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F1-Ideallinie am Nürburgring

Im Techart-Porsche GT2 über den GP-Kurs

Adrian Sutil - Techart GT2 Foto: Kasan 22 Bilder

Auf dem Nürburgring dröhnen nach zwei Jahren Pause endlich wieder die Formel 1-Motoren. Force India-Pilot Adrian Sutil ist mit seinem Techart-Porsche 911 GT2 zur Stipvisite in die Eifel gereist. Er stellt den sport auto-Lesern die älteste Grand Prix-Strecke Deutschlands aus der Cockpit-Perspektive vor.

23.07.2011 Tobias Grüner Powered by

Im Privatauto auf die Rennstrecke

F1-Pilot Adrian Sutil ist an diesem heißen Sommertag nicht allein an den Nürburgring gereist. Mitgebracht hat der Force India-Pilot sein Privatauto, einen Techart-Porsche 911 GT2. Mit dem schneeweißen Wagen erklimmt der 28-Jährige normalerweise die Alpenpässe seiner Schweizer Wahlheimat. Heute muss das 580 PS starke Geschoss sein Talent auf der Rennstrecke beweisen.

Für den Piloten ist die Rückkehr in die Eifel auch eine Reise in die Vergangenheit. „In einer der Rennfahrerschulen habe ich hier meine ersten Gehversuche in einem Formel-Auto absolviert“, erinnert sich der 80-fache Grand Prix-Teilnehmer. „Ich war damals der Schnellste in meinem Kurs und habe als Belohnung einen Gutschein für die Teilnahme an einem Lizenzlehrgang gewonnen. Das gab mir einen großen Schub, den Aufstieg vom Kart in höhere Klassen zu suchen.“

Über die Schweizer Formel Ford und die deutsche Formel BMW ging es für das Talent schnell in die internationale Formel 3 Euroserie. Dort wurde der lange Bayer im zweiten Jahr Vizemeister. Die F3-Rennen am Nürburgring blieben ihm in besonders guter Erinnerung. „Mit einem Sieg und einem dritten Platz fuhr ich eines meiner besten Wochenenden in der Euroserie überhaupt“. Beim Erfolg im Hauptrennen ließ das Nachwuchstalent übrigens auch die späteren F1-Kollegen Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Paul di Resta hinter sich.

F1-Einsätze endeten mit Kollisionen

In der Königsklasse konnte Sutil allerdings bislang noch keine großen Erfolge auf dem 5,148 Kilometer langen Eifelkurs feiern. Bei seinem ersten Nürburgring-Grand Prix 2007 rutschte der damalige F1-Rookie auf nasser Piste mit seinem Spyker in die Reifenstapel. „Beim Aufprall habe ich mit dem Knie die Lenkstange zerbrochen. Plötzlich hatte ich das Lenkrad in der Hand“, lacht der Deutsche heute über den kuriosen Unfall. Zwei Jahre später lag er im Force India aussichtsreich auf Rang vier, bevor ihn eine Kollision mit Kimi Räikkönen weit aus den Punkten warf.

Anziehungskraft des Rings erlegen

Trotz des Pechs kommt der gebürtige Starnberger immer wieder gern an den Ring. Schon an der Autobahnausfahrt beginne das Kribbeln im Gasfuß, so Sutil. Zunächst muss er sich aber einige langsame Runden gedulden, bis der Fotograf alle Bilder im Kasten hat. Dann darf der Vollblutracer endlich Gas geben. Bevor der Kurs für die Touristenfahrten auf die Kurzanbindung umgebaut wird, bleibt allerdings nur Zeit für eine schnelle Runde.

Vor der Schikane wird noch schnell der sport auto-Reporter eingeladen. Die 80 Kilo Lebendballast auf dem Beifahrersitz scheinen den Piloten aber nicht nachhaltig einzubremsen. Im Gegenteil: Ohne Vorwarnung geht das Gaspedal Richtung Bodenblech und bringt damit die 315er-Walzen an der Hinterachse zum Qualmen. „Irgendwie muss ich die ja bis zur Ziellinie auf Temperatur bringen“, grinst Sutil amüsiert.

Die kleine Burnout-Aktion bleibt nicht ohne Folgen. In der Zielkurve klebt das gut 1,4 Tonnen schwere Sportgerät auf dem Asphalt, die unfassbare Beschleunigung auf der langen Geraden presst Pilot und Beifahrer tief in die engen Schalensitze. Die Tachonadel kratzt bereits an der 250-km/h-Marke, als Sutil 180 Meter vor der ersten Kurve den Anker wirft. „Im Formel 1-Auto bremse ich nochmal 60 Meter später“, erklärt der Spezialist. „Aber da komme ich auch mit mehr als 300 an.“

Fahrwerte aus einer anderen Dimension

Die trockenen Zahlen können nur einen groben Eindruck von der unvorstellbaren Leistung eines F1-Renners geben. Mit 5 g wird ein Formel 1-Fahrer beim Bremsen in die Gurte gedrückt. Auch beim Beschleunigen wirken unfassbare Kräfte auf den Körper: Nur 1,6 Sekunden vergehen bis 100 km/h, 3,3 Sekunden später zeigt das Digitaldisplay eines Formel 1-Autos die 200 an. Die Werte des Techart GT2 verblassen im Vergleich zu Sutils Force India - trotz der um 50 PS gesteigerten Leistung gegenüber dem Serienmodell. 3,5 Sekunden benötigt der verschärfte Porsche für den Standardsprint. Bis 200 km/h vergehen immerhin 10,9 Sekunden.

Sutil rast derweil durch die kurvige Mercedes-Arena. Das langsame Geschlängel verlangt viel Arbeit am Lenkrad und am Schalthebel.„Die Kupplung ist brutal hart“, kommentiert der Hobbypianist, während er sein Sportgerät einhändig durch die Kurvenkombination dirigiert. „Mit der H-Schaltung musst du richtig Fahren können. Erst so macht es entsprechend Spaß.“ In der Formel 1 genügt bekanntlich eine kurze Fingerbewegung an der Schaltwippe, damit sich die Getrieberädchen in Bewegung setzen.

Der zuletzt 2002 umgebaute erste Sektor ist für den Vollgasfreak nicht die Schokoladenseite des GP-Kurses. Die schnelleren Kurven fünf und sechs sind da schon eher nach Sutils Geschmack. Vor der bekannten Dunlop-Kehre geht es erneut hart in die Eisen. „Hier muss man aufpassen, dass man sich bergab nicht verbremst und die Linie hält. In der Kurve hat man dann durch die Neigung des Asphalts nach innen etwas mehr Grip“, erklärt der Experte.

Rennqualitäten des Straßensportlers ausreizen

Nach dem U-Turn geht es schon wieder den Berg hinauf. Das schnelle Michael Schumacher-S steht an. „Eine der besten Stellen“, kündigt der Porsche-Fan an und brettert mit Vollgas durch die Highspeed-Kombination. Der GT2 folgt den Lenkbewegungen wie auf Schienen. Obwohl der 3,6 Liter große Boxer jenseits der Hinterachse untergebracht ist, bleibt das Heck stoisch in der Spur. Kein Rutschen, kein Quietschen. „Der liegt wirklich gut“, zeigt sich auch Sutil von den Rennqualitäten seines Straßensportlers beeindruckt. „Vor allem macht der alles mit. Den kannst du prügeln ohne Ende.“

Wie zum Beweis zieht der Pilot die Curbs am Kurvenausgang in die Ideallinie mit ein. Über die Niederquerschnittsreifen im 20-Zoll-Format, die harten Dämpfer und die wenig gepolsterten Sitze übertragen sich die Schläge direkt auf die Wirbelsäule. „Im Vergleich zum Formel 1-Auto ist das noch richtig weich“, versucht Sutil dem ungläubigen Beifahrer weiszumachen.

Auch in den Kurven zehn und elf geht der WM-Elfte des vergangenen Jahres ans Limit. Die mittelschnellen Ecken verlangen im Formel 1-Auto maximalen Anpressdruck. Deshalb werden die Flügel am Ring so steil wie möglich gestellt. Am GT2-Heckflügel sorgt ein verstellbarer Gurney-Flap für einen Tick mehr Abtrieb.

Und der wird am Nürburgring auch gebraucht. Mit Vollgas fliegt der Porsche bergab auf den ultraschnellen Rechtsknick zu. Wie in der Formel 1 bleibt der Fuß auch im Techart-Porsche 911 GT2 voll auf dem Stempel. Mit weit über 200 km/h nähert sich die Schikane. Wieder bringt der Rennfahrer die Karbon-Bremsscheiben zum Glühen, bevor er seinen weißen Renner mit Nachdruck in die enge Kurvenkombination zwingt.

Überholmanöver im Kopf vorbereitet

„Hier bietet sich im Rennen die beste Gelegenheit zum Überholen. Ich hoffe, dass wir auf dem Weg zur Schikane den Heckflügel flach stellen dürfen. Leider sind die Curbs mittlerweile sehr hoch. Früher konnte man noch aggressiver durch die Schikane räubern. Jetzt beschädigt man sich leicht den Frontflügel, wenn man nicht aufpasst.“

Nachdem der Magen innerhalb weniger Sekunden in alle Himmelsrichtungen gedreht wurde, wartet mit der Zielkurve noch eine letzte Herausforderung auf Pilot und Copilot. Prompt steigt Sutil am Ausgang einen Tick zu früh aufs Gas und bringt das Heck ins Rutschen. Mit einer beherzten Lenkbewegung korrigiert der Profi den Fauxpas, um einen peinlichen Ausritt ins Kiesbett zu vermeiden.

Die Uhr immer im Blick

Kaum über die Ziellinie, geht der Blick wieder zum Beifahrer: „Und, wie schnell?“ Handgestoppte 2:21 Minuten hat der Ritt durch die Grand Prix-Hölle gedauert. Wenn es gegen Alonso, Vettel und Co. Ende Juli um WM-Punkte geht, sollte das noch einmal rund 50 Sekunden schneller gehen.

Nach dem Aufwärmprogramm auf der Formel 1-Strecke geht es zum Abschluss noch auf eine gemütliche 20-Kilometer-Eifelrundfahrt über die Nordschleife. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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