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F1 Vorschau GP Japan 2012

In Suzuka wird Alonso gejagt

Michael Schumacher - Mercedes - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 4. Oktober 2012 Foto: Grüner 76 Bilder

Die Formel 1 geht mit dem Titelkampf beim GP Japan in die 15. Runde. Auf der schnellen Strecke von Suzuka wollen die Verfolger von Fernando Alonso endlich die große Aufholjagd starten. Wir sagen Ihnen in unserer Vorschau, wer die besten Karten besitzt.

02.10.2012 Tobias Grüner Powered by

In Japan geht die Formel 1-Saison in die entscheidende Phase. Bei sechs Rennen innerhalb von nur acht Wochen bleibt kaum mehr Zeit um zwischendurch Luft zu holen. Fehler sind nun deutlich kostspieliger als in früheren Phasen der Saison. Wer jetzt noch einen großen Rückstand aufholen will, dem drohen am Ende einfach die Rennen auszugehen.

Am ehesten kann sich noch Fernando Alonso einen Patzer erlauben. Zuletzt schrumpfte der Vorsprung des Ferrari-Piloten an der Spitze der WM-Wertung allerdings stetig. Sebastian Vettel konnte sich mit dem Singapur-Sieg bis auf 29 Zähler heranrobben. Der Deutsche kommt gerne nach Japan. In den letzten drei Jahren gewann Vettel zwei Rennen in Suzuka. 2011 wurde der Heppenheimer mit Rang drei vorzeitig Weltmeister.

Während sich Vettel noch einigermaßen in Schlagdistanz zu Alonso befindet, stehen die weiteren Verfolger schon deutlich unter Zugzwang. Kimi Räikkönen (Lotus) und Lewis Hamilton (McLaren) kommen mit 45 bzw. 52 Punkten Rückstand zum GP Japan. Auch ohne besondere Rechenkünste lässt sich leicht feststellen, dass die große Aufholjagd nicht mehr lange auf sich warten lassen darf.

Die Strecke: Suzuka International Racing Course

Schon seit 1987 werden auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs südlich von Suzuka Formel 1-Rennen ausgetragen. Seitdem hat die schnelle Strecke mit ihrem charakteristischen Achter-Layout bei Fans und Fahrern viele Anhänger gefunden. Fließende Kurvenkombinationen, enge Schikanen und Haarnadeln sowie lange Vollgaspassagen sorgen für eine aufregende Mischung. Fehler verzeiht der Kurs nicht. Im Gegensatz zu den vielen neueren Retortenkursen lauern hier noch echte Kiesbetten jenseits der Kerbs und keine asphaltierten Auslaufzonen in der Größe von Supermarktparkplätzen. 

Die vielen anspruchsvollen Passagen verlangen von den Fahrern volle Konzentration. In den S-Kurven zu Beginn der Runde muss die Linie bei jedem der sechs Richtungswechsel perfekt passen. Hier kann man viel Zeit liegen lassen, wenn die Balance des Autos nicht passt. Auch die beiden Degner-Kurven (Nr. 8 & Nr. 9) sorgen traditionell für viel Action und einige spektakuläre Ausritte. In der schnellen 130R-Kurve bekommen die Piloten dagegen nur noch selten Schweißausbrüche. Heute geht die nach ihrem Radius benannte Ecke relativ einfach vollgas. Die beste Gelegenheit zum Überholen bietet die enge Schikane vor Start-Ziel.

Fast Facts zum GP Japan:

Höchste Querbeschleunigung: 3,5g (für 2 Sekunden in Kurve 15)
Längste Vollgaspassage: 1.200 Meter (zwischen Kurve 14 & 15)
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 10 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 40 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 49
Vollgasanteil auf einer Runde: 69 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 65 km/h
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 320 km/h
Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 700
Top-Speed: 320 km/h
Spritverbrauch: 2,75 kg/Runde
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,35 Sekunden

Das Setup:

Die vielen schnellen Kurven verlangen eine gute Balance im Auto. Wer zu stark rutscht verliert Zeit und beansprucht die Reifen über Gebühr. Zu steil dürfen die Flügel aber auch nicht stehen, um auf den langen Vollgaspassagen nicht zu viel Luftwiderstand zu bieten. In den Freien Trainings muss der optimale Kompromiss gefunden werden. Tückisch ist in Suzuka auch immer der Wind, der direkt am Meer mit einer steifen Brise weht und nicht selten mehrmals am Tag die Richtung wechselt.

Für den Motor stellt die Strecke ebenfalls eine überdurchschnittliche Belastung dar. Die Bremsen sind durch die vielen flüssigen Passagen und die eher niedrigen Temperaturen dagegen weniger gefordert. Von der Fahrwerksabstimmung gibt es auch keine großen Herausforderungen. Der Asphalt weist kaum Bodenwellen auf. Die Kerbs sind flach. Spannend ist die Frage, welche Rolle die Reifen spielen. Im Vorjahr hießen die Mischungen noch "soft" und "medium". Nun gibt es "soft" und "hard".

Technik-Updates für den GP Japan:

In Suzuka erwarten wir noch einmal viele interessante Updates. Bei Mercedes könnte im Freien Training noch einmal das Zusatz-DRS am Heckflügel getestet werden. Bei Lotus plant man ebenfalls Einsatz der neuen Top-Speed-Hilfe. Wenn alles glatt geht, sollen die schwarz-goldenen Autos auch im Rennen damit starten. Sauber wird noch einmal am Unterboden arbeiten und einen neuen Frontflügel zeigen. Und auch die Top-Teams McLaren und Red Bull haben ein Paket angekündigt, wollten aber noch nicht verraten, welche neuen Teile drinstecken.

Die Favoriten:

Nachdem es in dieser Saison lange schwer war, echte Favoriten auszumachen, ist das Bild in den letzten Rennen deutlich klarer geworden. McLaren hatte nach zuvor drei Siegen in Folge auch in Singapur das schnellste Auto. Nur ein Getriebedefekt konnte Lewis Hamilton stoppen. Dabei hatten die Ingenieure den Speed auf dem winkligen Stadtkurs gar nicht so stark erwartet. Die schnellen Kurven in Suzuka kommen dem Chrompfeil eher entgegen. Lewis Hamilton gilt somit als Sieganwärter Nummer eins.

Auch Ferrari wird deutlich stärker erwartet als in Singapur. Ein Fragezeichen schwebt dagegen noch über Red Bull. Auf den schnellen Strecken wie Spa oder Monza konnte das Weltmeisterteam zuletzt nicht gerade glänzen. Um den WM-Kampf weiter spannend zu gestalten, sollte Vettel aber zumindest vor Alonso ankommen. Mitten in das Titelduell kommen aber wahrscheinlich noch die Sauber-Autos als Störfaktoren. Schon in Spa zeigte der C31 eine gute Pace. Auf dem ähnlich runden Layout in Suzuka könnte den Schweizern wieder eine Überraschung gelingen.

Im Mercedes-Lager ist man dagegen weniger optimistisch. Singapur war mangels langer Kurven genau richtig für die Silberpfeile. Nun droht wieder der Rückfall ins Mittelfeld. Auch Force India erwarten wir nicht so stark wie zuletzt. Wenn die Updates bei Lotus einschlagen, wird es im Kampf um die hinteren Punkteplätze schwer für die Mercedes.

Experteneinschätzung: Giampaolo Dall’Ara (Sauber-Ingenieur):

"Die Rennstrecke in Suzuka ist eine der faszinierendsten und schwierigsten der Saison. Im ersten Abschnitt gibt es technisch anspruchsvolle Hochgeschwindigkeitskurven, im Mittelsektor sind die Haarnadel und die tückischen Degner-Kurven, für die man eine stabile Straßenlage braucht. Die Spoon-Kurve ist auch speziell, sie ist mittelschnell bis schnell und führt auf die lange Gerade hin zur R130. Diese Kurve kann man mit den heutigen Formel-1-Autos zwar im Trockenen mit Vollgas durchfahren, aber sie ist immer noch eine Herausforderung."

"Am Ende der Runde kommt noch eine enge Schikane, für die man eine gute Traktion braucht. Die Strecke ist wirklich sehr komplex und technisch. Man braucht ein richtig gut ausbalanciertes Auto, und die Fahrer müssen dort viel leisten. Wir werden die harte und die weiche Reifenmischung von Pirelli haben, und das sollte passen. Dank des griffigen Asphalts und der schnellen Kurven zu Rundenbeginn dürfte es kein Problem sein, die Reifen auf Temperatur zu bringen."

So lief das Rennen im Vorjahr - GP Japan 2011

Der Grand Prix von Japan 2011 hatte zwei Gewinner. Jenson Button ließ sich als Sieger auf dem Podium feiern. Das größte Grinsen hatte allerdings Sebastian Vettel auf dem Gesicht, der sich mit Rang drei vorzeitig den Titel sicherte. Zwischen die beiden schob sich noch Fernando Alonso im Ferrari. Bei relativ ähnlicher Pace entschied der Reifenverschleiß das Rennen zu Gunsten von Button.

Lewis Hamilton, der am Start kurz die Führung übernommen hatte, musste mit schneller nachlassenden Gummis einen Kontrahenten nach dem anderen passieren lassen. In der 22. Runde legte sich der Brite auch noch mit Felipe Massa an. Am Ende landete er nur auf Rang fünf hinter Mark Webber. Michael Schumacher kam dahinter als bester Mercedes-Pilot auf Rang sechs.

Die Bilder der großen Vettel-Sause 2011 haben wir noch einmal in der Fotogalerie.

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