Hochnebel mag aufs Gemüt drücken, solange er nicht auf den Verbrauch drückt, ist uns das wurscht.
 
Auf der Landstraße liegt der Verbrauch bei 1,15 Kilo, das sieht doch schon besser aus. Convoychef Arved Niestroj telefoniert auf dem Beifahrersitz: "Wir machen aus dem Stier noch einen richtigen Sparprofi."

Die Augen kleben am Display

Die Nachmittagsetappe ist mit 270 Kilometern die bisher längste. Zudem stellen sich die ersten Unebenheiten in den Weg. Jetzt heißt es, das Display des Comand-Systems im Auge zu behalten. Ein Balkendiagramm zeigt den Verbrauch der letzten Viertelstunde an. Hängt unter den weißen Balken ein grüner, haben wir rekuperiert, also mit Bremsenergie Batteriestrom gewonnen, den wir wieder beim Beschleunigen einsetzen können, was wieder Wasserstoff spart.
 
Der Col du Pin Bouchain ist die erste Passstraße, die sich in den Weg stellt. 760 Meter hoch bietet sich eine schockgefrostete Landschaft. Raureif hängt zentimeterdick an den Zweigen der Bäume. Ein Renault Laguna mit Gefrierbrand duckt sich gegen eine Hausmauer. Bei der Abfahrt taucht die Dämmerung alles in ein blaues Licht, aber wir haben nur Augen für all die schönen grünen Balken auf dem Display.
 
Der Tankanzeiger, der uns schon einige Male verhöhnt hat, wirkt heute irgendwie ein bisschen müde. Nach knapp 200 Kilometern ist der Tank immer noch zu einem Drittel gefüllt. Lyon kommt näher. Frankreichs zweitgrößte Stadt produziert gern auch die zweitlängsten Staus. Zehn Minuten hängen wir auf einer Brücke fest, aber was Gift für einen Verbrennungsmotor ist, ist Balsam für die Brennstoffzelle. Rein elektrisch rollen wir durchs Ungemach und leben in Saus und Braus von der Batterie, die wir eben noch so schön gefüllt haben.

0,58 kg Wasserstoff und ein Bier

Am Stadtrand einmal kurz verfahren und fünf Kilometer Umweg gemacht - geschenkt. Am Abend sind im Ziel noch 0,58 Kilo Wasserstoff im Tank. 283 Kilometer sind wir gefahren, für weitere 74 hätten wir noch Saft. Den Verbrauch haben wir auf 1,10 Kilogramm gedrückt und sind dennoch das erste Auto an der mobilen Tankstelle. Im Kampf Besatzung gegen Tankanzeige ein klarer Punktsieg.
 
Ach, jetzt ein schönes Lyoner Bier, ein paar deftige Spezialitäten in einem dieser hübschen Altstadtrestaurants. Dann trifft der junge Kollege vom Mercedes-Passionblog ein. Er hätte noch 100 Kilometer Reichweite gehabt, verkündet er. Gebummelt habe er keineswegs, eher das gleiche Tempo angeschlagen wie wir. Sein Verbrauch lag bei 1,08 Kilo auf 100 Kilometern. Es hätte so ein schöner Abend werden können.

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